Artikel Sonntag, 15.04.2007 |  Drucken

Nicht der "Islamismus", sondern ungleiche Bildungschancen und politische Ausgrenzung erschweren die Integration von Muslimen in Deutschland - Jüngsten Bericht der Internationalen Konfliktgruppe ICG

Von Konflikten halten sich die meisten Menschen am liebsten fern - die Mitarbeiter der "International Crisis Group" (ICG) haben täglich mit ihnen zu tun. Die nichtstaatliche Organisation erarbeitet weltweit Lösungsvorschläge für internationale Spannungen. Nun hat sie sich Deutschland vorgenommen und das Thema Islam auf die Agenda gesetzt.

Dabei kommt die Studie zu den zwar allseits bekannten aber oft auch gerne unter dem Tisch gekehrten Ergebnis: Ohne eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben, sei eine erfolgreiche Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft nicht zu erwarten, so der Bericht.
Sucht man nach Themen Islam und Muslime in der deutschen Presselandschaft geistern fast täglich Berichte über Terrorismus und radikale „Islamisten“. Laut Bericht fällt jedoch diese Gruppe in Deutschland jedoch zahlenmäßig kaum ins Gewicht. In der Bundesrepublik leben zwischen 3,2 und 3,4 Millionen Muslime. Nur ein Prozent davon seien „Islamisten“, von denen sich wiederum nur ein kleiner Prozentsatz zu radikaler Gewaltbereitschaft bekenne.

"Drei Viertel aller Muslime in Deutschland sind türkischer Abstammung", sagt Jonathan Laurence, Fachberater der ICG. Gerade sie seien in ihren Ansichten und in ihrer Religionsausübung besonders gemäßigt. In Deutschland gehe es vor allem darum, die türkischen Muslime besser in die Gesellschaft zu integrieren - dort solle man ansetzen, nicht beim Kampf gegen den Islamismus.

Ungleiche Bildungschancen - politische Ausgrenzung

"Fehlende Bildungsmöglichkeiten und politische Ausgrenzung sind die größten Hindernisse für eine erfolgreiche Integration", sagt Laurence. Der Bericht hinterfragt auch die strengen Sicherheitsvorschriften in Deutschland.

Großangelegte Razzien in Moscheen oder Einbürgerungstests würden von vielen Muslimen als provokativ und diskriminierend empfunden. Die deutsche Regierung müsse dringend der Versuchung widerstehen, innenpolitischen Schwierigkeiten mit harter Rhetorik über türkische und muslimische Immigration zu begegnen.

Konkrete Verbesserungsvorschläge

Der Bericht der ICG bietet konkrete Vorschläge, wie Integration besser gestaltet werden kann. So werden die Landesregierungen aufgefordert, ihren momentanen Einbürgerungskurs zu überdenken. Die Bereitschaft der Muslime, die Verfassung der Bundesrepublik zu respektieren, müsse das wichtigste Kriterium sein um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Außerdem solle die Teilhabe von Muslimen an politischen Prozessen gefördert werden. Auch flächendeckende verbindliche Sprachkurse im Vorschulalter schlägt der Bericht als notwendige Maßnahme vor. Sprachliche Barrieren müssten frühzeitig beseitigt werden - sie seien eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen Integration.




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