Newsnational Freitag, 12.11.2010 |  Drucken

Handelsriese Metro steigt ins Halal-Geschäft ein

Höhere Nachfrage an "Halal-Produkten" lässt Lebensmittelhersteller neue Geschäftsfelder erschließen. Boykottdrohungen aus rechtsextremen und islamphoben Kreisen.

(Baltext Publishing) Die Handelskette METRO Cash & Carry hat Anfang November auf Ihrer Website angekündigt, dass ihr Sortiment auch islamkonforme Fleischprodukten beinhaltet. Die in Deutschland vertriebenen Produkte besitzen ein Halal-Zertifikat, bei deren Erzeugung wurden die Schlachttiere jedoch nicht geschächtet. Der deutsche Handelsriese ist mit Niederlassungen in 29 Ländern vertreten und betreibt insgesamt 655 Selbstbedienungsgroßmärkte.

“Mit der steigenden Anzahl der Muslime in Deutschland wächst auch die Nachfrage nach Lebensmitteln, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Internationale Nahrungsmittelkonzerne haben bereits vor geraumer Zeit damit begonnen, ihr Produktkontingent mit Halal-Produkten aufzustocken. Auch in Deutschland verlieren Händler nach und nach ihre Zurückhaltung und erweitern ihr Sortiment um die gefragten Halal-Artikel. ”

Mit diesen einleitenden Ausführungen kündigt die Metro ihr Halal-Sortiment an. Nach Boykottdrohungen aus rechtspopulistischen und islamphoben Kreisen gegen Mitbewerber in Deutschland und Österreich, ist der Handelskonzern jedoch vorsichtig geworden und erläutert den Kunden die Herkunft seiner islamkonformen Produkte.

“Bei METRO Cash & Carry wird die Qualifizierung jedes einzelnen islam-konformen Produkts bei Rind- und Geflügelfleisch von gläubigen Muslimen vorgenommen. Sie sind verantwortlich für die Einhaltung der Hygienevorschriften bei Mitarbeitern, Maschinen und Räumlichkeiten. Die Schlachtung wird von ihnen überwacht und mit Gebeten gesegnet. Durch ein kalkuliertes Maß an Reizstrom unmittelbar vor der Schlachtung, wird das Tier betäubt, ohne dass es im Hinblick auf den islamischen Glauben schon als tot gilt. Bei der eigentlichen Schlachtung ist der Kopf des Tieres nach Osten ausgerichtet. Unser Schlachtvieh wird gemäß EU-Verordnung betäubt und dann geschlachtet (kein Schächten) und weiter verarbeitet, wobei Tierschutzaspekte während der Schlachtung ebenfalls berücksichtigt werden.”

Damit müssten zumindest die Tierschützer unter den Halal-Kritikern zufriedengestellt sein. Die elektrische Betäubung wird u.a. von Religionsgelehrten in Ägypten und Saudi-Arabien akzeptiert, von grossen Teilen der Muslime in Nordamerika, Grossbritannien und Frankreich aber noch immer abgelehnt. Zahlreiche deutsche Fleischzerlegungs- und Verarbeitungsbetriebe lassen aus diesem Grund in Holland und Frankreich schlachten, wo die rituelle Schlachtung für Muslime wie Juden ausdrücklich erlaubt ist.

METRO Cash & Carry gehört zur Metro AG, die öffentlich auch unter dem Namen Metro Group auftritt. Sie ist eine in Düsseldorf ansässige Holding-Gesellschaft mehrerer Großhandels- und Einzelhandelsunternehmen. Die Metro-Gruppe beschäftigt heute weltweit rund 290.000 Mitarbeiter, davon etwa 127.000 in Deutschland. Mit ihren Vertriebsmarken ist sie bisher in 32 Ländern aktiv. Bedeutende internationale Konkurrenten der Metro sind Carrefour und Tesco, auf dem deutschen Markt die Edeka sowie die Rewe Group. Rewe bietet schon länger Halal-Produkte an und geriet deshalb kürzlich ins Kreuzfeuer rechtsextremistischer Kreise (Mit freundlicher Genehmigung von Peter Ziegler).



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