Newsnational Dienstag, 10.11.2015 |  Drucken


Zum Tod von Altbundeskanzler Helmut Schmidt – Von M.Belal El-Mogaddedi

Schmidt betonte schon früh, dass es für den Westen wichtig sei, die Bedeutung des Islam zu verstehen. ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek: „Mit seinem Tod verliert Deutschland eine gewichtige Stimme der politischen Sachlichkeit.“

Die Nachricht vom Tod von Altbundeskanzler Helmut Schmidt wurde mit großer Betroffenheit über alle Parteigrenzen und Gruppen hinweg in Deutschland aufgenommen. Helmut Schmidt war einer der prägendsten Politiker des Nachkriegsdeutschlands. Nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik hat er weiter die gesellschaftspolitischen Diskussionen geprägt und klug mitgestaltet.  

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), sagte in einer ersten Reaktion: „ Mit seinem Tod verliert Deutschland eine gewichtige Stimme der politischen Sachlichkeit. Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat Deutschland mit seinem Wirken als Bundeskanzler und in seinen Büchern und Wortbeiträgen um eine Kultur der Vernunft und Nachdenklichkeit bereichert. Seine tiefgründige Betrachtung von Zusammenhängen und seine Bereitschaft althergebrachte Urteile immer wieder neu einer Prüfung zu unterziehen, sind vielleicht die wichtigste Hinterlassenschaft dieses beeindruckenden Mannes der jüngeren deutschen Zeitgeschichte. Ebenso verstand er schon früh wie wichtig es ist, den Islam im Sinne des notwendigen abrahamitischen Austausches zu verstehen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland spricht den Angehörigen und Freunden von Helmut Schmidt sein aufrichtiges Beileid aus und wünschen ihnen in dieser schmerzlichen Zeit des Verlustes viel Kraft und Geduld.“ 


Für die westliche Welt ist es wichtig, den Islam zu verstehen

Den Muslimen in Deutschland wird u.a. in Erinnerung bleiben, dass Helmut Schmidt einen Muslim, den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Anwar El Sadat, als „wahrlich geliebten Freund“ hatte. In einem Artikel über Anwar El Sadat aus dem Jahr 1993 schrieb Helmut Schmidt folgendes: „Besonders beeindruckt hat mich seine [Sadats] Darstellung, wonach alle drei monotheistischen Schriftreligionen ihre Offenbarung am Sinai erfahren hatten, dass wir alle Kinder Abrahams seien. In allen drei Religionen empfängt Abraham die Tafeln. Es muss doch möglich sein, dass den Menschen wieder bewusst gemacht wird: Sie alle stammen aus derselben Wurzel. Dann muss es möglich werden, dass sie zum Frieden miteinander finden... Für die westliche Welt ist es wichtig, den Islam zu verstehen. Wir müssen lernen, Gespräche mit Muslimen zu führen, die über das Wetter oder über die Lieferung von Maschinen, Flugzeugen, Waffen oder über Öl hinausgehen. “  

Vielleicht sollten wir uns alle in diesen schwierigen Zeiten diese elementare Einsicht Helmut Schmidts stärker zu eigen machen, um die Herausforderungen vor denen die Menschen unterschiedlicher religiöser Orientierung gemeinsam stehen, zu bewältigen.   Muslime werden im Koran dazu aufgerufen beim Erhalt einer Todesnachricht sich dem Willen ihres Schöpfers zu ergeben, der über den Zeitpunkt der Geburt und des Todestages bestimmt, und folgenden Vers aus dem Koran zu zitieren: "Von unserem Schöpfer kommen wir und zu IHM ist unsere Rückkehr". (B. M. )



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