Newsnational Dienstag, 28.08.2012 |  Drucken

Muslim erstmals im Deutschen Ethikrat

Der Deutsche Ethikrat tagte öffentlich in Berlin - Hauptthema war das sogenannte Beschneidungs-Urteil: Diesmal war auch Dr. Dr. Ilhan Ilkilic (Bild) dabei

Der Deutsche Ethikrat kam auf seiner Tagung nach einer zum Teil sehr kontrovers geführten Debatte mehrheitlich zu der Ansicht, religiöse Beschneidungen weiterhin gestatten zu lassen. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, teilte mit, diese Erlaubnis sei aber durchaus an Vorbehalte gebunden. Dazu gehöre z.B. die „fachgerechte Durchführung der Beschneidung, die Schmerzbekämpfung und die Einwilligung beider Elternteile.“

Die Mitglieder sprachen sich für die Gründung eines „Runden Tisches“ aus. Religiöse Vertreter aus den Reihen der Muslime und Juden, Elternvertreter und Ärzte aller Fachrichtungen sollen dort zu Wort kommen. Erstmals ist ein bekennender Muslim Mitglied im Deutschen Ethikrat. Es ist der Deutsch-Türke Ilhan Ilkilic (44). Er ist als Wissenschafter an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz tätig. Dort arbeitet er am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Dr. Dr. Ilhan Ilkilic hat in einer Doppelpromotion erfolgreich Medizin, Philosophie und Islamwissenschaften studiert.

Mit ihm sprach islam.de während einer Sitzungspause bei der Tagung des Deutschen Ethikrates. Ilhan Ilkilic betonte, man habe ihn „in den Deutschen Ethikrat in erster Linie als Wissenschaftler berufen.“ Natürlich, so Ilkilic, bringe er als erstes muslimisches Mitglied im Deutschen Ethikrat auch „ die muslimischen Wertvorstellungen zum Ausdruck.“

Dieses Unterfangen ist „nicht immer einfach“, so der Wissenschaftler, da er manchmal selber mehrfache Auffassungen in sich selber trägt. Bei der Frage „wann erleidet ein Mensch den Hirntod?“ kann er als ein Arzt eine Antwort aus medizinischer Sicht geben. Die Antwort aus theologischer Sicht, egal ob es sich dabei um die muslimische oder katholische beispielsweise handelt, muss sich nicht immer mit der ärztlichen Antwort decken. „Ich bin ja auch philosophisch-theologisch ausgebildeter Wissenschaftler. Dann muss ich mir selber sagen, als Arzt sieht man den angesprochenen Sachverhalt aus diesem Blickwinkel, als Philosoph aus jenem Blickwinkel. Beide Ansichten sind vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters aus vollkommen richtig.“

Das Menschenbild wird in den allermeisten Fällen vom Deutschen Ethikrat „durchaus argumentativ und interreligiös betrachtet. Sei es bei meinem vorhin gegebenen Beispiel zum Hirntod oder zum Thema Beschneidung.“  Er als Muslim kann durchaus auf die Moralvorstellungen, Gesetze, Werte im Islam „die anderen Kommissionsmitglieder informieren und berechtigte Fragen beantworten.“  Das alles aus der Sicht des islamischen Wissenschaftlers mit der Fachpalette Medizin, Theologie und Philosophie.

Die wunderbare, durch ALLAH (t) geschaffene Natur vor der eigenen Haustüre wahrnehmen

Der Familienmensch – Ilkilic ist Vater zweier Töchter - ist zwar „werktäglich in der Unimaschinerie regelrecht eingebunden“ aber er kennt auch ein Leben außerhalb des Universitätsbetriebes.

Wie sehr die Menschen allgemein die „wunderbare, durch ALLAH/T. geschaffene Natur vor der eigenen Haustüre nicht mehr wahrnehmen, habe er erst kürzlich erleben können. Seine kleine Tochter, die sich noch im Kindergarten befindet, besuchte einen Bauernhof  zusammen mit dem Kindergarten. Dabei nahmen tatsächlich manche Kinder erstaunt zur Kenntnis, so erzählte es seine kleine Tochter, dass die „Kühe die Farben schwarz und weiß hatten und nicht lilafarben waren.“

Er selber rät dazu, die Natur und alle Geschöpfe als etwas „Wunderbares, Wunderschönes zu betrachten.“ Er ertappe sich oft selber dabei, wie er in seiner knappen Freizeit in der Natur spazieren gehe und so mancher Gedanke kommt ihm dabei in den Sinn und so manches Problem, das in der Lehre und Forschung an der Universität noch nicht gelöst war, löst sich dadurch auf einmal, weil ein fehlender Gedanke zu Hilfe kommt. Deswegen weiß Ilhan Ilkilic: Wer sich in der Natur bewegt, lernt ganz schnell: „Geschöpfe sollen Geschöpfe lieben.“ Der Mann ist sicherlich ein ganz großer Gewinn für den Deutschen Ethikrat, für die Muslime in Deutschland allemal.  (Volker-Taher Neef, Berlin)



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