Newsnational Dienstag, 17.11.2015 |  Drucken


Nach Paris-Terror: Brandanschläge auf Moscheen und Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland und Europa

Als Reaktion auf die Anschläge hatte die Bundesregierung am Samstag beschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland insgesamt deutlich zu verschärfen

In Spanien haben Unbekannte in der Nacht zum Samstag einen Brandanschlag auf eine Moschee verübt. Vor dem Hintergrund der Terroranschläge von Paris sei nicht völlig ausgeschlossen, dass es sich um einen Racheakt handelte, sagt José Luis Quintana, der Bürgermeister der 40 000-Einwohner-Stadt Don Benito. Die Flammen hätten schnell gelöscht werden können. Ein Eingangstor der Moschee wurde beschädigt, Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Ein Sprecher der muslimischen Gemeinde von Don Benito, Mohammed Kattabi, sagt: „Wer das gemacht hat, hat sich das falsche Ziel ausgesucht“   

Auf der Ostseeinsel Usedom ist in der Nacht zum Sonntag eine geplante Flüchtlingsunterkunft ausgebrannt. Das teilte die Polizei mit. Bei dem Haus handelte es sich um ein Bürogebäude einer Metallbaufirma in Trassenheide, 15 Flüchtlinge sollten ab Mitte kommender Woche in den vier frisch hergerichteten Wohnungen in dem zweigeschossigen Haus leben.  

Unbekannte haben mehrere Brandsätze auf die Mevlana Moschee in Köln-Porz, die zum Dachverband DITIB gehört, geworfen. Wie aus der Pressemitteilung der DITIB zu entnehmen ist, gingen in dem Eingangsbereich zum Frauenbereich Scheiben zu Bruch. Glücklicherweise sei kein weiterer Schaden entstanden.  

Bei einem Brand in einem Flüchtlingscamp nahe der am Ärmelkanal gelegenen französischen Stadt Calais wurden am späten Freitagabend, wenige Stunden nach Bekanntwerden der Terroranschläge in Paris, etwa 40 Unterkünfte zerstört. Das Feuer brach im vorwiegend von sudanesischen Flüchtlingen bewohnten Bereich des so genannten „Dschungels“ aus. Die in Calais untergebrachten Schutzsuchenden warten auf eine Ausreise nach Großbritannien. Mitarbeiter von Flüchtlingshilfsorganisationen teilten erste Aufnahmen von den brennenden Unterkünften um etwa 23 Uhr. Auch eine vor Ort aktive rechtsextreme Gruppe namens „Die Wütenden von Calais“ stellte Videos, die den Brand zeigten, auf Facebook. Das Feuer sei, so Helfer, „absolut massiv“ gewesen. In dem Camp sind etwa 6000 Flüchtlinge untergebracht. Wie mit der Situation im Lager vertraute Personen betonen, sind die meisten der Bewohner des „Dschungels“ auf der Flucht vor der Terrormiliz IS. Die Aufnahmen und der Zeitpunkt der Tat nährten Spekulationen, wonach ein Brandanschlag als Racheakt für die Anschläge in der Hauptstadt verübt worden sein könnte. Die Vereinigung „No Borders“ macht nun der örtlichen Verwaltung Vorwürfe, weil diese einen rechtsextremen Aufmarsch zugelassen hatte, im Zuge dessen es zur Aufstachelung zum Rassenhass, zu Morddrohungen und zu einer Koranverbrennung gekommen sei. „Am Abend griffen fünf mit Kapuzenjacken bekleidete Neonazis nahe dem Eurotunnel Flüchtlinge an. Diese Ereignisse machten viele Bewohner des ‚Dschungels‘ verständlicherweise sehr wütend und wir denken, dies war der Grund für die Krawalle“, heißt es in einem Statement.  

Die Bundesregierung hat die Länder offenbar zu einem besseren Schutz der Flüchtlingsunterkünfte aufgefordert. Grund seien Befürchtungen, dass Rechtsextremisten die Attentate in Paris als Begründung für Anschläge missbrauchen könnten, berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" am Sonntag unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Bundesinnenminister Thomas de Maizière habe darauf verwiesen, dass es bereits "ein erschreckendes Ausmaß von Anschlägen gegen Asylbewerber" gebe. Als Reaktion auf die Anschläge hatte die Bundesregierung am Samstag beschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland insgesamt deutlich zu verschärfen. Dazu gehören de Maizière zufolge eine stärkere Präsenz bewaffneter Polizisten an Bahnhöfen und Flughäfen sowie mehr Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze.



Ähnliche Artikel

» "Solidarisch an der Seite Frankreich"
» Erster Tatverdächtige der Brandanschläge auf Berliner Moscheen gefasst – Kein Grund jedoch zur Entwarnung
» Gotteshäuser brennen in Deutschland
» 14.11.2015 ZMD verurteilt Teroranschläge von Paris auf Schärfste
» Falsche Signal

Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

70 Jahre Grundgesetz – Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Ergebnisse des Religionsmonitor zum Thema „Religionsfreiheit“
...mehr

„Rückblick auf die Integrations- und Migrationspolitik der letzten Jahre“ - Sachverständigenrat veröffentlicht Jahresgutachten
...mehr

Multikulti vs. Nationalismus - Reportage über die Renaissance fremdenfeindlicher Positionen
...mehr

Das gestörte Gleichgewicht bezüglich der Berichterstattung über den Islam
...mehr

Marcel Luthe (FDP) – Wie konkret ist die Ankündigung des Berliner Innensenators zum Schutz von Moscheen?
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009