Newsinternational Sonntag, 14.02.2016 |  Drucken

«Es ist kein Naturgesetz, dass sich Schiiten und Sunniten hassen»,

Bundesminister Müller ist beschämt, dass Russland in der Geber-konferenz in London, «keinen Euro eingesetzt» hat

München (KNA) Der Wiederaufbau in Syrien und im Irak kann nach Überzeugung des UN-Menschenrechtsexperten Heiner Bielefeldt ohne Religionsfreiheit nicht gelingen. Keinesfalls sollten «religiös homogene Kantone» angestrebt werden, um miteinander verfeindete Gruppen zu befrieden, sagte der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit am Samstag bei einem Podiumsgespräch am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. «Wenn wir den religiösen Pluralismus aufgeben, hätte der IS gesiegt.» Man dürfe sich nicht dem Fatalismus ergeben, als könnten verschiedene Religionen nicht friedlich zusammenleben.         

«Es ist kein Naturgesetz, dass sich Schiiten und Sunniten hassen», betonte Bielefeldt. Die Beziehungen beider muslimischer Glaubensrichtungen seien «systematisch vergiftet» worden. «Wir brauchen einen innerislamischen Dialog.» Manchmal müssten Christen dazu einladen. Es gebe gelungene Beispiele dafür, etwa in Jordanien und im Libanon.            

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rief zu mehr zivilen Investitionen in der Krisenregion auf. Für die Flüchtlinge in Deutschland sei die Bundesregierung jetzt schon bereit, 25 Milliarden Euro jährlich aufzubringen. In Syrien sicherten 500 Euro das Überleben eines Flüchtlings für ein ganzes Jahr. Müller zeigte sich nach der jüngsten Syrien-Geberkonferenz in London beschämt, «dass die europäische Solidarität nicht größer ist». Auch die Russen hätten in London «keinen Euro eingesetzt».        

Mit Nachdruck widersprach der Minister der Ansicht, die syrischen Flüchtlinge wollten alle nach Deutschland kommen. 90 Prozent wollten vielmehr vor Ort bleiben, sagte er. Dabei stünden die Aufnehmenden vor viel größeren Herausforderungen. So beherbergten in der nordirakischen Stadt Dohuk 500.000 Einwohner 850.000 Flüchtlinge. Diese seien bereit, ihre Dörfer wieder mit eigenen Händen aufzubauen. «Diesen Weg müssen wir unterstützen.»



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