Newsnational Montag, 10.10.2016 |  Drucken


König Abdullah II Ibn Al Hussein
König Abdullah II Ibn Al Hussein

Westfälischer Friedenspreis an jordanischen König Abdullah

Bundespräsident Gauck würdigt ihn als großen Staatsmann und seine langjährige Arbeit für Frieden und Völkerverständigung in Jordanien

Münster. Bundespräsident Joachim Gauck hat den König von Jordanien, Abdullah II., als Staatsmann gewürdigt, «der seinem Land mit großem Geschick den Frieden auch unter widrigsten Bedingungen erhalten hat». In seiner Laudatio bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises im Rathaus von Münster sagte Gauck am Samstag, einen würdigeren Preisträger könne es kaum geben.

König Abdullah beziehe immer wieder Stellung gegen Gewalt und Radikalisierung. Auch sein Einsatz für das Existenzrecht Israels und eine Zwei-Staaten-Lösung verdienten Respekt, so Gauck. Dass in Jordanien Christen und Muslime Seite an Seite leben könnten, sei auch deshalb möglich, weil König Abdullah ein friedliches Zusammenleben als Gebot des Islam betrachte.


König Abdullah II Ibn Al Hussein mit Königin Rania

König Abdullah II Ibn Al Hussein mit Königin Rania
Der Bundespräsident wies darauf hin, dass Jordanien von den «drängendsten Problemen unserer Tage, von Krieg, Terror und Vertreibung» betroffen sei. Von fast fünf Millionen syrischen Flüchtlingen lebten derzeit allein 656.000 in dem nahöstlichen Königreich.

In seiner Antwortrede würdigte Abdullah den großen Beitrag Deutschlands zu Frieden und Toleranz im Hinblick auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. «Ich bewundere die Vision und den Mut von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen das terroristische Übel und das menschliche Leid, das es verursacht hat, zutiefst», so der Monarch. Der Westfälische Frieden von 1648 sei nicht perfekt gewesen, aber er habe ein Versprechen dargestellt. Das kollektive Interesse aller Menschen heute sei in der Goldenen Regel ausgedrückt, wie sie in allen monotheistischen Weltreligionen vorkomme.

Abdullah bedauerte, dass es unter westlichen Meinungsführern oft eine gefährliche Wissenslücke über die wahre Natur des Islam gebe. Der König rief zum gemeinsamen Friedensaufbau auf, um regionale Krisen zu beenden. «Nichts dient den Interessen der globalen Terrorgruppen mehr als unsere Furcht und unsere Missverständnisse», mahnte Abdullah. Die IS-Terroristen seien Außenseiter des Islam und weniger als ein Tropfen im Ozean der guten Muslime.

Der Westfälische Friedenspreis wird alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe an Personen verliehen, die sich in herausragender Weise um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Neben König Abdullah von Jordanien wurde auch die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ausgezeichnet.




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