Euro-islam Dienstag, 15.01.2002 |  Drucken

Euro-islam



Mehmet Yildiz schrieb:



Hallo,

was Hr. Thierse da verlangt ist in der Natur des Islam selbst bereits vorhanden: Der Islam toleriert, ja respektiert die anderen Kulturen und Religionen, allen voran die Christen. Es wird Zeit dass der Westen, wie er sich selbst nur allzu gern mit dieser Bezeichnung von der restl. Welt abspaltet, erkennt dass der Islam keine Institution ist, wie etwa die Kirche, den man politisch den temporären Bedürfnissen anpassen kann. Er ist daher nicht mit dem Christentum vergleichbar.
Die Muslime treffen nicht selbst die Entscheidungen wie z.B. über Toleranz oder Intoleranz, diese Werte sind vorgegeben!
Man nimmt sie an oder nicht - persönliche Einstellung eines jeden einzelnen.
Hier muss nicht der Islam verändert werden, sondern der Zustand der Menschen, die aufgrund ihrer Unzufriedenheit diese Religion missbrauchen, um ihrer Wut den "vai via" zu geben.
Mich erbost der Versuch, den Islam so zurechtbiegen zu wollen, wie "man" ihn gerne hätte.
Nein, nicht die Muslime sind hier zu einem "Dialog" aufgefordert, sondern dass der Westen den Islam endlich respektiert und dessen Existenz anerkennt. Bisher führt er jedoch ein dämonisches Dasein, wird aus der Schublade gezogen, wenn auf der Welt mal wieder Mord und Blutrünstigkeit an der Tagesordnung sind.
Am 13. September habe ich meine Koffer gepackt, weil ich als ein Moslem (nur ein Mensch wie jeder andere) mit in der Schusslinie stand. Weder diese Gesellschaft, erst recht nicht dessen politische Vertreter waren in der Lage Unterschiede zu machen. Die permanent hochbeschworene Demokratie wurde binnen Stunden ausser Kraft gesetzt. Menschen, die bis dahin nichts mit der Kirche zu tun hatten, wünschten plötzlich der Papst zu sein.

Solange Doppeldeutigkeit und Machtinteressen die Welt dominieren, solange wird es auch Menschen geben die sogar Religionen missbrauchen um auf sich aufmerksam zu machen.

Trotz dem ist der heutige religiöse Extremismus aus dem Osten bei weitem nicht mit dem vergleichbar, was bis noch vor einem halben Jahrhundert das Abendland beherrschte: Im Namen Gottes wurden ganze Zivilisationen dem Erdboden gleich gemacht, Demut und Zerstörung müssen noch heute die Zurückgebliebenen hinnehmen.
Kann mir auch nur eine Person garantieren, dass wenn der Wohlstand dem Abendland wieder entzogen würde, es nicht zu neuen Kreuzügen kommen würde???

Fazit: Zwiefellos ist das Element Demokratie der beste Weg, allen Beteiligten einer Gesellschaft weitestgehend ihre Rechte zu gewähren. Voraussetzung hierfür ist jedoch dass alle Minderheiten auch anerkannt werden und man nícht versucht, sie zu assimilieren, wie es Friedrich Merz gerne hätte!
Erst dann werde ich mich als deutscher Moslem als ein Teil dieser Gesellschaft fühlen können. Hierzu muss vor allem der Staat sich viel mehr auch um meine Belange als Moslem kümmern und den Islam so mitfördern wie er es für das Christen -und Judentum auch tut.
Dass ein sog. Professor für Islamwissenschaften in einem Sender auftritt und sein erstes Wort "Mohamedaner" für die Bezeichnung von Moslems ist, nicht mehr vorkommt.
Der sog. Dialog ist daher eine Farce, vielmehr sollte es darum gehen den Islam so hinzunehmen, wie er ist - ganz einfach.

Mit freundlichen Grüßen

Mehmet Yildiz
Köln


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