Artikel Montag, 09.10.2006 |  Drucken

Ansprache des IRH-Vorsitzenden Ramazan Kuruyüz beim Iftar-Empfang zum Tag der offenen Tür

Im Namen der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) und auch für die Emir Sultan Moschee in Darmstadt heiße ich Sie alle herzlich willkommen. Wir freuen uns sehr, heute, an dem bedeutsamen Tag, dem Tag der deutschen Einheit, gemeinsam mit Ihnen unseren Iftar-Empfang hier in der Emir Sultan Moschee in Darmstadt erleben zu dürfen. Herzlich danke ich vor allem dem Vorstand und allen Mitgliedern der Emir Sultan Moschee für ihre Mitwirkung und Mitgestaltung und dafür, dass sie uns allen die Teilnahme am Iftar-Empfang und den Austausch und die Begegnung am Tag der offenen Moschee ermöglicht haben. Als IRH haben wir dieses Jahr unseren ersten Iftar-Empfang letzte Woche, am Mittwoch, den 27. September, an der Universität Kassel veranstaltet. Heute veranstalten wir gemeinsam mit der Emir Sultan Moschee in deren Räumlichkeiten unseren zweiten Iftar-Empfang und zum Schluss einen Empfang zum zweiten Ramadanfesttag am 24. Oktober im Audimax der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der heutige Tag ist ein besonderer Tag für uns alle: Tag der deutschen Einheit. Der Tag der deutschen Einheit wird seit der Einheit von Muslimen und ihren Organisationen auch als „Tag der offenen Moschee“ gefeiert. Am ersten Tag des Ramadans hat die IRH durch eine Pressemitteilung die Moscheegemeinden in Hessen aufgerufen, am „Tag der deutschen Einheit“, den 3. Oktober, „Tag der offenen Moschee“ zu veranstalten, für ihre Nachbarn ihre Türen und ihre Gemeinden weit zu öffnen, Führungen vorzunehmen, auch ihre nichtmuslimische Nachbarn zu den Iftar-Empfängen einzuladen und interreligiösen bzw. interkulturellen Austausch zu bieten. Der „Tag der offenen Moschee“ kann und soll dazu beitragen, mögliche Vorurteile und Ängste abzubauen, mehr Vertrauen zu schaffen und unser Gemeinschaftsgefühl zu verstärken. Der „Tag der deutschen Einheit“ kann dadurch auch im Sinne der Einheit der Muslime mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft gefördert werden.

Der Ramadan ist der Monat der Barmherzigkeit, der Liebe, der Solidarität, der Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit und des Teilens. In diesem Sinne wünschen wir uns, dass die große spirituelle Kraft dieses Monats und das Bewusstsein der Solidarität mit den Schwachen, Armen und Bedürftigen auch friedvoll in die Welt wirken und die soziale Gerechtigkeit in der Welt fördern mögen. Der Ramadan ist auch der Monat des Friedens und der Versöhnung. Er möge zum Frieden und zur Versöhnung unter allen Menschen, Völkern, Nationen, Kulturkreisen und Religionsgemeinschaften beitragen. Wir beten und hoffen, dass die Kriege und Terroranschläge ein Ende finden, Menschen nicht mehr dadurch sterben und alle Menschen in unserem Land Deutschland und der Welt in Sicherheit und Frieden leben.

Nach den umstrittenen Äußerungen von Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 an der Universität Regensburg über den Islam und den darauffolgenden weltweiten Reaktionen darauf haben wir leider wieder eine angespannte Lage zwischen der islamischen Welt und dem Westen, aber diesmal ist auch die Katholische Kirche bzw. der Vatikan ein Teil dieses Streits geworden. Die IRH reagierte auf die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. bewusst nicht sofort, weil sie eine schnelle und emotionelle Reaktion vermeiden und sich inhaltlich mit seiner gesamten Rede auseinander setzen wollte. Leider haben viele aus der islamischen Welt auf die Äußerungen des Papstes nur emotionell, sogar beleidigend reagiert, ohne den gesamten Inhalt seiner Rede zu kennen. Solche emotionellen und schnellen Reaktionen ohne nähere Kenntnis von dem Inhalt einer Rede sind aber nicht nur eine spezifische Haltung von vielen Muslimen, sondern auch hier im Westen kennen wir solche Reaktionen, wenn auch nicht im gleichen Verhältnis. Dabei müssen wir nicht außer Acht lassen, um die Sache rational zu bewerten, dass hinter solchen Reaktionen aus der islamischen Welt vielmehr die sensiblen und angespannten Verhältnisse zwischen der islamischen und westlichen Welt insbesondere seit dem „11. September“ und dessen Folgen im Rahmen der internationalen Politik liegen. Viel schlimmer haben wir dies nach dem Karikaturen – Streit erlebt. Hier ist es notwendig anzumerken, dass islamische Organisationen in Deutschland im Vergleich zur islamischen Welt in beiden Fällen besonnener und sachlicher reagiert haben. Dies ist für unser friedliches Zusammenleben und eine sachliche Auseinandersetzung zwischen Kulturen und Religionen in Deutschland ein begrüßenswertes Zeichen.

Im Namen der IRH verurteile ich hier erneut die Androhungen einiger Kreise aus der islamischen Welt gegen den Papst Benedikt XVI. aufs Schärfste. Drohung, Beleidigung und Gewalt sind auf keinen Fall hinzunehmen. Auch diese Muslime müssen lernen, ihre Reaktionen vernünftig und gewaltfrei auszudrücken, rational zu denken und zu handeln. Ich begrüße zugleich die klärenden Worte des Papstes zu seinen Äußerungen und sein Bedauern und werte sie als eine indirekte Entschuldigung, aber auch als eine beispielhafte und verantwortungsvolle Größe von ihm. Nach unserer islamischen Sicht sind auch die Geistlichen der Religionen nicht unfehlbar, denn sie sind auch Menschen und können Fehler machen. An dieser Stelle möchte ich meine Freude darüber aussprechen, dass der Vatikan am 16. bzw. 19. September über die Deutsche Bischofskonferenz an die Repräsentanten der islamischen Dachverbände in Deutschland, einschließlich der IRH, einen Brief bzw. eine Stellungnahme übermittelt hat. Darüber hinaus empfing der Papst letzte Woche, am 25. September, 21 Botschafter aus muslimischen Ländern. Die Erklärung bzw. das Bedauern des Papstes bezüglich seiner umstrittenen Äußerungen und sein Bemühen um die Entspannung, auch auf diesem Weg, sind wichtige Schritte, um die weltweite Anspannung zwischen der Katholischen Kirche und den Muslimen in Deutschland sowie der islamischen Welt zu entschärfen und in einen sachlichen und respektvollen Dialog einzutreten.

Abgesehen von den umstrittenen Äußerungen und Zitaten über den Islam und seinen Propheten war der grundsätzliche Inhalt der Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI., was insbesondere das Verhältnis der eigenen Religion zur Vernunft und Gewalt betrifft, progressiv. Dies ist eindeutig zu begrüßen. Seine Rede basiert auf einer philosophischen Reflexion, die von Platon bis Hegel reicht; dies ist auch die Tradition der deutschen Philosophie, die ihre Wurzeln unter anderem in der hellenistischen Weltanschauung findet. Er spricht in diesem Zusammenhang vom Verhältnis der christlichen Theologie zur griechischen Philosophie und von den drei Enthellenisierungsphasen des Christentums. Er fordert eine Wiedererkennung der tief liegenden Gemeinsamkeiten von Christentum und Hellenismus, dabei sieht er eine Wesensverwandtschaft zwischen ihnen und in ihrer Begegnung das, was aus dem orientalischen Urchristentum das christliche Europa machte. Dadurch versuchte er, das moderne Europa mit sich selbst zu versöhnen, indem es in seiner Vernunft seinen Glauben wieder entdeckt. Es ist zu begrüßen, wenn gerade der Papst Versuche zur Versöhnung der modernen Wissenschaften mit Gott unternimmt, denn doch die katholische Kirche hat durch ihre Wissenschaftsfeindlichkeit in der Geschichte entscheidend dazu beigetragen, dass der europäische Wissenschaftsraum von dem Glauben und der Gottbezogenheit „entleert“ wurde. Der päpstliche Ruf nach der Erweiterung des modernen westlichen Vernunftbegriffs um die religiöse Dimension, seine Mahnungen, dass sich Ethik und Gemeinschaft aus Evolutionstheorie, Psychologie und Soziologie allein nicht hinreichend ergeben könnten, seine Betonung, unter Ausschluss des Göttlichen werde der dringend notwendige Dialog der Kulturen und Religionen nicht möglich sein und seine Mahnung an die säkularisierte westliche Kultur vor einer „Verachtung Gottes und einem Zynismus“, der „die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht“ waren wichtige Botschaften aus seinem Besuch in Bayern. Die letzte Kritik des Papstes auf die säkularisierte westliche Kultur bezüglich der Verachtung Gottes und des Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht, kann uns bei dem aktuellsten Streit über die Absetzung der Inszenierung von Hans Neuenfels in der Deutschen Oper in Berlin wegweisend weiterhelfen. In dieser umstrittenen Inszenierung hatte König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Muhammad präsentiert und auf vier Stühle gestellt(Hier möchte ich anmerken, dass dies in der Originalfassung bzw. Urfassung der Mozart-Oper nicht vorhanden war und die Oper in dieser Urform bisher in vielen Städten und Ländern ohne Reaktionen inszeniert wurde). Nach Angaben der Intendantin der Deutschen Oper Kirsten Harms wurde die Inszenierung aus Angst vor islamistischen Anfeindungen vorerst aus dem Spielplan gestrichen. An dieser Stelle ist es wichtig, zu betonen, dass Androhungen und Anfeindungen nicht hinzunehmen sind. Zugleich will ich auf die erwähnte Mahnung des Papstes hinweisen und die Verantwortlichen in Kunst, Medien und Literatur aufrufen, mit dem Verhältnis zwischen der Freiheit der Kunst, Presse und Meinungsäußerung und dem Respekt vor religiösen Werten sensibler und behutsamer umzugehen und provokative Darstellungen zu vermeiden. Neuenfels Epilog, in dem Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe der Religionsführer präsentiert, ist geschmacklos, verletzend und provozierend. Mit abgeschlagenen Köpfen der Religionsführer zu provozieren, gehört für mich nicht zur Kunstfreiheit, es ist eine Gewaltverherrlichung und zugleich Verhöhnung gegenüber vielen Milliarden friedfertigen Gläubigen all dieser Religionen. Ich rufe auch die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, die Stimmung nicht weiter anzuheizen. Wir alle müssen gerade in dieser Zeit für die Entspannung der genug angespannten Verhältnisse zwischen Kulturkreisen und gegen einen Kulturkampf einsetzen. Einerseits müssen wir gemeinsam allen Extremisten und ihren Androhungen und Anfeindungen entgegentreten, andererseits müssen wir uns auch gemeinsam von uns aus, ohne den Anfeindungen von Extremisten vorzubeugen und um solchen Extremisten den Boden zu entziehen, für eine Kultur einsetzen, die ein respektvolles Verhältnis zwischen Freiheitsrecht und religiösen Sensibilitäten der friedlich lebenden großen Mehrheit der Gläubigen achtet und fördert. Ein solcher Umgang bedeutet nicht Vorbeugung vor Anfeindungen der Extremisten, sondern Respekt und Achtung vor den Milliarden friedfertigen religiösen Menschen. Dadurch können wir gemeinsam zur Normalisierung der Verhältnisse zwischen Kulturen und Religionen beitragen und zugleich gegen die Absichten der Extremisten, einen Kulturkampf zu schüren,entgegentreten.

Nach dieser Anmerkung zum aktuellen Streit möchte ich nun zur inhaltlichen und kritischen Auseinandersetzung mit den umstrittenen Äußerungen des Papstes über den Islam und seinen Propheten zurückkommen. Er zitierte in seiner Rede, in der es um das Verhältnis von Vernunft und Glauben ging, Manuel II., einen byzantinischen Kaiser, mit den Worten, Muhammad habe „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht und vorgeschrieben, „den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“. Die Glaubenverbreitung durch Gewalt sei jedoch „widersinnig“, und „nicht vernunftgemäß zu handeln“ sei dem Wesen Gottes zuwider. Papst Benedikt XVI. erklärte im Nachhinein, dies sei nur ein Zitat und gebe keineswegs seinen eigenen Standpunkt wieder. Die Muslime hätten dieses Zitat aus seinem Zusammenhang in seiner Rede gerissen.

Zunächst gilt die grundsätzliche Regel, wonach ein unkommentiertes Zitat auch seine Bestätigung bedeutet, wenn es wie im vorliegenden Fall in die eigene Argumentation eingebunden ist. Insofern sorgte dieses Zitat zunächst unter den Muslimen für große Irritationen. So waren mehrere Stellen des Textes für viele Muslime, bis sich der Papst indirekt entschuldigte, missverständlich geblieben. Dies mag auch daran liegen, dass der Papst in seiner Rede das Verhältnis von Vernunft und Glauben zu erklären versuchte und dabei das Missverhältnis zwischen Glauben und Vernunft am Beispiel des Islam erläuterte.
An einer anderen Stelle zitierte er auch Ibn Hazm, einen berühmten andalusischen Gelehrten des 11. Jahrhunderts, mit einer entsprechenden Aussage über das Wesen Gottes. Diese Aussage wird wiederum kommentarlos angeführt. Schon oben hatte der Papst den Manuel II. so zitiert, dass die Behauptung im Raum blieb, nach islamischer Auffassung könne Gott auch vernunftwidrig handeln. Dies bestätigt er noch einmal durch den – aus dem thematischen Zusammenhang gerissenen – Verweis auf diesen großen muslimischen Gewährsmann. Dann fährt er fort und erkennt an dieser Stelle einen „Scheideweg im Verständnis Gottes“: Auf der einen Seite das Gottes- und Religionsverständnis der Muslime, auf der anderen den „auf der Bibel gründenden Gottesglauben“, der sich in tiefem Einklang befindet zu „dem, was im besten Sinn griechisch ist“. Als seine eigene Meinung stellt er jedenfalls die historisch falsche Behauptung der gewaltsamen Bekehrung zum Islam auf und führt sie auf den Propheten Muhammad zurück. Und damit wird wieder die Rhetorik vom „islamischen heiligen Krieg“, die das Europa und vor allem viele christlichen Kirchen ungebrochen gepflegt haben, bestätigt. Doch der Begriff des „Heiligen Krieges“ ist und bleibt ein Begriff aus der christlichen Geschichte.
Die Einseitigkeit in der Rede des Papstes besteht nicht nur darin, dass kein Wort verloren wurde über Gewalt in der Geschichte der Kirche. Die Einseitigkeit entsteht vor allem auch durch die fehlende Antwort des muslimischen Gesprächspartners. Wäre diese überliefert, hätte er wohl erläutert, dass der Islam den Krieg, unter bestimmten Voraussetzungen wie im Falle der Verteidigung, zwar nicht grundsätzlich verbietet, eine zwangsweise Bekehrung zum Glauben aber strikt ablehnt. Der zitierte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ stammt nicht aus einer der frühen mekkanischen Suren, “aus der Zeit, in der Muhammad, Friede sei mit ihm, selbst noch machtlos war”, wie der Papst meint, sondern aus einer späteren, medinensischen Sura.
Uns Muslime stört nicht die Aussage des byzantinischen Kaisers, denn sie hat ihren eigenen historischen Zusammenhang. Unsere Kritik auf den Papst Benedikt XVI. betrifft also vielmehr seine Einseitigkeit und Unkenntnis an der Zitat-Wahl, die kommentarlose Wiedergabe des Zitats durch den Papst und die bisher nicht erfolgte inhaltliche Korrektur. Er hätte sicher viele treffende Zitate in der europäischen Geschichte und in der Geschichte der Katholischen Kirche finden können, die dann von echter Relevanz für Europa gewesen wären, wo das Verhältnis von Glaube und Vernunft so schwierig war wie in keinem anderen Kulturkreis. Darüber hinaus sollte das wissenschaftliche Grundprinzip auch dem Papst als einem Intellektuellen klar sein, dass Realität nur mit Realität und Ideal nur mit Ideal zu vergleichen sind und die Taten von Angehörigen der Religionen stehen nicht zwangsläufig mit deren Lehren im Einklang.
Der Papst entzog sich in seiner Rede jedoch der Konfrontation mit dem Eigenen und projizierte dieses vornehmlich christlich - europäische Problem in den Islam, um es dann souverän aus der Ferne behandeln zu können. Damit erfand er leider nichts Neues: Es gehört seit jeher zur Wahrnehmung des Islam durch das christliche Europa, das eigene Probleme und Sehnsüchte in ihn hinein projiziert.
Nun möchte ich möglichst kurz und zusammengefasst unsere Position zu den zwei umstrittenen Äußerungen des Papstes über den Islam inhaltlich erläutern:

1. Das Verhältnis des Islam zur Vernunft:

Der Islam bewertet die Verstandeskraft als Gottesgeschenk und die Vernunft als äußerst positiv. Der Koran und die Sunna fordern die Muslime immer wieder auf zur intellektuellen Auseinandersetzung mit der Schöpfung sowie zur Erforschung ihrer Gesetzmäßigkeiten und Wunder, um dadurch zur Erkenntnis des Schöpfers zu gelangen. Aus islamischer Sicht stützt sich die Wahrheit allen Seins und der ganzen Schöpfung auf die 99 Namen Gottes. So stützt sich beispielsweise die wahre Wissenschaft von der Weisheit auf den Namen „al-hakim“, „Gott der Allweise“, die wahre Wissenschaft von der Medizin auf den Namen „al-schaafii“, „Gott der Heilende, der für jede Krankheit eine heilende Medizin geschaffen hat, die Wissenschaft von der Geometrie auf die Namen „al-muqaddir und al-musawwir“, Gott der Bestimmer, der Gestalter und der Former, der jedem Ding in der Schöpfung seine Gestalt und Form gibt usw. Deshalb lautet die islamische Grundeinstellung zum Verhältnis von Gott, Schöpfung und Wissenschaft: „Das wahre Wesen der Dinge in der Schöpfung sind die Namen Gottes.“ Zur Verinnerlichung der Glaubensinhalte und für die Praxis der rituellen religiösen Handlungen wird im Islam der Gebrauch des Intellekts vorausgesetzt. Der Glaube an einen einzigen transzendentalen Gott legitimiert im Islam auf keinen Fall die Unterdrückung der Vernunft und des freien Willens. Bei der Beschreibung des Schöpfungsaktes demonstriert der Koran in aller Klarheit die Willensfreiheit des Menschen als unerlässliche Voraussetzung der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Blinder Glaube unter Ausschluss des Intellekts ist im Islam nicht möglich und nicht erwünscht, weil nach islamischem Selbstverständnis die Beschäftigung mit Wissenschaft zur Erkenntnis Gottes führt. Deshalb war der Erwerb von Bildung sowie die Förderung von Wissenschaft und Fortschritt von Anfang an immanenter Bestandteil islamischen Handelns und Denkens und hatte die absolute Priorität. Die islamische Geschichte beweist, dass der Islam aufgrund dieser positiven Einstellung eine fruchtbare Symbiose zwischen Vernunft und Glaube, zwischen Wissenschaft und Religion zum Wohle der Menschheit praktiziert hat. Die ersten Worte, die der Gesandte Muhammad, Friede sei mit ihm, als Offenbarung empfing, waren: „Lies! Lies im Namen deines Herrn....“ (96: 01). Er forderte die Menschen eindringlich auf, sich Wissen anzueignen: „Die Suche nach Wissen ist jedem Muslim, ob Mann oder Frau, eine Pflicht.“ Die islamische Geschichte verdankt dieser Einstellung einen so aufgeschlossenen Zugang zu den Wissenschaften, dass Ergebnisse in der Medizin, Algebra bzw. Mathematik, Astronomie, Geographie, Soziologie und der Philosophie Europa zum Aufbruch in die Neuzeit verhalfen. Dies geschah in einer Zeit, als die Katholische Kirche in hartnäckiger Opposition zu diesen rationellen Bestrebungen stand. Hier liegt ein Bezugspunkt, den wir in der Rede des Papstes vermissen, der schließlich in weiten Zügen seiner Rede von der Bedeutung der griechischen Philosophie sprach. Wer von der Verbindung griechischen Wissens mit westlichem Christentum sprechen will, kann von der Rolle der muslimischen Philosophie nicht schweigen, die das griechische Wissen kreativ weiterentwickelt hat. In der westlichen christlichen Tradition erfolgte die Hellenisierung des Christentums durch die Vermittlung des Islam –wesentlich über muslimische Philosophen in Andalusien, allen voran Ibn Ruschd (Averroes), für den die Harmonie von Vernunft und Glaube, Philosophie und Religion ein zentrales Anliegen war. Das heutige Problem in der islamischen Welt liegt nicht im Islam selbst und nicht in ihrem Verhältnis zur Vernunft, sondern in ihrem Verhältnis zur Schrift.
An dieser Stelle und in diesem Zusammenhang möchte ich auch einen weiteren Aspekt ansprechen: Eine objektive Auswertung der Weltgeschichte ergibt, dass der Islam die Menschenrechte für alle Menschen nicht nur bereits in seinen religiösen Quellen verpflichtend vorgeschrieben hat, sondern dass der Islam durchaus in der Lage ist, diese Werte auch zum Wohle aller in die Praxis umzusetzen; z.B. in Europa 800 Jahre lang im islamisch regierten Andalusien, wobei das Europa im ganzen Mittelalter Menschenrechte und Religionsfreiheit betreffend weit von islamischen Ländern stand. Das heutige Problem in vielen muslimischen Ländern auch im Zusammenhang mit den Menschenrechten liegt nicht im Islam selber, sondern in zwei grundsätzlichen Faktoren: Erstens will ich selbstkritisch und mit aller Offenheit die Eigenverantwortung der Muslime für diese Missstände zugeben. Insbesondere im sunnitischen Islam kam es im 11. Jahrhundert zur „Schließung des Tores des Idschtihad“, wodurch die selbständige Rechtsfindung unterbunden wurde. Somit fehlten und fehlen den Muslimen mutige Gelehrten und Führer, die muslimische Gesellschaften gegen solche Missstände mobilisieren könnten. Zum zweiten sehe ich es als eine Folge des Kolonialismus in den letzten 150 Jahren. Der Westen soll sich aufrichtigkeitshalber selbst fragen, ob und welchen negativen Beitrag er dazu,
d. h. zur Bildung der jeweiligen Staats- und Regierungsformen geleistet und sie seit Jahrzehnten mit unterstützt hat. Die Kritik bzw. die Forderung von bestimmten Kreisen in Europa an die Adresse der Muslime, von diesen heutigen Missständen in der islamischen Welt ausgehend, dass dem Islam die Aufklärung fehlt und er eine Aufklärung wie im Christentum braucht, ist nicht berechtigt und zeigt nur die Unkenntnis derjenigen über die Geschichte und die historischen Fakten. Das europäische Christentum richtete sich insbesondere gegen die Kirche: Der Kampf der Aufklärung galt den überkommenen Machtstrukturen in der katholischen Kirche wie Inquisition, der geistigen Bevormundung durch sie und den Papst sowie dem vernunftfeindlichen Pietismus der Protestanten. Historisch, faktisch und quellenmäßig nachweisbar gelten diese oder vergleichbare und ähnliche Voraussetzungen für den Islam nicht.

Zum Schluss in diesem Abschnitt will ich auch ein weiteres Missverständnis bzw. eine unsachgemäße Kenntnis über den islamischen Glauben an einen einzigen transzendentalen Gott und seinen Willen, was auch in der Rede des Papstes vorkommt, klären und korrigieren: Es ist unsachgemäß, Gott als gefühlloses, abstraktes Prinzip von Normierung darzustellen, als Gott, der seine Allmacht missbraucht, um dem Menschen seinen Willen aufzuzwingen, der unberechenbar und willkürlich handelt und dem Menschen unnahbar fern bleibt. Es ist unsachgemäß, aus der Tatsache, dass nach islamischem Verständnis Gott nicht sich selbst, sondern sein Wort offenbart, die Minderwertigkeit der koranischen Offenbarung abzuleiten. Es ist unsachgemäß, aus der Allmacht Gottes zu folgern, dass Gott im islamischen Verständnis „gewalttätig“, „hart“, „gnadenloser Herrscher“ und „erbarmungslos aburteilender Richter“ sei.
Der insbesondere nach Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit handelnde Gott offenbart den Menschen sein Wort. Die gesamte Schöpfung gilt nach dem Koran und der Sunna zugleich als Zeichen Gottes. Gott ist mit all seinen Eigenschaften, die sich im Koran in seinen 99 schönsten Namen artikulieren, überall und ständig aktiv präsent. Er ist dem Menschen näher, „als seine Halsschlagader", wie es im Koran (50, 16) heißt. „Gott ist im Herzen des Gläubigen zu finden“, so lautet in der Überlieferung von dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm). Liebe und Barmherzigkeit Gottes stehen auch im Mittelpunkt der ganzen Schöpfung. Die ganze Schöpfung ist ein Ausdruck und eine Manifestation der Liebe und der Barmherzigkeit Allahs, Gott des Liebevollen und des Barmherzigen, zu seiner Schöpfung. Der Koran und die Sunna (Worte und Taten des Propheten) messen der „rahma“ , nämlich der Barmherzigkeit bzw. der Gnade Gottes ein großes Gewicht bei. Der Begriff „rahma“ gewinnt auf den Menschen bezogen eine existentielle Bedeutung und auf Gott bezogen die Bedeutung einer ununterbrochenen Aktion, die „Gott – Mensch – Beziehung“ bestimmt. Das Verhältnis Gottes zu den Menschen ist nicht in seiner Allmacht, also seiner Stärke, begründet, sondern mehr von der „rahma“, nämlich der Barmherzigkeit bestimmt, die als oberstes Handlungsprinzip sogar seiner Allmacht eine bestimmte Richtung weist. Zu diesem Thema habe ich bei unserem Iftar-Empfang letztes Jahr, am 2.November 2005, in Frankfurt, ausführlich vorgetragen. (Siehe unsere Homepage unter www.irh-info.de)

2. Das Verhältnis des Islam zur Gewalt und zum Krieg:

Der Begriff Dschihad wird ins Deutsche oft unsachgemäß als „Heiliger Krieg“ übertragen. Er bedeutet weder „heilig“ noch „Krieg“, sondern Anstrengung und Einsatz. In seiner umfassenden Form beinhaltet er jede große Anstrengung und jeden geistigen und gesellschaftlichen Einsatz für ein gottgefälliges Ziel. Es widerspricht dem koranischen Wesensgehalt von Dschihad, ihn als „heiligen Krieg“ aufzufassen. Auch der Begriff qital im Koran, der Krieg bedeutet, ist kein „Heiliger Krieg“. Krieg ist aus islamischer Sicht auf gar keinen Fall „heilig“; selbst der Verteidigungskrieg ist ein notwendiges Übel. Kriege und Kämpfe um wirtschaftliche und politische Macht wurden und werden von den jeweiligen Machtinhabern nicht selten zu einem Dschihad hochstilisiert und die Religion somit zu ihren Machtzwecken missbraucht.
Es ist unsachgemäß, zu unterstellen, dass nach dem koranischen Verständnis der Dschihad als Mittel zur gewaltsamen Verbreitung des Islam oder zur Bekehrung der „Ungläubigen“ verstanden wird. Es ist unsachgemäß, zu behaupten (dies gilt auch für manche muslimische Denker), dass der Koran den Muslimen mit Dschihad vorschreibt, die gesamte Welt zu erobern, um die Möglichkeit zur Verbreitung des islamischen Glaubens zu schaffen. Es ist unsachgemäß, den Koran mit einem „Kriegshandbuch“ gleichzusetzen, das angeblich die Ausbreitung des Islam „mit Feuer und Schwert“ verlangt. Es ist unsachgemäß, wenn heute politisch motivierte Kriege unter dem Deckmantel des Dschihad geführt werden oder solche Kriege als religiös bestimmte Kriege bezeichnet werden. Es entspricht auch nicht dem koranischen Verständnis von Dschihad, wenn sich sogar Terrororganisationen diesen Namen geben. Völlig falsch ist es, solche Terroranschläge als islamisch legitimierbare Handlungen zu bezeichnen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) hat im Sinne des Koran einer Überlieferung zufolge den Kampf gegen die eigenen Fehler und schlechten Eigenschaften als den „größten“ Dschihad bezeichnet.
Die Koranstellen, die von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen berichten, stellen historische Berichte dar, die sich auf konkrete, historisch nachweisbare, punktuelle Ereignisse beziehen. Sie stellen kein allgemeines Prinzip für die nachfolgende Zeit dar. Am deutlichsten wird dies daran, dass der Prophet nach seinem friedlichen Einzug in Mekka im Jahre 630 den Polytheisten uneingeschränkte Amnestie erteilte; wohlgemerkt: den Polytheisten als Polytheisten. Das zeigt eindeutig, dass nach dem Koran nicht der Krieg, sondern der Frieden als Prinzip einer Koexistenz mit anderen Religionen und Gemeinschaften gilt.
Es ist unsachgemäß, die historisch – politisch bzw. machtpolitisch bedingten Kriege in der Geschichte und Gegenwart als Auftrag des Koran zur Verbreitung des Islam zu interpretieren.
Es ist unsachgemäß, die radikalen Bewegungen verschiedener Gruppierungen in einigen islamischen Ländern zu verallgemeinern und als eine gefährliche islamische Bedrohung darzustellen.
Es ist unsachgemäß, die Unruhen und Bürgerkriege, die sowohl in islamischen als auch in christlichen Ländern stattfinden, von ihrem politischen Kontext zu trennen und die Anlässe dazu – gleichgültig, ob man sie als legitim oder nicht legitim bewertet - , die in vielfältigen internationalen und nationalen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten zu suchen sind, zu ignorieren.
Vor allem ist es religionswissenschaftlich unsachgemäß, die einzelnen Koranverse ohne ihren Gesamtkontext, ohne Studium über ihre Offenbarungsgründe und –zeiten und ohne Wissen über die damaligen historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu interpretieren. Dieses unsachgemäße Vorgehen (nicht nur durch Nicht-Muslime, sondern auch Muslime selbst) trägt zu einem falschen Bild des Islam und seines Propheten bei und erschwert somit oft eine vorurteilsfreie und konstruktive Begegnung und Kooperation der Muslime, Christen, Juden und Andersglaubenden.

Meine verehrten Damen und Herren,

im Rahmen der Verhältnisse des Staates, der Politik und der Gesellschaft mit dem Islam, den Muslimen und ihren Organisationen, die sich besonders nach dem „11.September“ angespannt haben, brauchen wir unbedingt eine Normalisierung und im Bereich der Integration der Muslime in die Gesellschaft hier in Hessen und Deutschland endlich gemeinsam erarbeitete konkrete Konzepte. Deshalb begrüßen wir, bei einigen Bedenken zur Form und zum Inhalt, die letzte Initiative der Bundesregierung bzw. des Bundesinnenministers Schäuble zur Islamkonferenz am 27. September. Sie ist ein positiver Schritt auf dem Weg zur Integration der Muslime in die Gesellschaft und zur Einbürgerung des Islam in Deutschland. Nun sollte die Initiative, die vom Bund ergriffen wurde, auch auf der Landesebene angeregt und organisiert werden. Für eine sachliche und konstruktive Kooperation, wegen der Legitimation in Vertretung und der Sachkompetenzen der Beteiligten wäre es von unserer Seite wünschenswert, zu dieser Islamkonferenz auf der Landesebene neben den Vertreterinnen und Vertretern der islamischen Organisationen in Hessen auch einige anerkannte Akademiker bzw. Fachleute wie Prof. Rohe, Prof. Kalisch, Prof. Görgün und Prof. Karakasoglu einzuladen (anders als bei der Islamkonferenz des Bundesinnenministers mit seiner Einladung an einzelne selbsternannte „Sprecherinnen und Sprecher der schweigenden Mehrheit der säkularen Muslime“). In einer demokratischen Kultur gilt die demokratische Vertretung, man kann sich nicht zum selbsternannten Sprecher einer „schweigenden Mehrheit“ erklären, dies entbehrt jeder Seriosität und Legitimation.
Dieser Vertretungsanspruch der selbsternannten Initiativen und Einzelpersonen ist genauso paradox, wie wenn sich eine zu gründende virtuelle politische „Partei der schweigenden Mehrheit (PSM)“ anmaßte, für die nicht unerhebliche Zahl der Nichtwählerinnen und Nichtwähler politische Mandate zu beanspruchen, um damit die politischen Interessen von wenigen Parteigründern durchsetzen zu wollen. Das wesentliche Charakteristikum einer schweigenden Mehrheit ist eben und dies sollte bekannt sein, dass sie schweigt. Dies bedeutet natürlich nicht, dass diese Mehrheit zu bestimmten Themen keine Meinung hat. Diese Meinung muss aber nicht zwangsläufig einheitlich untereinander oder auch identisch sein mit der Meinung derjenigen, die ohne ein Mandat sich für die „Sprecher der schweigenden Mehrheit“ erklären.
Ich erinnere dabei auch die Politikerinnen und Politiker, die solche „selbsternannten Sprecherinnen und Sprecher“ von Einzelpersonen oder Initiativen aus muslimischen Kulturkreisen als Gesprächspartner für die Islamkonferenz oder ähnliche Tagungen einladen, daran, dass sie im Falle der islamischen Organisationen, was ihre Vertretungsgröße und ihre Legitimation als Ansprechpartner betrifft, ständig ihre Mitgliederzahl geklärt wissen wollen. Es ist nicht gerecht und widerspricht der demokratischen Kultur in unserem Land Deutschland, wenn solchen Einzelpersonen bzw. säkularen Islamkritikern, die über keine Legitimation in Vertretung und keine repräsentative Basis verfügen, das gleiche Mitbestimmungsrecht wie den organisierten Muslimen mit einer breiten Basis gegeben wird. Zum Vergleich weise ich die Politik darauf hin, dass sie in Fragen der christlichen Religion zur Beratung und Kooperation als Ansprechpartner ausschließlich die offiziellen Vertreter der Kirchen einlädt, nicht die Einzelpersonen bzw. die Kritiker und Gegner der Kirchen, die im christlichen Kulturkreis genügend vorhanden und bekannt sind. Dabei darf sich die Politik ihr Vorgehen nicht dadurch rechtfertigen und damit begründen, dass islamische Organisationen nicht einheitlich wären und in den Reihen der Muslime ein einheitlicher Ansprechpartner fehlte. Doch die Kirchen bzw. Christen sind auch nicht einheitlich. Deshalb rufe ich die Politik auf Bund und Land zu einem gerechten Umgang mit islamischen Organisationen nach den selben Maßstäben wie bei den Kirchen auf.
Die Kompetenzen in vielen Bereichen der Religion, Erziehung und Bildung liegen in Bundesländern, beispielsweise im Bereich des Religionsunterrichts. Als IRH sind wir gerne bereit, eine Islamkonferenz auf der Landesebene zu unterstützen und dabei mitzuwirken. Die IRH wünscht und wird sich entsprechend dem Sinn des Ramadans als Monat der Versöhnung verstärkter dafür einsetzen und ihren Beitrag dazu leisten, ihre Verhältnisse und die der Muslime zur Gesellschaft und Politik zu verbessern und eine konstruktivere und vertrauensvollere Kooperation mit Gesellschaft und Politik zu gestalten. Die IRH bietet sich dem Land Hessen als ein vertrauenswürdiger und konstruktiver Kooperationspartner im Bereich aller gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen an. Durch die IRH wird die größte Mehrheit der organisierten Muslime in Hessen vertreten.

Vor meinem Schlusswort möchte ich heute aus aktuellem Anlass bezüglich des Wiesbadener Gerichtsurteils zum Ehrenmord unsere Position zur Zwangsheirat und zum Ehrenmord kurz und bündig klarstellen (Unsere ausführliche Stellungnahme können Sie unserer Homepage entnehmen, siehe Statements bei den Festveranstaltungen vom 27.Mai in Frankfurt und vom 18.Juni 2006 in Kassel): Auch aus islamischer Sicht darf weder die Frau noch der Mann zur Ehe gezwungen werden. Eine Ehe, die unter Zwang zustande kommt, ist nicht rechtskräftig. Der Gesandte Muhammad, Friede sei mit ihm, hat bereits vor 1400 Jahren Eheschließungen unter Zwang verboten. Kurz gesagt: Zwangsehen sind ein Verbrechen!!!
Im Koran gibt es keine Ehren- oder Traditionsmorde. Im Islam darf keine Person oder Familie Selbstjustiz ausüben. Die Judikative liegt nur und allein beim Staat.

Liebe Freunde, verehrte Damen und Herren,

ich möchte auch meine heutige Ansprache mit unserer Grundsatzformel zu unserem Gemeinschaftsleben und unserer Zusammengehörigkeit abschließen:
Wir sind eine Familie und eine Gemeinschaft hier in Darmstadt, in Hessen und in Deutschland, mit all unseren Gemeinsamkeiten und Unterschieden; egal, ob die einen von uns zur Mehrheit oder Minderheit angehören, ob wir Muslime, Christen, Juden oder Andersgläubige sind, ob wir türkischer, arabischer, deutscher oder anderer Herkunft sind, ob wir oder unsere Generationen seit Jahrzehnten und -hunderten oder nur seit einiger Zeit hier leben. Darmstadt, Hessen und Deutschland sind zur Heimat und zum Lebensmittelpunkt von uns allen geworden. Das Wohl unserer Heimat ist unser Wohl und zum Wohl unserer Heimat beizutragen ist unsere gemeinsame Verantwortung. In diesem Sinne wünsche und hoffe ich, dass wir durch die heutige Begegnung und gemeinsame Feier zur Förderung des Bewusstseins der Zusammengehörigkeit unserer Gemeinschaft und des friedlichen Miteinanders aller Menschen und Religionsgemeinschaften in Darmstadt, Hessen und Deutschland beitragen. Lassen Sie uns gemeinsam, solidarisch und einheitlich für das Wohl unserer Stadt und unseres Landes einsetzen!





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