Artikel Dienstag, 23.04.2019 |  Drucken

Kulturrat begrüsst Untersuchtung zur Medienagenda von ARD und ZDF und kritisiert, dass die Studie nur eine Momenaufnahme ist

Einseitige Talksshow-Themenauswahl speziell in der ARD wird leider nicht untersucht

Berlin, den 23.04.2019. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt das heute von der Otto Brenner-Stiftung vorgelegte Arbeitspapier "Agenda-Setting bei ARD und ZDF? Analyse politischer Sendungen vor der Bundestagswahl 2017".

Auslöser dieser Untersuchung war u.a. die Äußerung des Geschäftsführers des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, am 07. Juni 2018. Er sagte damals: "Mehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen. Die Spaltung der Gesellschaft hat seit 2015 deutlich zugenommen. Gestern Abend wurde in der Talkrunde im Ersten allen Ernstes schwerpunktmäßig über das Händeschütteln als einen vermeintlichen Ausdruck deutscher Kultur debattiert. Ich finde die Talkshows im Ersten und im ZDF sollten sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten. Vielleicht wird die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein?"

Die Medienwissenschaftler Marc Liesching und Gabriele Hooffacker der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig haben für die Otto Brenner Stiftung jetzt eine Kategorisierung aller Erstsendeminuten der politischen Sendungen von ARD und ZDF im Monat vor der Bundestagswahl 2017 vorgenommen.

Zentrale Befunde der Untersuchung sind: In den fünf meistgesehenen Sendungen im Monat vor der Bundestagswahl war „Migration“ das Thema Nummer eins, über ein Fünftel der Sendezeit kreiste um diesen Sachverhalt. Beim TV-Duell Merkel/Schulz, der Sendung mit den höchsten Einschaltquoten, war das Ergebnis noch deutlicher: 34% der Sendezeit handelte vom Thema „Migration“, während „Arbeit/Familie/Soziales“, „Steuern/Finanzen“ und „Wirtschaft/Verkehr/Bau“ zusammen kaum 15 Prozent auf sich vereinigten.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte heute: "Es ist sehr verdienstvoll, dass die Otto Brenner Stiftung sich in einem Arbeitspapier mit der Berichterstattung von ARD und ZDF vor der letzten Bundestagswahl beschäftigt hat und unsere grundsätzliche Kritik bei den fünf meistgesehenen Sendungen im Untersuchungszeitraum bestätigt. Leider haben die Wissenschaftler nur einen Monat untersucht, meine Kritik vor einem Dreivierteljahr bezog sich aber auf die Themensetzung speziell der Talkshows von ARD und ZDF seit 2015. Aber die Tendenz ist eindeutig. Ich hoffe, das Arbeitspapier wird die notwendige Diskussion über die Verantwortung der Medien weiter anregen."




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