Artikel Donnerstag, 11.09.2008 |  Drucken

„Unterricht in intellektueller Selbstverteidigung“ – Eine Besprechung über das bekannte Werk von Noam Chomsky „Media Control“ – Von Dima Nassri

Heute werden Aufstände nicht mehr durch Gewalt erstickt, sondern durch Medienkrieg: Man hetzt die allgemeine öffentliche Meinung gegen diese „Störenfriede“.
Nein, das bezieht sich nicht auf Diktaturen, sondern auf demokratische Gesellschaften wie die unsere, so Chomsky. In seinem Buch Media Control beschreibt Chomsky die Demokratie.

Und zwar beschreibt er sie so, wie sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt ‚wirklich’ ist und funktioniert. Chomsky – der in The New York Times Book Review (1979) als „der wohl bedeutendste lebende Intellektuelle“ bezeichnet wurde – zeigt, dass die Entscheidungsgewalt über zentrale Lebensbereiche nicht beim Volk, sondern in privaten Händen liegt. Dabei bleibt die formale Funktionsweise der demokratischen Strukturen intakt, während ihr wesentlicher Inhalt jedoch entzogen ist. Dies wird in erster Linie dadurch erzielt, dass die Gedanken und Einstellungen der Menschen so „kanalisiert“ werden, dass einem Widerstand gegen die herrschenden Mächte „von vornherein der Stachel genommen wird“.

Mit zahlreichen Materialien und Analysen veranschaulicht Chomsky, auf welche Weise die Medien für die „Kontrolle der Gedanken“ sorgen.
Noam Chomsky war seit jeher ein Verfechter der Menschenrechte. Nicht zum ersten Mal dokumentiert und analysiert er die machtmissbrauchende Politik demokratischer Staaten (insbesondere der USA), welche Unterdrückung und Ausbeutung durchsetzt.

Ein Nahostkorrespondent kommentierte 1988 in der Washington Post einen Artikel von Chomsky als „breathlessly deranged“: auf atemlose Weise geistig verwirrt. Dazu schreibt Chomsky in Media Control folgendes:
„Mit der Atemlosigkeit hatte er sicherlich nicht recht, der Artikel war in eher ruhigem Tonfall verfaßt – aber ‚geistig verwirrt’ ist richtig. Man muß wohl geistig verwirrt sein, um elementare moralische Binsenweisheiten zu akzeptieren und Tatsachen zu beschreiben, die nicht beschrieben werden sollten.“

Genauso einfach ist Chomskys Argumentationsweise; er nennt Beispiele aus der Geschichte, verbindet Tatsachen und zeigt die Dinge in einem neuen unverfälschten Licht.

Die Inhalte in Media Control sollen dem Leser dabei helfen, sich vor Manipulation und Kontrolle zu schützen, so Chomsky. Heutzutage sollten die Menschen in demokratischen Gesellschaften „Unterricht in intellektueller Selbstverteidigung“ nehmen; erst dann können sie gerechtere Formen der Demokratie anstreben. Dieses Buch ist ein erster wichtiger Schritt dazu.


Zum Buch: Chomsky, Noam (2007): Media Control. Wie die Medien uns manipulieren. Aus dem Amerikanischen von Michael Haupt. München/Zürich: Piper.
Kanadische Originalausgabe: 2002 in Toronto erschienen





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