Newsinternational Freitag, 13.02.2015 |  Drucken

Familie der Opfer: Obama soll FBI ermitteln lassen

Nach dem schrecklichen islamfeindlichen Hassverrechen ist die muslimische Gemeinde in den USA geschockt - Bruder des getöteten Ehemanns, Farris Barakat:" Ignoranz dürfe nicht mit Ignoranz beantwortet werden Bekämpft Feuer nicht mit Feuer"

Washington (KNA) Die US-Bundespolizei FBI hat Ermittlungen zum
Dreifachmord an muslimischen Studenten der Universität von North
Carolina aufgenommen. Die Ankündigung fiel zusammen mit den
Trauerfeierlichkeiten für das am Dienstag ermordete Ehepaar und die
Schwester der Frau; daran nahmen am Donnerstag (Ortszeit) mehr als
5.500 Menschen teil.

Der Vater der beiden ermordeten Frauen, Mohammed Abu-Salah, hatte
US-Präsident Barack Obama aufgefordert, das FBI mit der Untersuchung
der Tat zu beauftragen. Die Familie geht von einem Hassverbrechen
aus. Die Staatsanwaltschaft in North Carolina hatte den geständigen
Täter Craig Steven Hicks am Donnerstag wegen dreifachen Mordes
angeklagt. Der 46-jährige Mann soll die drei Studenten aus nächster
Nähe mit Kopfschüssen getötet haben.

Der Vater der ermordeten Frauen, die beide ein Kopftuch trugen, ist
überzeugt, dass der Mörder weltanschauliche Motive für seine Tat
hatte. Vor der Presse erklärte Mohammed Abu-Salah am Donnerstag
(Ortszeit), eine seiner Töchter habe ihm berichtet, dass sie sich
durch Hicks bedroht fühlte. Der Mann habe wiederholt vor ihrer
Wohnungstür gestanden und sich über die Park-Situation in dem
Mietshaus sowie über Ruhestörung beschwert. Seine Tochter habe
gesagt: «Er hasst uns für das, was wir sind und wie wir aussehen.»

Die Polizei in North Carolina sieht bislang keine Anhaltspunkte für
einen Hassverbrechen. «Unsere Ermittlungen deuten darauf hin, dass
die Tat wegen eines anhaltenden Nachbarschaftsstreits um Parkplätze
ausgeführt wurde», erklärte ein Sprecher in Chapel Hill. Man werde
jedoch sorgfältig allen Hinweisen nachgehen, um zu klären, ob Hicks
aus Hass gegen Muslime gehandelt habe.

Die Ehefrau des Täters, Karen Hicks, schloss am Donnerstag religiöse
Motive aus. Ihr Mann habe sich stets für die Rechte von Minderheiten
eingesetzt. Sie sei überzeugt, dass die Tat «nichts mit der Religion
oder dem Glauben der Opfer zu tun hat».

Auf seiner Facebook-Seite charakterisierte sich der mutmaßliche
Mörder selbst als «Anti-Theist». Hicks gab Muslimen und Christen in
gleicher Weise die Schuld für die Gewalt im Nahen und Mittleren
Osten. Neben seinen Einlassungen findet sich ein Bild mit einem
Revolver. Als Lösung der Probleme empfiehlt Hicks eine Hinwendung zum
Atheismus.

Vertreter der islamischen Gemeinde in den USA halten den Medien vor,
mit zweierlei Maß zu messen. Unter dem Hashtag #MuslimLivesMatter
beklagten sich viele über die aus ihrer Sicht nachrangige
Berichterstattung. Der Twitter-Hashtag zog binnen zwei Tagen mehr als
160.000 Interessierte an.

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland mahnte zu mehr
Ausgewogenheit in der öffentlichen Berichterstattung. Es stelle sich
die Frage, welche Reaktionen eine solche Tat hervorgerufen hätte,
wenn der mutmaßliche Mörder ein Muslim gewesen wäre, erklärte der
Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek in Köln. Er unterstützte die
Forderungen des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen CAIR,
der von den US-Behörden tags zuvor Ermittlungen wegen eines möglichen
Hassverbrechens verlangt hatte.

In Chapel Hill solidarisierten sich am Mittwochabend Tausende bei
einer Kerzenandacht auf dem Campus der Hochschule mit den Opfern und
deren Familien. Der Bruder des getöteten Ehemanns, Farris Barakat,
rief bei der Veranstaltung zu Besonnenheit auf. Ignoranz dürfe nicht
mit Ignoranz beantwortet werden. «Bekämpft Feuer nicht mit Feuer»,
sagte er.



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