Newsnational Montag, 11.02.2013 |  Drucken

Islamfeindschaft kann tödlich sein – Von Klaus J. Bade

Warum viele Politiker und Sicherheitsbehörden zu diesem brandgefährlichen Thema immer noch schweigen - Nach dem NSU-Schock ist es Zeit, gesellschaftspolitisch Flagge zu zeigen

Der Massenmord des Terroristen Breivik in Norwegen im Juli 2012 war vor allem antiislamisch motiviert . Die Opfer der Serienmorde des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds‘ in Deutschland waren fast durchweg Türken. Die Terroristen aus Zwickau kamen zwar aus der rechtsextremistisch-fremdenfeindlichen Szene. Dort aber sind die muslimischen Türken unter den Zuwanderern der Inbegriff des Fremden schlechthin. Damit schließt sich auch hier der Kreis: Die antiislamische Volksverhetzung ist ein Nährboden für Menschenfeindlichkeit und im Extremfalle für fremdenfeindliche Gewalt.

Diese Gefahr ist, dem NSU-Schock zum Trotz, noch immer nicht hinreichend erkannt worden. Auffällig sind auf Seiten der staatlichen Gefahrenabwehr die Konzentration auf fundamentalistisch-terroristischen Islamismus, Links- sowie Rechtsextremismus, Antisemitismus - und die geradezu demonstrative Nichtbefassung mit der islamfeindlichen Volksverhetzung. Viele Politiker kneifen opportunistisch; denn scharfe Distanzierungen können Wählerstimmen kosten, weil die antiislamische Volksverhetzung inzwischen in der Mitte angekommen ist und Deutschland heute im europäischen Vergleich zu den düsteren Spitzenreitern der antiislamischen Bewegung gehört.

Deswegen muss in die Agenda für die gelebte Akzeptanz kultureller Vielfalt und gegen die Feinde des kulturellen Friedens in der Einwanderungsgesellschaft die Arbeit gegen die islamische Volksverhetzung aufgenommen werden. Das reicht von der vorschulischen Erziehung, schulischen Bildung und beruflichen Ausbildung über die Kommunikation am Arbeitsplatz bis zur kultursensiblen Altenpflege und institutionell von den bei Umfragen noch immer besonders beklagten Umgangsformen im Ausländer- oder Einwohnermeldeamt bis zu Kundenpflege und Literaturangebot in der Stadtbibliothek.

Der renommierte Migrationsforscher Prof. Dr.  Klaus J. Bade beleuchtet Ursachen, Hintergründe und bedrohliche Folgen des antiislamischen Kulturrassismus in Deutschland, die bisher unerkannt geblieben sind. Sein neues Buch „Kritik und Gewalt“, kommt im April heraus.




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