Newsinternational Dienstag, 05.04.2005 |  Drucken

Der wie kein anderer gegen den Krieg im Irak gekämpft hat und der gesagt hat. „Jeder Krieg ist eine Niederlage der Menschheit“ Von Rupert Neudeck

Hier hat jemand vor der Welt gezeigt: es gibt ein Leben nach dem Tode.

Zwei Menschen aus Ostmitteleuropa haben die Katholische Kirche, den Erdkreis und die Menschheit mehr beeinflusst und beeindruckt als alle Politiker, Intellektuelle, Präsidenten, Kanzler, Minister, Generäle. Die albanische Frau aus Skopje, später bekannt geworden unter dem Namen Mutter Teresa, Nene Terze (Jahrgang 1910) und der polnische Papst Karol Wojtyla (Jahrgang 1920), dessen Leben so ungeheuer eindrucksvoll gewesen war. Karol Wojtyla, unter dem Namen Johannes Paul II. in die Geschichte des Papsttums eingereiht, starb nach langen Jahren, Monaten, Wochen, Tagen und Stunden des Leidens und schmerzhaften Sterbens. Es war überhaupt keine Taktik in diesem Leben und Sterben dieser beiden Menschen. Alles, was diese Frau aus Skopje/Kalkutta und alles, was dieser Papst aus Krakau / Rom gemacht und gelebt hatten, war immer aus vollem Herzen und aus voller Seele getan.

Der Papst Wojtyla, der vor seiner Berufung zum Priester und dann zum Bischof und dann zum Kardinal – Schauspieler und Autor von Theaterstücken gewesen war, war ein Ausbund an Lebensfreude und seelischer und körperlicher Kraft. Sein Vater war noch Offizier der österreichisch-ungarischen Armee und brachte dem Jungen das Deutsche bei. Geboren wurde er am 18. mai 1920 in der Nähe von Krakau. Er war der zweite Sohn des Offiziers Karol Wojtyla und der Frau Emilia Kaczorowska. Karol Wojtylas Eltern starben beide, bevor die deutsche Nazi Armee in Polen einrückte und ein Schreckensregime begann. Von 1941 an arbeitete Karol Wojtyla als Zwangsarbeiter im Steinbruch Zakrzowek. Vom November 1942 besuchte er heimlich ein Priesterseminar, wurde am 1. November 1946 zum Priester geweiht,. Am 28. September 1958 wurde Karol Wojtyla zum jüngsten Bischof Polens für Krakau geweiht.
Als es 1978 wieder zur Wahl eines neuen Papstes kommen sollte, wogte die Erregung unter den Kardinälen hin und her. Wir wissen es, daß der große Kardinal aus Wien, Franz König, sich für einen Kandidaten aus Osteuropa einsetzte. Das war damals natürlich eine Sensation. Denn 1978 konnte noch niemand voraussehen, daß es mal zu einem Fall der Mauer kommen würde. Im Gegenteil, wer das damals vorausgesagt hätte, wäre für verrückt erklärt worden. Und als der siebte Wahlgang noch keine Entscheidung der katholischen Kardinäle gebracht hatte, wurde dann doch der polnische Bischof von Krakau, der mittlerweile auch Kardinal war, Karol Wojtyla, zum neuen Papst gewählt.
Damit hatte natürlich niemand gerechnet. Aber es war wohl diese Entscheidung in der Katholischen Kirche, die den Anfang vom Ende des kommunistischen Weltreiches einläutete. Denn ein Jahr nach der Wahl konnten die kommunistischen Machthaber nicht verhindern, daß der erste polnische Papst der Kirchengeschichte sein Heimatland besuchte. Ministerpräsident Edvard Gierek drehte und wand sich, die Regierung dachte gar, sie könnte durch eine solche Zusage noch Sympathien für sich einheimsen. Aber der Papst machte eine Triumphreise durch sein Polen, die niemand für möglich gehalten hatte.

Es kam dann noch mal zu einem schweren Rückschlag: 1981 wurde das Kriegsrecht in Polen durch den Marshall Jaruzelski ausgerufen, die neue Gewerkschaft Solidarnosc wurde verboten, ihre führenden Mitglieder (darunter der große Lech Walesa) wurden in Gefängnis geworfen. Die Sowjetunion hatte sich mit der Invasion und Okkupation von Afghanistan im Dezember 1979 die Hände noch einmal schmutzig gemacht. Aber 1984 empfing der polnische Papst den neuen Generalsekretär der KPdSU aus Moskau, Michael Gorbatchew, damit den ersten Mann des östlichen Imperiums. Die Götterdämmerung setzte ein.

Fast haben wir den Papst mal mit unserer humanitären Arbeit vertraut machen können. Im Jahre 1992 begannen wir mit der Arbeit in Angola, dem ersten Minenräumprojekt. Ein Cap Aanamur - Schiff landete im Hafen von Namibe mit dem gesamten Equipment und schweren Gerät, das für eine erste Minenräumarbeit notwendig war, darunter schwere, aber abgerüstete und kastrierte Minenräumpanzer und andere schwere Geräte. Bei unserer Fahrt mit 40 LKWs und Trailern kamen wir durch die große Stadt Lubango, ehe wir unseren Arbeitsplatz Xangongo anliefen.
Ich hörte damals von dem Besuch des Papstes in diesen Sommerwochen des Jahres 1992 in Angola, ja fast zeitgleich mit dem Eintreffen des Materials in Lubango wäre Papst Johannes Paul II in derselben Stadt eingeflogen worden mit dem Hubschrauber. Ich schrieb einen Brief an das Staatsekretariat des Papstes und des Vatikans. Ich überlegte lange, wie ich den Papst anreden sollte. „Seine Heiligkeit“ war mir zu förmlich und passte auch nicht zu dem Papst zum Anfassen. Also lud ich den Papst Johannes Paul II. zur Besichtigung unseres ganzen Materials, das später über 115.000 Personen und Panzer Minen vernichten konnte, in Lubango ein. Zur Anrede schrieb ich:
„Lieber Herr Papst“. In der Antwort wurde mir mitgeteilt, der Papst habe geschmunzelt über diese Anrede, so ganz einfach habe ihn noch nie jemand angesprochen.

Wir trauern um einen großen gütigen Mitmenschen. Alle Menschen guten Willens und aller Religionen sind vereint. Hier hat jemand vor der Welt gezeigt: es gibt ein Leben nach dem Tode. Als auf dem Petersplatz die hunderttausend in der Nacht vom 2. auf den 3. April nach der Bekanntgabe der Nachricht klatschten, haben sie das gemacht aus Dankbarkeit für dieses große Wirken. Aber auch, weil der Papst uns alle gemahnt hatte. Auf einem der letzten Zettel, die er an seine polnischen Brüder und Schwestern in polnisch geschrieben hatte, als er schon nicht mehr sprechen konnte, stand. „Ich bin froh. Seid Ihr es auch!“ Muslime, Buddhisten, orthodoxe und protestantische Christen, Juden, alle verneigen wir uns vor dem, der wie kein anderer gegen den Krieg im Irak gekämpft hat und der gesagt hat. „Jeder Krieg ist eine Niederlage der Menschheit“. Es wird uns allen helfen uns an ihn zu erinnern.




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