Artikel Donnerstag, 02.10.2008 |  Drucken

Rede des neuen Sperchers des KRM Erol Pürle (VIKZ)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich grüße Sie alle und möchte zu aller erst meinen Dank aussprechen, meinen Dank an Allah Teala, für seine gütigen Gaben, mit denen er uns auch im Ramadan beschenkt hat,
meinen Dank an die vorangegangenen Sprecher und hier an meinen Vorgänger Bruder Ali Kizilkaya für ihr tagtägliches Engagement in Sachen des KRM.

Ich möchte hier auch allen Damen und Herren, Schwestern und Brüdern danken, die sich im KRM engagieren und so seine Arbeit vorantreiben.

Und nicht zuletzt geht mein Dank an meinen Vorstand, der mir sein Vertrauen geschenkt und mich für die nächsten sechs Monate zum Sprecher des KRM nominiert hat. Dies ist eine Ehre für mich.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich erachte diese Ehre aber auch als Vertrauensvorschuss für die Verantwortung und die Schwere der Aufgabe, die mir gestellt worden ist.

Was hat der KRM in den letzten eineinhalb Jahren gemacht? Ali Kizilkaya hat Ihnen ein Resümee der bisherigen Tätigkeiten gegeben. Ich habe dem nicht viel hinzuzufügen.

Vielmehr möchte ich nach vorne schauen und da stellt sich die Frage, welche Aufgaben erwarten uns in den nächsten 6 Monaten, wo müssen wir weiter vorankommen und welche Themenfelder müssen bearbeitet werden?




Ein zentrales Thema ist sicherlich der Islamische Religionsunterricht.
Wir halten weiterhin fest am Religionsunterricht an öffentlichen Schulen nach Artikel 7 des Grundgesetzes. Deshalb müssen und werden wir am Aufbau der notwendigen Länderstrukturen weiterarbeiten.

Die Angelegenheit um den CRS hat uns, wie ich glaube, gezeigt, dass wir nachhaltige Projekte in Kooperation Staat und muslimische Religionsgemeinschaft brauchen, wie es auch üblich ist mit evangelischen, katholischen, orthodoxen Kirchen oder der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Nachhaltigkeit bedeutet, wie der Wissenschaftsminister des Landes Nordrhein Westfalen Andreas Pinkwart deutlich gemacht hat, die Einbeziehung der muslimischen Organisationen, und zwar eine rechtzeitige Einbeziehung. Muslime wollen nicht vor vollendeten Tatsachen stehen.

In aller Deutlichkeit möchte ich noch einmal betonen, dass der KRM für die Freiheit der Wissenschaften steht und für sich auch die Freiheit des Glaubens beansprucht. Wir möchten an die Existenz des Propheten Muhammed (Friede sei mit Ihm) und an die Authentizität des Koran glauben dürfen.

Die am vergangenen Freitag veröffentlichte Studie der Bertelmann-Stiftung hat uns deutlich gemacht, dass der Großteil der Muslime in Deutschland religiös und zugleich tolerant sind. Damit werden Jahrzehnte lange Klischees und Vorurteile über Muslime nun gebrochen. Religiosität und Demokratie widersprechen sich nicht. Dies ist nunmehr auch eine empirisch belegte Wahrheit.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ein weiterer Punkt ist die Deutsche Islamkonferenz. Sie ist ein erster und wichtiger Schritt in den muslimisch-staatlichen Beziehungen und wird weitergehen.


Die Islamkonferenz hat unter anderem im Bezug auf die Einführung des islamischen Religionsunterricht ein Leitfaden mit dem Titel „Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen eines islamischen Religionsunterrichts“ herausgebracht, an den sich nun ein oder das andere Bundesland orientieren sollte, um Ergebnisse zu erzielen.

Der KRM zeigt sich in der Deutschen Islamkonferenz auch sehr geschlossen und, auch wenn es in den Sitzungen sehr kontrovers zugeht, versucht er sich konstruktiv für die Belange der Muslime einzusetzen.


Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Auch der interkulturelle und interreligiöse Dialog ist und wird ein Thema sein. Wie sie wissen ist 2008 das Jahr des interkulturellen Dialogs.
Die Europäische Union hat sich dabei zum Ziel gesetzt, den interkulturellen Dialog zu fördern und eine weltoffene europäische Staatsbürgerschaft und Identität bei seinen Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln, die die kulturelle und religiöse Vielfalt respektiert und auf gemeinsamen Werten gründet.

Förderung einer Anerkennungskultur gegenüber ethnischer, kultureller und religiöser Pluralität nicht nur hier in Deutschland, sondern europaweit, ja weltweit ist unumgänglich.

Denn, meine sehr verehrten Damen und Herren, aus der kürzlich veröffentlichten Studie des Pew Research Centers in Washington geht hervor, dass „Antisemitismus und Islamophobie in Europa zugenommen haben und weiter zunehmen. Vor allem an die Adresse der Politik und die Medien richte ich den Appell, dass wir gerecht mit anderen Religionsgemeinschaften wie unter anderem Islam umgehen, damit keine Geister geweckt werden, die wir nicht wieder loswerden können.

Ich möchte an dieser Stelle allen Kölnerinnen und Kölnern danken, die friedlich aber energisch gegen den Anti-Islamisierung-Kongress demonstriert und die ein Zeichen gesetzt haben für Vielfalt in Köln und Deutschland. Wir betroffenen Muslime wissen dies zu schätzen. Vielen Dank.

Anerkennungskultur im interreligiösen Kontext bedeutet, dass der Dialog zwischen Juden, Christen, Muslimen und Andersgläubigen gefördert werden muss, ein Dialog auf Augenhöhe, und in Respekt, in dem Dialogpartner als Bereicherung gesehen und nicht zur Profilschärfe der eigenen Religion instrumentalisiert werden dürfen.

Wir Muslime verstehen uns in einem guten Wettstreit mit Christen und Juden. Jede gegenseitige Unterstützung ist begrüßenswert, wenn z.B. Kirchen sich für den würdigen Moscheebau aussprechen. Aber meine Damen und Herren, das müsste eigentlich nach eineinhalb Jahrhundert zur Normalität in diesem Lande werden. Als KRM haben wir den christlich-islamischen Dialog mit dem Rat der EKD und entsprechend beabsichtigen wir dies auch mit der Katholischen Kirche. Hier gibt es auch sicherlich viele Dialogaktivitäten.

Der jüdisch-islamische Dialog auf Bundesebene steht noch am Anfang und muss ausgebaut werden. Natürlich sind wir stolz auf die kleinen und großen Treffen und Gespräche im kleinen Rahmen.

Es würde mich sehr freuen, wenn wir in meiner Sprecherzeit den jüdisch-islamischen Dialog auf Bundesebene beginnen könnten. Denn als Religionsgemeinschaften, die an Einen Gott glauben und sich auf gleiche Wurzeln berufen, haben wir eine gemeinsame Verantwortung gegenüber der Schöpfung und gleiche gesellschaftliche Aufgaben, wie Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Toleranz.


Der interkulturelle und interreligiöse Dialog muss in den Kontext des gesamtgesellschaftlichen Dialogs geführt werden. Damit möchte ich mich auch dem Ende meiner Rede nähern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Heute ist unser letzter Fastentag und heute Abend findet das letzte Iftaressen (Fastenbrechenessen) statt. Und wenn ich mir so überlege wie wir vor mehr als zwanzig Jahren in unseren Moscheegemeinden Iftareinladungen an unsere Nachbarn, Politik, Kirchen und Vertreter gesellschaftlicher Einrichtungen ausgesprochen haben, und dies heute zu einem gesellschaftlichen Event geworden ist, dann freut es mich sehr. Der Weg den wir als Muslime damals eingeschlagen haben war richtig und wichtig.

Umso mehr erfreulich ist es, dass Politik nunmehr Ramadan zum Anlass nimmt, Iftareinladungen an Muslime auszusprechen und somit den Worten der Zugehörigkeit der Muslime in die hiesige Gesellschaft auch Taten folgen lässt.

Wie ich aus den Medien entnehmen konnte, hat der baden-württembergische Ministerpräsident sich vorgenommen 2010 Muslime zum Iftaressen in seine Staatskanzlei einzuladen.

Dies nehmen wir wohlwollend als Zeichen von Normalität und als Zeichen dafür zur Kenntnis, daß wir Muslime, mit all unseren Facetten zu dieser Gesellschaft gehören.
Ich wünsche mir aber, daß diese Anerkennung mit viel weniger Krampf angegangen wird als es jetzt noch der Fall ist.

Was in den Hauptstädten wie Washington, Paris oder Tel Aviv als normal angesehen wird, nämlich dass sich die höchsten Repräsentanten des Staates die Ehre geben, um Muslime zum Iftaressen einzuladen, sollte meines Erachtens auch hier möglich sein dürfen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Morgen feiern wird den Idul-Fitr, das Ramazanfest.

Feiern Sie mit uns mit. Kommen Sie am Tag der Offenen Moschee in unsere Einrichtungen. Machen Sie sich ein eigenes Bild. Reden und unterhalten Sie sich mit den Menschen in den Moscheen. Knüpfen Sie Kontakte. Unsere Moscheen sind auch das ganze Jahr über offen.

Ich danke bei der Gelegenheit unserem Bundespräsidenten für seine Grußworte anlässlich des morgigen Ramadanfestes sowie der Evangelischen und Katholischen Kirche für ihre Festgrußbotschaften.

Ich wünsche allen ein gesegnetes Ramadanfest.

Id Mubarek, Bayraminiz mübarek olsun.




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