Artikel Dienstag, 27.11.2007 |  Drucken

Sind Sie ein Islam-Versteher? Wissen die Deutschen zu wenig über den Islam? WELT ONLINE testet Ihr Wissen.

"Islam-Versteher" zu sein, ist wahrscheinlich inzwischen eine Eigenschaft, die ähnlich anziehend wirkt wie "Warmduscher." Schlimmer ist man nur als "Multi-Kulti-Träumer" dran. Trotzdem macht WELT ONLINE einen Test, in dem Wissen über und das Verständnis vom Islam geprüft wird. Möglicherweise ist das ein schwieriger Test. "In Deutschland ist es ziemlich schlecht bestellt um das Wissen über den Islam", schätzt Ali Kizilkaya, der unter anderem Vorsitzender des Islamrats in Deutschland ist.

Kizilkayas Sicht wird verstärkt durch die Berichterstattung in den Medien. Der Prophet Mohammed kommt einem als säbelschwingender Beduinenführer entgegen, obwohl er in Wirklichkeit ein Stadtkind war. Regelmäßig wird davor gewarnt, dass die Scharia schleichend in Deutschland eingeführt werden könnte, ohne dass klar wird welche. Die Religion erscheint nicht selten als in ihrem Wesen gewaltbereit und nicht kompatibel mit dem Grundgesetz.

Dafür gestaltet sich das Leben von etwa drei Millionen Muslimen in Deutschland erstaunlich angepasst und friedlich. Dessen ungeachtet verdüstert sich das Bild des Islam zunehmend. Die Darstellung von Muslimen als Terroristen und Fanatiker hat seit dem 11. September 2001 überproportional zugenommen, beobachtet Faruk Sen vom Zentrum für Türkeistudien. In der Islamversteherecke stehen zwar genug Mahner herum, die vor Verallgemeinerungen warnen, aber ihrer Botschaft fehlt der Kitzel der Gefahr.

Ohne lau zu werden, setzt dem WELT ONLINE die Spannung eines Quiz entgegen. 40 Fragen aus der Geschichte und der Alltagspraxis des Islam. Und sie sind nicht alle einfach.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyeck, schätzt, dass der Test auch einigen Muslimen Probleme bereiten könnte. "Der Test führt basics vor Augen, welche die mehrheitlich friedliebenden Muslime tagtäglich glauben und praktizieren." Der Islamwissenschaftler und Rechtsprofessor Mathias Rohe aus Erlangen beurteilt den Test als "guten Mix aus leichten und schwierigen Fragen. Für Islamwissenschaftler dürften sie eigentlich machbar sein."

Dennoch kritisiert Rohe, "dass sich die Fragen fast ausnahmslos auf den traditionell-schriftorientierten Islam beziehen." Das
stört auch die prominente Kopftuchablegerin Emel Abidin-Algan: "Grundsätzlich ist die Idee eines Tests sehr brauchbar und die Fragen sehr interessant. Aber die Angelegenheit ist weitaus komplizierter und ernster, da erscheint eine Abfrage von Faktenwissen geradezu naiv."

Tatsächlich möchten wir nicht verschweigen, dass wichtige Aspekte des Sufismus, des Volksislam und moderner Ausgestaltungen, besonders in der westlichen Diaspora weitgehend fehlen. Der Mechanismus der Vereinfachung hat wieder zugeschnappt. Mazyeck gibt zu bedenken, "dass einige Fragen genauer gestellt werden könnten, weil sie zu mehrdeutigen Antworten verleiten."

Ein Quiz ohne Alternativen

Im WELT-ONLINE-Quiz gibt es nur eine richtige Antwort pro Frage. Dieser Aufbau bei Fragen des islamischen Glaubens würde wahrscheinlich einen wahabitischen Islamgelehrten in Saudi-Arabien freuen. Vielleicht ist auch das nur ein Vorurteil. Ali Kizilkaya rät dazu, Primärquellen zu befragen und "Muslime in den Moscheen zu treffen, wenn man etwas Verlässliches erfahren will." Das System des "Erlaubten und Verbotenen" im Islam ist enorm vielgestaltig – es ändert sich je nach Region und je nach Gesellschaft. "Der Islam ist lange nicht so verkrustet und altmodisch, wie er auf vielen Websites daherkommt", sagt Rohe. Auch wer sich nach dem Test noch als Islamversteher fühlt, kann wahrscheinlich noch viel lernen.




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