Artikel Freitag, 04.10.2013 |  Drucken

„Marokkanische Welt“ - Eine Premiere in Deutschland

Der Autor und Verleger Bernhard Albers gründete im Jahre 1981 in Andenken an den französischen Dichter Arthur Rimbaud den Rimbaud Verlag, der mittlerweile bereits ca. 500 literarische Titel herausgebracht hat. Die Literatur umfasst sowohl Lyrik und Prosa als auch Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Selbstdarstellungen. Der Rimbaud Verlag führt neuerdings als erster deutscher Verlag überhaupt eine eigene Rubrik „Marokkanische Welt“. Die Hintergründe des Verlages und seiner Fokussierung auf deutsche Literatur zu Marokko erläuterte Bernhard Albers im Gespräch mit Nadia Abram, der Direktorin des MAP Büros Berlin. Wir drucken hier das Interview mit Albers, welches von Dr. Mohammed Khallouk zusammengestellt worden ist, mit freundlicher Zustimmung der Autoren ab.  

Sie sind ein deutscher Verlag, der sich nach einem französischen Dichter benannt hat. Welcher Hintergrund verbirgt sich hinter dieser Namensbezeichnung?
 

Die Dichtung Arthur Rimbauds hat die deutsche Lyrik um 1900 maßgeblich beeinflusst und in die Moderne geführt. Ich habe diese Entwicklung in dem Band „rimbaud vivant“ dargelegt und gezeigt, wie viele Autoren, auch unseres Verlages, ihn rezipiert haben.  

Welche literarische Stilrichtung versucht Ihr Verlag vorrangig zu bedienen?
 

Es geht hier weniger um den Verlag, sondern viel mehr um die Autoren, die sich nach Rimbaud um neue Sichtweisen bemühen, neue Wege beschreiten oder mindestens die interessanten.  

Zwei ihrer Stammautoren, Christoph Leisten und Reinhard Kiefer, haben Werke über Marokko geschrieben, von denen einige hernach ins Arabische übersetzt wurden. Mittlerweile haben Sie sogar als erster deutscher Verlag eine eigene Rubrik „Marokkanische Welt“. Woher kommt diese besondere Fokussierung auf Marokko?  

Beide Autoren bereisen Marokko schon seit 30 Jahren unabhängig voneinander. Persönlich kennen sie sich aber erst seit zwölf Jahren. Sie haben als Schriftsteller jahrelang Notizen über dieses Land geführt, Kiefer sogar dreißig Jahre ein Tagebuch, das in wenigen Monaten erscheinen wird.  

Planen Sie auch Werke marokkanischer Autoren den Deutschen zugänglich zu machen?
 

Nein, denn das machen schon andere Verlage. Es geht mir darum, daß ein deutscher Autor seine Erlebnisse in Marokko literarisch verarbeitet und diese Literatur dann ins Marokkanische übersetzt wird und dort erscheint. Das ist eben das Besondere, so wie Mohammed Khallouk hier in Deutschland im Rimbaud Verlag sein Buch „In Deutschland angekommen“ veröffentlicht hat, das den Blick literarisch auf seine deutschen Erlebnisse, insbesondere mit der Stadt Marburg, richtet.  

Inwiefern, glauben Sie, kann Ihre Literatur dazu beitragen, die kulturelle Begegnung von Marokko und Deutschland zu fördern?
 

Genau in diesem Sinne, dass der deutsche Schriftsteller auch das Land und die Leute wahrnimmt. Vor vielen Jahren habe ich von einem englischen Autor ein interessantes Tagebuch mit seinen Erfahrungen u.a. in Tanger veröffentlicht, die aber, genau besehen, völlig selbstbezogen bleiben. Erst als ich von Elias Canetti „Die Stimmen von Marrakesch“ las, wusste ich, wie ein deutscher Schriftsteller über Marokko schreiben müsste. Meine Korrespondenz mit Elias Canetti habe ich übrigens vor kurzem im Rimbaud Verlag veröffentlicht.  

Vor dem Ersten Weltkrieg haben deutsche Autoren wie Gerhard Rohlfs und Otto C. Artbauer Marokko bereist, lebendige Berichte über das Land verfasst und damit für Aufsehen gesorgt. Wie kann Ihr Verlag dazu beitragen, die damalige Begeisterung für Marokko im deutschen Sprachraum wieder zu erwecken?
 

Christoph Leistens Buch über Marrakesch wurde schon vor Jahren in der FAZ euphorisch besprochen. Insbesondere von dem Tagebuch Reinhard Kiefers aus 30 Jahren Marokkoreisen erwarte ich einen ähnlichen Erfolg, weil es ein unnachahmliches Buch sein wird. 

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Bernhard Albers (*1951) studierte Philosophie und Theologie an der RWTH Aachen. Im Alter von 30 Jahren gründete er gemeinsam mit Walter Hörner in Aachen den Rimbaud Verlag. Er konnte seither über 120 Autoren zur Veröffentlichung ihrer Prosa oder Lyrik gewinnen und bringt auch eigene Bücher heraus. Sein letztes Werk „Echnaton –Der Untergang einer Familie“ erschien dieses Jahr.




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