Newsnational Montag, 03.06.2013 |  Drucken

Volkszählung: Warum bleiben verlässliche Daten über Muslime in Deutschland weiter ungenau?

Immer weniger Muslime und Juden beantworteten die Frage nach Religionszugehörigkeit – weitere bemerkenswerte Ergebnisse

Nach der Volkszählung ist nicht klar, wie viele Muslime in Deutschland leben. 66,8 Prozent der Einwohner der Bundesrepublik sind Christen. 10,5 Prozent gehören keiner Religion an. Im Osten Deutschlands liegt der Anteil der Konfessionslosen mit etwa 33 Prozent deutlich über dem im Westen (sechs Prozent). 24,7 Millionen Deutsche sind Mitglied der katholischen Kirche. 24,3 Millionen Menschen gehören der evangelischen Kirche an.

Insgesamt fühlen sich 53,2 Millionen Deutsche dem Christentum zugehörig. 4,2 Millionen Bürger bekennen sich laut Zensus zu einer anderen Religion, Glaubenssrichtung oder Weltanschauung. Die Zahl derjenigen, die keiner Religion angehören, wird mit 8,3 Millionen angegeben.

In der Befragung bekannten sich nur 1,9 Prozent zum Islam. Etwa jeder Sechste (17,4 Prozent) hat den Statistikern zufolge die freiwillige Angabe zur Religionszugehörigkeit verweigert. Deshalb werde mit den Zensusergebnissen die Zugehörigkeit der Bevölkerung zu einer Religion oder Glaubensrichtung eher zu niedrig angegeben.

Für den Zensus 2011 wurden zehn Millionen zufällig ausgewählte Bürger zunächst gefragt, ob sie Mitglied einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft sind. Dazu gehören die großen christlichen Kirchen. Diese Angabe war verpflichtend. Wer erklärte, er gehöre keiner Religionsgesellschaft an, wurde in einer zweiten Frage nach seinem religiösen Bekenntnis gefragt. Diese Angabe war freiwillig.

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, erklärte, es sei davon auszugehen, dass die Frage nach der Religionszugehörigkeit am häufigsten von Juden und Muslimen NICHT beantwortet worden sei. Der Zensus 2011 könne damit keine verlässlichen Ergebnisse darüber bereitstellen.

Dieser Trend, der sicherlich durch den gegenwärtigen religionsfeindlichen und insbesondere islamfeindlichen Diskurs (siehe Beschneidung) noch verstärkt wird, wurde von den Behörden vor einigen Jahren selbst sogar noch verschärft: Muslimische Bürger bei Anmeldung eines Neugeborenen oder standesamtlicher Trauung DÜRFEN die Religionszugehörigkeit nicht mehr angeben. Damit scheint Einigen gelegen zu sein, die Zahl der muslimischen Bürger in Deutschland möglichst ungenau zu halten.

Ausländer und Migranten

Nach den neuesten Zahlen stammt mittlerweile fast jeder Fünfte aus einer Zuwandererfamilie: 15 Millionen Einwohner des Landes haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Viele von ihnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft: Unter den 80,2 Millionen Einwohnern finden sich nämlich nur knapp 6,2 Millionen Ausländer - eine Quote von 7,7 Prozent. Und damit nahezu 1,1 Millionen weniger als bislang angenommen. Die meisten Zuwanderer stammen aus der Türkei. Mit 17,3 Prozent aller Migranten stellen sie die größte Gruppe. Dahinter folgen Zuwanderer aus Polen (13,1 Prozent), Russland (8,7 Prozent), Kasachstan (8,2 Prozent) und Italien (5,3 Prozent).  Deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 7,7 Prozent lag der Ausländeranteil in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen, aber auch in Hessen und Baden-Württemberg; in den neuen Bundesländern betrug er dagegen weniger als zwei Prozent. Den höchsten Migrantenanteil hat Hamburg mit 27,5 Prozent, den niedrigsten Thüringen mit 3,3 Prozent.

Weitere wichtige Ergebnisse des Zensus 2011 im Überblick:

In Deutschland leben viel weniger Menschen als bislang angenommen. Das ist nicht das einzige überraschende Ergebnis des Zensus 2011. Warum ist der Anteil der Ausländer so niedrig? Wieso ist auch nach der Volkszählung nicht klar, wie viele Muslime in Deutschland leben? Es ist die erste Volkszählung in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten. Zuletzt wurden die Einwohner 1987 in der damaligen Bundesrepublik und 1981 in der DDR gezählt.

Einwohnerzahlen
: Aktuell leben etwa 80,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik. Deutschland hat vier Millionenstädte: Berlin, Hamburg, München und Köln. Die Hauptstadt hat allerdings fast 180.000 Einwohner weniger als bislang angenommen, auch Hamburg muss die Einwohnerzahl um knapp 83.000 nach unten korrigieren

Geschlecht:
Frauen sind in Deutschland in der Überzahl: Etwa 41 Millionen weiblichen Einwohnern stehen etwas mehr als 39 Millionen Männer gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich der Vorsprung der Frauen in der Gruppe der über 75-Jährigen.

Alter
: Was die Altersstruktur angeht, erlebten die Statistiker keine Überraschung. Die deutsche Bevölkerung wird immer älter. 21 Prozent waren 2011 älter als 65 Jahre. Die unter 18-Jährigen machten einen Anteil von 15,7 Prozent aus.



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