Newsinternational Sonntag, 05.02.2017 |  Drucken

Gegenwind der evangelischen Kirche zum Einreisverbot gegen Muslime in die USA

Lutherischer Weltbund in Sorge - EKD Ratsvorsitzender Bedford-Strohm " Jedes Menschen Würde ist unantastbar"

Jerusalem (KNA) Die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Vorzugsbehandlung für christliche Flüchtlinge aus muslimischen Ländern gefährdet nach Einschätzung des Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB) die christliche Minderheit in der Nahostregion. «Wir weisen jeden Akt zurück, die arabische Gesellschaft entlang religiöser Linien zu spalten», heißt es in einem offenen Brief von Bischof Munib Younan an Trump.

Fast 250 Jahre sei Amerika der Welt ein Vorbild in Sachen Integration, Bürgerrechte, Freiheit und Gerechtigkeit gewesen, so der Geistliche. Younan rief Trump auf, diese Werte nicht nur für US-Bürger, sondern auch für die Nachbarn aufrechtzuerhalten und seine Entscheidungen zu Migranten und Flüchtlingen zu überdenken. Das US-Einreiseverbot für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern bei gleichzeitiger Bevorzugung von Christen aus den betroffenen Staaten «schadet vielen kleineren Gemeinschaften in der Region», so Younan.

Auch in Deutschland äußerte sich die Kirche schockiert. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat sich besorgt über das vorübergehende US-Einreiseverbot für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten geäußert. «Der Mensch, nicht nur der Christ, das ist unsere Überzeugung als Christen, ist geschaffen zum Bilde Gottes und deswegen unendlich kostbar», sagte er der «Heilbronner Stimme» (Donnerstag).

 «Es ist eine zutiefst christlich gegründete Einsicht, wenn es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes heißt 'Die Würde des Menschen ist unantastbar' und nicht 'Die Würde des Christen ist unantastbar'.» Er setze sehr darauf, dass die erst wenige Tage im Amt befindliche US-Administration angesichts des Protestes der weltweiten Zivilgesellschaft ihr Handeln überdenke, so der EKD-Ratsvorsitzende. Flüchtlinge und Vertriebene hätten ein Anrecht auf Schutz.

US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus den Ländern Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen verfügt. Die Aufnahme von Flüchtlingen aus aller Welt wurde für 120 Tage ausgesetzt. Syrischen Flüchtlingen ist die Einreise auf unbestimmte Zeit untersagt.




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