Artikel Samstag, 18.02.2012 |  Drucken

Wowereit: "Wir zollen den zahlreichen Berliner Muslimen und Muslimas Respekt vor ihren kulturellen Wurzeln. Sie stellen eine wichtige Brücke dar von Berlin in die islamische Welt"

Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, zur Eröffnung der Ausstellung „Roads of Arabia“ am 25. Januar 2012 im Museum für Islamische Kunst (es gilt das gesprochene Wort!)

Die „Roads of Arabia“: Sie führen auch nach Berlin.
Herzlich Willkommen zu einem der Höhepunkte des Berliner Ausstellungsjahres 2012.

Besonders herzlich begrüße ich Seine Hoheit Prinz Sultan.
Hoheit, ich freue mich, Sie als Gast in der deutschen Hauptstadt begrüßen zu dürfen. Sie selbst, vor allem auch Ihr Vater, Seine Hoheit Prinz Salman, haben nicht nur großen Anteil daran, dass die Ausstellung „Roads of Arabia“ ab heute in Berlin gezeigt wird. Sie beide zeigen auch großes Interesse am Austausch mit Berlin. Im Mai 2010 war Prinz Salman Gast der deutschen Hauptstadt. Damals haben wir aus der Idee, diese Ausstellung auf der Museumsinsel zu zeigen, ein konkretes Projekt gemacht. Am 28. Februar vergangenen Jahres haben wir in Riad den Vertrag unterzeichnet. Heute wird die Ausstellung „Roads of Arabia“ eröffnet.

Bedenkt man, wie lang sonst oft der Vorlauf derartiger Großprojekte ist, kann man feststellen: Die Ausstellung „Roads of Arabia“ kam auf einer Schnellstraße nach Berlin!

Besonders herzlich danke ich auch Seiner Exzellenz dem Botschafter des Königreichs Saudi Arabiens in Berlin, Herrn Professor Shobokshi. Exzellenz, ohne Ihre Unterstützung hätten wir dieses Projekt nicht realisieren können. Vielen Dank!
Dank auch an die Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft, besonders Herrn Houssam Maarouf. Dank verdient haben auch Dr. Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen und Dr. Weber, der Direktor des Museums für Islamische Kunst sowie alle anderen Unterstützerinnen und Unterstützer.


Berlin freut sich auf eine spektakuläre Ausstellung.

Ich bin sicher: Sie wird unser Bild von Saudi Arabien verändern.
Die arabische Halbinsel war bereits in vor-islamischer Zeit mehr als eine Sandwüste: Nämlich ein bedeutender Kulturraum, durchzogen von Wirtschaftsadern, Handelsstraßen und Pilgerstationen und angebunden an den Mittelmeer-Raum, der Wiege unserer abendländischen Kultur. Wir erfahren, dass Orient und Okzident schon vor Jahrtausenden durch Handel und Kultur eng verbunden waren.

Seit der Zeit der Islamisierung besitzt die arabische Halbinsel eine große wissenschaftliche und kulturelle Tradition. Sie hat einst den gesamten Mittelmeer-Raum befruchtet und beflügelt. Die Tür von der Kaaba, die in dieser Ausstellung gezeigt wird, ist eine besondere Reverenz an diese Tradition.

An diese Tradition will Saudi Arabien heute anknüpfen.

Das bedeutet Chancen für beide Seiten: Für Berlin wie für Riad.
Beide Städte haben in jüngster Zeit ihre Beziehungen intensiviert.
Saudi Arabien unternimmt große Anstrengungen, sein Gesundheitswesen und sein Bildungssystem auszubauen, die Energieversorgung zu erneuern und ein modernes Mobilitätskonzept zu entwickeln. Auf diesen Feldern verfügt Berlin über Kernkompetenzen. Hier ist der bilaterale Austausch für beide Seiten fruchtbar. Im Bereich des Gesundheitswesens gibt es eine umfassende Kooperation. Die lässt sich auf andere Felder ausweiten.

Aber auch den Kulturaustausch wollen wir voranbringen.
Diese Ausstellung ist ein Meilenstein für den Kulturaustausch zwischen Riad und Berlin.

Berlin ist gerade für den Kulturaustausch mit der islamischen Welt hervorragend aufgestellt:Das Museum für Islamische Kunst ist nicht nur eines der bedeutendsten außerhalb der islamischen Welt. Mit 730.000 Besuchern ist es auch das weltweit am besten besuchte.

Oder nehmen Sie die Berliner Staatsbibliothek. Sie verfügt über eine der größten und bedeutendsten arabischen Handschriftensammlungen in Europa.
Mit dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Zentrum Moderner Orient und anderen Einrichtungen verfügt Berlin über weitere wichtige Partner für den Dialog mit der arabischen Welt.

Wir wollen den kulturellen Dialog mit Saudi Arabien kontinuierlich ausbauen.
Kultur ist mehr als Kunst und Museen. Kultur bedeutet Vielfalt, Weltoffenheit, Toleranz und Austausch. Das sind Werte, die die Entwicklung einer Gesellschaft voranbringen. Berlins kulturelle Offenheit fördert die Kreativität und Attraktivität der Stadt

Vor allem aber kann der kulturelle Austausch auf beiden Seiten dazu beitragen, Ignoranz oder sogar Feindbilder abzubauen.
Die Achtung und Toleranz unterschiedlicher Kulturen und Religionen ist für Berlin besonders wichtig.

Wir zollen den zahlreichen Berliner Muslimen und Muslimas Respekt vor ihren kulturellen Wurzeln. Sie stellen eine wichtige Brücke dar von Berlin in die islamische Welt.

Berlin steht für den vorurteilsfreien, offenen Dialog mit dem Islam.
Die Ausstellung „Roads of Arabia“ wird diesen Dialog nachhaltig fördern.
Wir werden ihn schon im März fortsetzen mit einer sehr hochkarätig besetzten Konferenz zu den Themen Infrastruktur, Städtebau, Kulturerbe, Bildung und Wissenschaft. Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele hochrangige saudische Partner unsere Einladung nach Berlin annehmen werden.

Ich hatte eingangs gesagt: Diese Ausstellung wird unser Bild von Saudi Arabien verändern. Ich füge hinzu: Dies geschieht in einer Zeit, da die islamische Welt dramatische Veränderungen erfährt. Völker haben sich gegen Diktatur und Unterdrückung erhoben. Zehntausende Menschen haben ihr Leben geopfert im Kampf um ihre Freiheit und viele Menschen sind weiterhin dazu bereit.
Wir erleben derzeit, dass die Forderung nach Freiheit und Demokratie nicht im Widerspruch steht zum islamischen Glauben. Freiheit und Demokratie sind mit dem Islam vereinbar – das ist für viele Menschen im Westen eine wertvolle Erfahrung.
Dieser eindrucksvolle Demokratiebewegung hat unsere Solidarität und unsere Unterstützung.

Der Wandel muss durch Reformen unterstützt werden – in Wirtschaft und Gesellschaft, auf dem Gebiet der Bildung, der Kultur oder der Gleichstellung der Frauen, für eine freie Gesellschaft und gegen jede Art der Diskriminierung von Minderheiten.Berlin ist bereit, diesen Wandel zu unterstützen. Gerade der kulturelle Austausch bietet viele Chancen.

Jetzt aber heißt es erst einmal: Tore auf für „Roads of Arabia“. Wie viele Berlinerinnen und Berliner freue ich mich auf diese Ausstellung.
Ich wünsche Ihnen allen einen anregenden Abend.



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