Newsinternational Dienstag, 09.07.2013 |  Drucken

Papst besucht Flüchtlinge und gratuliert zum Ramadan

Erste Reise außerhalb Roms nach Lampedusa - weltweit leben 45,2 Millionen Menschen als Flüchtlinge

Rom - Seine erste Reise als Kirchenoberhaupt der Katholiken führte ihn zu den Flüchtlingen. Franziskus prangerte auf der italienischen Insel die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal von Migranten an. In einem dramatischen Appell rief er zu mehr Solidarität mit den verzweifelt Hilfesuchenden auf. Unsere Wohlstandskultur führe dazu, "dass wir nur an uns selbst denken, sie macht uns gefühllos dem Aufschrei der anderen gegenüber, lässt uns in schönen Seifenblasen leben", sagte der Papst in einer Messe auf dem Sportplatz der Insel. Vor etwa 10.000 Migranten und Inselbewohnern forderte er die Abkehr von einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit".

Zum bevorstehenden islamischen Fastenmonat Ramadan hat Papst Franziskus bei seinem Besuch auf Lampedusa besondere Grüße an muslimische Bootsflüchtlinge gerichtet. Die Muslime begännen den Ramadan in der Hoffnung auf spirituelle Bereicherung, so Franziskus. Die Mehrheit der Bootsflüchtlinge im Hafen von Lampedusa sind Muslime aus Somalia und Eritrea.

Mehr als 200.000 Flüchtlinge

Der Besuch von Franziskus auf Lampedusa ist ein wichtiges Signal. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wagt er sich nur wenige Monate nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt an einen Ort, an dem es immer wieder Dutzende Tote zu beklagen gibt. Dass Franziskus seine erste Reise außerhalb Roms auf die Flüchtlingsinsel mache, sei ein "starkes Signal" an die Regierungen, ihre Einwanderungspolitik zu überdenken, sagte der für Flüchtlinge zuständige Kardinal Antonio Maria Vegliò.

Erst vor kurzem hatten die Vereinten Nationen in ihrem Jahresbericht zum Weltflüchtlingstag neue Zahlen veröffentlicht: Demnach lebten Ende des vergangenen Jahres 45,2 Millionen Menschen als Flüchtlinge. Das ist der höchste Stand seit Mitte der neunziger Jahre, als der Völkermord und die Kriege in Ex-Jugoslawien und  Ruanda unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.




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