Euro-islam Donnerstag, 18.12.2003 |  Drucken

Euro-islam



Sami an Leyla: EuroIslam weitestgehende Angleichung? schrieb:



Meiner Meinung nach ist eine Neuschöpfung /Modifikation des Wort Allahs nicht möglich.

Und wo sich im alltäglichen Leben eines Moslems als Mitbewohner
der Gesellschaft eines abendländischen Kulturkreises Überschneidungen/Konflikte mit
eigenen Wertmaßstäben abzeichnen sind theoretisch gesehen, wenn man es denn genau nähme, Kompromisse nur solange möglich soweit das Zusammenleben auf alltäglichem Umgang miteinander basiert, dazu gehört z.B. für Männer und Frauen das miteinander Arbeiten, z.B. für Kinder das miteinander Spielen.

Sobald die Beziehungen untereinander aber von intensiverer z.B. ehelicher Natur sind.
werden Widersprüche unumgänglich, sofern beide Seiten ihre Religion halbwegs ernst ausüben. Eine solche intensive Beziehung(die Ehe hier als Sinnbild einer Symbiose der Religionen) zwischen den Kulturen verläuft nur dann konfliktfrei ,wenn entweder beide auf ihre Hintergründe verzichten oder sich eine Seite der jeweils anderen anpasst.

Falls ein Euro-Islam eine solche weitestgehende Angleichung unter Verzicht auf grundlegende eigene Inhalte bedeutet , lehne ich persönlich seine Praktizierung kategorisch ab.

Und zwar mit folgender simpler Begründung :
Erst Unterschiede machen die verschieden Kulturen und ihre Menschen so einzigartig,
und eröffnen die Möglichkeit voneinander zu lernen sowie Eigenheiten zu bewahren.
Vor diesem Hintergrund wäre es natürlich interessant über die Aufhaltsamkeit der
(nicht nur wirtschaftlichen !) Globalisierung zu diskutieren.

Idealerweise im Sinne einer guten Freundschaft und nicht einer Ehe sehe ich deswegen
eine Koexistenz der beiden. Wenn deine Worte meinen dass sich der Islam nicht nur soweit wie möglich auf kulturelle und gesellschaftliche Gepflogenheiten des Abendlandes einstellen muss (ohne sich selbst zu verleugnen), sondern eine sei es teilweise oder komplette Neudefinierung (in welchen Kategorien auch immer) angestrebt werden soll, (wobei hier sicherlich unterschiedliche Auffassungen in der Interpretation zu verändernder Inhalte vorliegen (bestimmte Teile sind sicher mehr oder weniger frei interpretierbar))
ist meine Meinung hier eine fast 100 % entgegengesetzte.

Das Ergebnis wäre langfristig gesehen sicherlich ein kompletter Verlust der Authentizität und
Ursprünglichkeit der Lehren des Koran. Man stelle sich eine schrittweise Modifikation der islamischen Lehren von Generation zu Generation vor.
Auch minimale Veränderungen haben ,im kurzfristigen Zusammenhang vielleicht von liberalen Denkern sogar noch als zu zögerlich belächelt, auf einer grösseren Zeitleiste soweit stetig über mehrere Generationen betrieben, für die Integrität des Islam fatale Auswirkungen.

Um auf dein Beispiel der Black Muslims in den USA zurückzukommen so trat Islam
dort in den sechzigern verstärkt in das Licht der Öffentlichkeit und stösst bis heute auf
regen Zuspruch in der afro-amerikanischen Bevölkerung.

Die Integration der Afro-Amerikaner in den amerikanischen Alltag kann meiner Meinung nach nicht mit der der Afrikaner ,Araber ,Türken, in Deutschland verglichen werden
Hier kam es erst Mitte / Ende des 20. Jahrhunderts zu massiven Einwanderungswellen, ein
Integrationsprozess ist also im Vergleich zur Integration der ehemaligen Sklaven in Amerika
noch relativ jung und mit in Amerika erfolgten vergleichbare Konflikte und Gesellschaftsspaltungen ja sogar Ghettoisierungen(in Ansätzen schon heute absehbar) zu späterem Zeitpunkt sind nicht auszuschliessen, wobei mir nichts ferner läge als solche heraufzubeschwören.

Bedingt durch das gemeinsame Schicksal der Ausgrenzung seitens der weissen Bevölkerung
tritt die islamische afro-amerikanische Minderheit in der Interpretation der islamischen Lehren als auch in ihrem Erscheinungsbild in der amerikanischen Öffentlichkeit geschlossener auf als dies in Deutschland die verschiedenen , in Interpretation des Glaubens und Öffentlichkeitswahrnehmung durch die deutsche christliche, atheistische oder sonstige(nicht abwertend nur abkürzend!) Bevölkerung wohl um ein vielfaches vielschichtigeren muslimischen Gemeinschaften tun.

Und aus diesem Grund kann ich dir auch hier nicht Recht geben wenn du sagst dass in Europa lebende Muslime sich ein Beispiel an den Black Muslims in Amerika nehmen sollten wenn es um Integration geht. Die Vorzeichen sind unterschiedlich und daher auch die Wege zu einem friedlichen Miteinander.

Aber incha'allah finden die Menschen Wege und Mittel eine zu grosse Distanzierung voneinander zu verhindern - ohne sich zu Nahe zu kommen.

"Bei Überdosis wird selbst Wasser zum Gift"


Sami


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