Euro-islam Mittwoch, 26.02.2003 |  Drucken

Euro-islam



Klaus Tekauz: Ist zuversichtlich trotz heftiger Krisen schrieb:



Das Zusammenleben zwischen Islam und Christentum sowie Judentum hat in Europa mittlerweile eine über 1200 jährige Geschichte. Es hat in dieser Zeitspanne zahlreiche Kriege und Unterdrückungen oder Krisen gegeben. Allerdings gab es Zeiten, in denen es trotz christlicher oder islamischer Dominanz ein friedliches Alltagsleben gab. Leider muß man zur Schande des Christentums sagen, daß Staaten mit christlicher Staatsreligion wesentlich intoleranter waren als islamisch kontrollierte Gebiete.

Intolerant gegenüber eigenen "herätischen" Strömungen, gegenüber dem Judentum, reserviert gegenüber dem Islam. Nicht zu vergessen, daß es der 30 jährige Krieg war, also ein innerchristlicher Konflikt, der Mittel und Nordeuropa gebietsweise fast entvölkert hat.

Die Reserviertheit gegenüber dem Islam mag sich aus der Tatsache erklären, daß sich das Christentum in Europa lange Zeit in einer defensiven Situation gegnüber dem Islam sah und das Christentum gleichzeitig eine staatstragende Macht war.

Allerdings hat man sich in Europa weiterentwickelt und heute ist in den meisten europäischen Länder die Trennung von Kirche und Staat realisiert. Der Staat ist säkularisiert, das Christentum hat sich größtenteils aus der Politik zurückgezogen, und die Bürger europäischer Staaten können welcher Religion auch immer angehören. Die Religionsfreiheit ist Teil der freiheitlichen Grundhaltung, in den meisten europäischen Staaten verfassungsmäßig verankert, ein Menschenrecht. Viele Angehörige des Islam verwechseln diese Haltung mit Schwäche oder gar Unglauben.

Immerhin hat sich Deutschland bzw Europa geöffnet, und die anerkannten Weltreligionen können sich fast derselben Rechte erfreuen wie das Christentum.

Der islamische Mensch, der in Europa lebt und diese Grundhaltung nicht teilt, wird hier unzufrieden sein, wird anecken weil er seine Religion immer in den Vordergrund stellt und gleichzeitig Toleranz fordert, während die Umgebung in seinen Augen intolerant scheint.

Ich bin zuversichtlich, daß wir trotz aller Krisen, oder wegen dieser dazulernen und zusammenwachsen werden. Ich bin zuversichtlich, daß die oft erwähnten Gemeinsamkeiten zwischen den Abrahamsreligionen nicht nur Lippenbekenntnisse und Propaganda sind, sondern ein Zeichen für den Willen gemeinsam zu leben, zusammenzuarbeiten und das nach dem Wort Gottes und in dessen Namen und zu dessen Freude.

In diesem Sinne.


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