Euro-islam |
Freitag, 08.11.2002 | Drucken |
Euro-islam
G.W.: Probleme d. arabischen Welt haben zu tun mit... schrieb:
Die Probleme der arabischen Welt haben weder ausschließlich etwas mit dem Islam noch etwas mit der westlich-christlichen Zivilisation zu tun, sondern vor allem mit der Erfindung des Benzinmotors und anderen Erdöl verbrauchenden Energiemaschinen und der Tatsache, daß Erdöl sich vorallem in arabischen und anderen muslimischen Ländern fördern läßt.
Es ist traurig, daß wegen solchen -bezogen auf die Menschheitsgeschichte- banalen Entwicklungen, die über kurz oder lang sich überleben werden und durch andere ersetzt werden, arabische Staaten sich in Gesellschaften entwickelt haben, die ihr kulturelles Erbe vergessen zu haben scheinen und in denen größere soziale Unterschiede herrschen, als sonst irgendwo auf der Welt. Diese sozialen Unterschiede zwischen denen, die teilhaben an dem Reichtum, der durch das Öl in die Länder kommt und denen, die es nicht können, ist hausgemacht und nicht den anzulasten, die ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen durchsetzen.
Die gerechte Verteilung der durch das Erdöl gemachten Einnahmen -und zwar nicht nur im Sinne von Almosen, die Machtstrukturen schaffen und etablieren- wäre durchaus im Sinne des Korans und widerspricht nicht westlich-zivilisatorischen Gepflogenheiten.
Einen Zusammenhang zu sehen derart, daß der Westen schuld ist an der Abkehr von einer islamischen Sozialethik in arabischen Ländern ist absurd, da die Handhabung mit den im Land vorkommenden Ressourcen den dort Regierenden verantwortlich zusteht.
Das soziales Gefälle der arabischen Staaten gegenüber anderen islamischen Staaten, die nicht über derartige Ressourcen verfügen und daher wirtschaftlich schlechter dastehen, dem Westen anzulasten ist ebenso absurd, es spricht eher für die mangelnde Solidarität unter islamischen Saaten.
Vollkommen außerhalb jeglicher Logik ist, daß ausgerechnet ehemaligen CIA Agenten wie Saddam Hussein und Osama bin Laden von Muslimen zugetraut wird, sie aus ihrer Misere zu führen, indem sie den Westen als Feindbild aufbauen, dessen Strukturen sie als ehemalige CIA Mitarbeiter zwar kennen und die sie dadurch auch treffen können, was indirekt dann natürlich auch wieder zu einer Destabilisierung arabischer und nicht-arabischer islamischer Staatsregierungen führt, jedoch mit der Konsequenz, daß irgendwann überhaupt nichts mehr geht und die Armen immer ärmer werden.
Diese Armen in der muslimischen Welt haben relativ wenig Möglichkeiten, sich gegen ihre Situation zu wehren, sie sind verführbar, da ihnen die Zusammenhänge nicht aufgezeichnet werden und zu ihrem eigenen Schaden manipulierbar.
Hier liegt die Verantwortung in den Händen der islamischen Religionsführer der westlichen Welt, z.B. innerhalb Europas und der Türkei, aufzuklären, diese Menschen zu schützen vor Demagogen, die offensichtlich das Schlechteste der westlichen Zivilisation in die muslimische Welt zu bringen beabsichtigen, um diese zu zerstören. Es ist Aufgabe der Verantwortlichen in der muslimischen Welt, Lösungskonzepte für die gesellschaftlichen Probleme in islamischen Staaten zu entwickeln, die über die Zeit einer profitablen Petroindustrie hinaus gehen und zu einem Umdenken zur Eigenverantwortung auf zu rufen. Diese Aufgabe kann man nicht nur caritativen Projekten des Westens überlassen.
Anstatt den Westen verantwortlich zu machen für die hausgemachten Miseren sollten sich islamische Verantwortliche mit denjenigen Verantwortlichen zusammensetzen in der westlichen Welt, die nicht nur kurzfristige wirtschaftliche Interessen im Blick haben, sondern das längerfristige Wohl der gesamten Menschheit in schwierigen Entwicklungszeiten.
Jeder Muslim sei dazu aufgerufen konstruktiv dazu beizutragen, daß Lösungskonzepte für die muslimische Welt erarbeitet werden können. Denn genauso wenig, wie der Westen letzten Endes verantwortlich ist für das, was in muslimischen Staaten geschieht, kann er die Probleme dort lösen, ohne daß es zu einer erneuten Entfremdung vom kulturellen Erbe kommt.
Jeder Muslim, der im Westen lebt, sollte nicht nur darauf schauen, wie er sich dort am Besten integrieren und von dem gesellschaftlichen Angebot Nutzen ziehen kann, sondern sich auch weiterhin verantwortlich fühlen für das Land, dem er entstammt im Versuch die Kulturen auch über die eigene Person hinaus zusammen zu bringen.
Nicht nur dadurch, daß er darauf hinweist, daß hier auch vieles im Argen ist -was unbestreitbar der Fall ist- sondern in dem er dazu beiträgt, die Problematik der Konfrontation von westlich-christlicher mit östlich-muslimischer Kultur zu verstehen, so daß daraus konstruktive Perspektiven erarbeitet werden können.
Ihnen einen gesegneten Ramadan!
Möge unser gemeinsamer Gott uns bewahren, so daß er ohne Krieg in fruchtbarer Kontemplation zum Wohle der gesamten Menschheit begangen werden kann.
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