Artikel Samstag, 25.10.2014 |  Drucken

Erneute Verwirrung um die Causa Khorchide, der barmherzige Umgang untereinander im Kontext neuerlicher Beschuldigungen und zum neuen Gastdozenten Bekir Alboga

Der Wissenschaftler und Buchautor Muhammad Sameer Murtaza sieht sich eines extremen Vorwurfs seitens Prof. Khorchide ausgesetzt. Es steht hierbei u.a.die Aussage von Herrn Khorchide in einem Brief an die Stiftung Weltethos im Raum, wonach Murtaza, die muslimischen Verbände und die „Salafisten" ihn, Khorchide zum Ungläubigen erklärt hätten und Hetze betreiben, so dass er im Nachgang Drohbriefe erhält, die einen Polizeischutz notwendig machen. Murtaza widerlegt diese Behauptungen mit Zuhilfenahme von Fakten, des Lobes für sein letztes Buch (welches besonders den Zorn von Khorchide hervorrief) durch Khorchide Kollege Milad Karimi und den angeblich gescheiterten Versuch in Münster anzuheuern, dezidiert in einer Stellungnahme: https://www.facebook.com/notes/902252733126156/

Diese rufschädigenden Behauptungen Khorchides - übrigens auc gegen die Verbände - müssen natürlich belegbar sein. Die fehlen aber nun. In Wirklichkeit zeigt sich ein ganz anderes Bild; ich selber z.B habe Herrn Khorchide bei aller deutlichen Kritik mehrfach und stets gegenüber den Neosalafisten, die ihn als Ungläubigen bezichtigen, in Schutz genommen, siehe z.B. KNA-Interview vor einigen Monaten: http://islam.de/23013. Genauso habe ich auch Khorchide für seine Aussagen kritisiert, die Neosalafisten in die Nähe Unglaubens zu bringen; finde überhaupt diese inquisitorischen Takfir-Veranstaltungen als das Übelste im Moment, was der muslimische Raum zu bieten hat.

Abgesehen von der menschlichen Tragödie, die Zerstörungswut von Reputation, die solche Unterstellungen hervorbringen können, blicke ich, ehrlich gesagt, da nicht mehr ganz durch. Was hat das noch mit einem wissenschaftlichen, gar barmherzigen Umgang zu tun? Zugegeben, Murtaza kritisiert Khorchide recht hart, aber nicht mit inquisitorischen Mitteln. Will man darauf reagieren, sollte man dies ebenso sachlich tun, dabei aber strikt den wissenschaftlichen Ethos achten und den der freien Meinungsäußerung.

Der Verwirrung nicht genug, dennoch durchaus entschärfend und positiv in seiner Wirkung, Khorchides Brief vorgestern an den KRM (Koordinationsrat der Muslime mit DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD), wo er die Hand „der Versöhnung“ reicht und zu Überraschung aller erklärt, dass er die Kritik des KRM-Gutachtens sosehr ernst nimmt, dass er in der nächsten Auflage auf alle Punkte eingehen und sie korrigieren will. Nach dem neuerlichen Vorgehen um die Causa Khorchide will ich das trotzdem glauben, tue es aber endgültig und abschließend, wenn ich vorher das Manuskript gelesen habe.

Ein Satz noch zur neuen Dozententätigkeit von Herrn Dr. Bekir Alboga (DITIB) in Münster. In jedem anderen Fall – ohne vorherige Eskapaden und Belastungen - wäre ein solcher Schritt positiv zu bewerten. Bedeutet er doch eine Normalisierung der Beziehung zwischen Wissenschaft, Religionsgemeinschaft und Staat. Hier liegt der Fall insofern etwas anders, weil im Fall Münster immer noch keine Normalität eingekehrt ist. Dennoch: Das KRM-Gutachten steht, umso mehr nachdem Herr Khorchide sich nun laut eigener Aussage dran macht, es in seiner Neuauflage zu verarbeiten. Im KRM haben wir Herrn Alboga geraten, die Vorlesung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Aber vielleicht hatte man bei DITIB das ständige Tohuwabohu in Münster satt und will nun mit Präsenz vor Ort für Ordnung sorgen. Abgestimmt im KRM war der Schritt jedenfalls nicht. Aiman Mazyek



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