Leserbriefe Montag, 10.04.2006 |  Drucken

Leserbriefe



René Matthäi schrieb:
Karikaturstreit: Ideale, Glauben, Prinzipien in der neuen Welt weniger wichtig


Glauben ist eine rein persönliche Sache. Teilt man ihn mit anderen, entsteht Religion.

Möchte ein Gläubiger die Ungläubigen (Atheisten, Agnostiker, Christen usw.) verspotten, weil er z. B. meint, dass ohne Glauben die Welt schlechter wird, darf er das auch z. B. in Form einer Karikatur tun - was er auch immer darstellen wird.

Möchte ein Ungläubiger die Gläubigen (Christen, Moslems usw.) verspotten, weil er z. B. meint, dass durch deren Glauben oder Glauben allgemein die Welt schlechter wird, darf er das auch z. B. in Form einer Karikatur tun - was er auch immer darstellen wird.

Jahrtausende hat es bei uns gedauert, bis die Verspottung von Christlichem nicht mehr mit Inquisition, Todesstrafe, Gefängnis, Rede- bzw. Schreibverbot und auch Ächtung "gesühnt" wurde. Ideale, Glauben, Prinzipien usw. scheinen in der neuen Welt weniger wichtig genommen zu werden, und möglicherweise geht es der Welt dadurch schlechter. Die heutige Trennung von Staat und Kirche, von Religion und Wissenschaft hat eine uralte Vorgeschichte. Die Ideen von verschiedenen Gruppierungen (hier: (Un)Glaubensgemeinschaften) können nicht geschriebenes Recht für alle sein.

Einer Figur (Mohammed), an die manche Menschen glauben, eine Bombe in den Hut zu malen, und einen Menschen umzubringen, sind so was von auf unterschiedlichen Ebenen - diese beiden Sachen in einen Satz zu schreiben, ist schon absurd.

Zurück zu oben Genannten: Der Ungläubige kann durch Spott verletzt werden - ist er sich seines Unglaubens aber nicht trotzdem sicher? Der Gläubige kann durch Spott verletzt werden - ist er sich seines Glaubens nicht trotzdem sicher?

Ist eine Kirche, eine Religion, eine atheistische Unglaubensauffassung sich ihrer selbst nicht erst dann sicher, wenn sie Kritik, Spott usw. gegen sich selbst erlaubt? Möchte man von seinen Mit(un)gläubigen nicht wissen, dass sie echte, gefestigte (Un)gläubige sind und nicht bloß ein Umwelt- bzw. Medienprodukt?

Die heutige Welt (ver)führt zur zunehmenden Kritiklosig- und müdigkeit.
Die Welt ist nicht einfach zu beschreiben und zu verstehen. Es braucht ein ganzes Leben Mühe, um kritisch zu sein und um sich auseinanderzusetzen. So ist das eben. Aber Menschen suchen die einfachen Fragen und Antworten und Reaktionen.

Lasst uns das verhindern.


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