Newsnational Donnerstag, 17.03.2011 |  Drucken

Gaddafi massakriert libysches Volk

Selbst westliche Interessen existentiell gefährdet, die Demokratie in Libyen allemal – Diktator lobt Merkel – Augenzeugenbericht von Jürgen Todenhöfer

Diktator Gaddafi führt Krieg gegen sein eigenes Volk. Gegen Männer, Frauen und Kinder. Brutal und gnadenlos. 15 000 Zivilisten sind bisher getötet worden, sagt Abdul Jaleel, einer der politischen Führer der Freiheitskämpfer, so Jürgen Todenhöfer (Siehe auch unterer Link, Augenzeugenbericht von ihm und Spiegel-Interview mit den Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour).

Die Welt darf diesem Vernichtungskrieg eines Diktators gegen sein eigenes Volk nicht tatenlos zusehen und es sollte der Bundesregierung, an der Spitze die Bundeskanzlerin Merkel, peinlich sein, wenn Gaddafi jetzt die Deutschen lobt, weil sie ihm gegenüber eine vermeintlich sehr gute Position eingenommen hätten.

Dank der Zögerlichkeit der Staatengemeinschaft bleibt dem Diktator Zeit, die vom Volke ausgehende friedliche Revolte niederzuschlagen. Eine Entscheidung über ein Flugverbot ist jetzt schon fast zu spät. Gaddafi entscheidet also, und der Westen schaut zu. Und die EU hat zum wiederholten Male Handlungsfähigkeit eingebüßt. Bisher konnten sich London und Paris, die für ein militärisches Eingreifen von Anfang an waren, nicht durchsetzen.

Mit Gaddafi ist kein Staat mehr zu machen - EU soll handeln

Die EU-Staaten wissen genau, wenn der Diktator an der Macht bleibt, bedeutet das ein Mehr an Staatsterrorismus und eben auch ein Mehr an Flüchtlingen für Europa. Ein Eingreifen würde den Arabern deutlich machen: wir lassen euch nicht hängen, wir meinen es ernst mit Demokratie und Menschenrechten. Und obwohl sich die Arabische Liga für ein Flugverbot durchringen konnte, was anfänglich besonders von Deutschland als Bedingung für militärisches Eingreifen formuliert wurde, schweigt Europa weiter. Wieso? Angesichts der Chancen und der demokratischen Zeitenwende in der Arabischen Welt schier unvorstellbar und grob fahrlässig.

Zum ersten Mal bittet mehrheitlich ein Land im Nahen Osten den Westen um Intervention, militärische Intervention wohlgemerkt; und zum ersten Mal nach Kuwait, Irak I und Irak II und nach Afghanistan bleibt die militärische Intervention aus?!

Wenn Europa seine Ziele erreichen will, dann muss es Stabilität in Libyen schaffen. Nur wenn Frieden herrscht, kann das Land Öl liefern. Nur wenn in Tripolis eine funktionierende Regierung an der Macht ist, können Flüchtlingsströme verhindert werden. Mit Gaddafi ist kein Staat mehr zu machen: Selbst wenn er den Aufstand niederschlägt, kehrt kein Frieden mehr ein.

Es wird genug Widerständler geben, die weiter einen Guerillakrieg führen. Flüchtlinge werden sich auf den Weg nach Europa machen oder ohne Perspektive in Lagern jenseits der Grenzen leben. Etliche von ihnen werden von Extremisten rekrutiert werden. Je länger die Kämpfe dauern, desto eher wird Libyen zu jenem failed state, den Politiker wie Merkel so fürchten.

Kommentar der Süddeutschen Zeitung: Deutschland, eine europäische Führungsnation, spielt eine besonders klägliche Rolle

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert das heute so: „Was immer der Westen unternimmt im Umgang mit der arabisch-islamischen Welt - er macht es falsch. Das Libyen-Problem bestätigt diese Regel: Uneinigkeit, Missverständnisse und Vorurteile prägen das Bild. Deutschland, eine europäische Führungsnation, spielt eine besonders klägliche Rolle. Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière verweisen auf die Risiken einer Einmischung in den zum Krieg angewachsenen Konflikt zwischen den libyschen Rebellen und dem Machthaber Muammar al-Gaddafi. Die Diskussion um eine Flugverbotszone verschleppen sie bewusst. Dabei ist inzwischen klar, dass vorsichtige Einmischung das letzte Mittel sein könnte, größeren Schaden von Europa abzuwenden.“



Lesen Sie dazu auch:
Augenzeugenbericht von Jürgen Todenhöfer: Ich appelliere an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und an die EU: Handelt schnell und STÜRZT DIESEN TYRANNEN!
Omid Nouripour (Grüne): Eine rein zivile Drohkulisse funktioniert nicht.

Ähnliche Artikel

» 24.08.11 ZMD gratuliert Libyen und hofft auf Überwindung der tiefen Wunden der über 40jährigen Diktatur
» Tunesien: Wahlen im „Mutterland des Arabischen Frühlings“
» Libyen: UN- Resolution "aller notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung" bisher nicht richtig umgesetzt
» USA und EU fordern Assad zum Rücktritt auf ‎
» Gaddafi-Regime am Ende

Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

Demo im Mainz mit u.a. OB & ZMD unter dem Motto: "Nie wieder33 - Mainz ist unteilbar" / ZMD-Landesvorsitzende Laabdellaoui: "Ein Monoklultur, die Vielfalt, Demokratie und Freiheit verwehrt, ist keine Alternative für unsere pluralistische Gesellschaft in Deutschland"
...mehr

ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek spricht beim traditionellen Neujahrsempfang der Schura Paderborn: Wichtiges Ereignis im Kalender der Stadt – „Dialog- und Friedensarbeit in diesen Zeiten nicht hoch genug zu bewerten“
...mehr

Verfassungsrechtler: Kopftuchverbot für Schüler ist rechtswidrig
...mehr

ZMD Aktionsplan: Anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus vom 16.-29.03.2020 / Musterpredigt,Flyer,Downloads
...mehr

ZMD Vorsitzende Landesverband Rheinland-Pfalz Malika Laabdellaoui zu Gast beim Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin Malu Dreyer
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009