Artikel Mittwoch, 21.08.2013 |  Drucken

Buchbesprechung: Abu Dhabi und Dubai – Willkommen in der Zukunft

Das in diesem Jahr im Schweinfurter Wiesenburg-Verlag erschienene Büchlein über Abu Dhabi und Dubai bezeichnet der Autor mit selbst erfrischender Ehrlichkeit als schönen Zufall.Der als Freier Autor in Kassel lebende Rüdiger Neukäter hat u.a. die Reisebücher „Unterwegs in Sri Lanka“; „Unterwegs in Indonesien“ sowie „Unterwegs in Südostasien und Indien“ verfasst. Man kann ihn daher schon als ausgewiesenen Experten im Bereich der Reisebücher bezeichnen.

„Vor drei Jahren machten wir in Sri Lanka die Bekanntschaft eines Ehepaares, er Holländer, sie Inderin. Frank und Mildred. Mildred hatte einige Jahre als Sekretärin in Dubai gearbeitet, beide hatten dort oft Urlaub gemacht und schwärmten von der Stadt. „Ihr müsst unbedingt dort einmal hinreisen.“ Ildiko (Anmerkung: Gattin des Autors Neukäter) erwiderte: „Ich nicht! In so ein frauenfeindliches Land will ich auf gar keinen Fall! Da muss ich mich ja wohl verschleiern!“ Ich sagte: „Was soll ich da? Einkaufen? Ich habe doch alles, was ich brauche!“ Unsere Freunde widersprachen, sehr eindringlich und überzeugend: „Alles das stimmt so nicht. Das sind nur Klischees! Dubai ist ganz anders.“ (S. 7).

Nun darf der Leser dem Autor und seiner Gattin auf ihren Reisespuren folgen und feststellen, „wie ganz anders doch“ die Vereinigten Arabischen Emirate sind. „Die Vereinigten Arabischen Emirate bestehen aus sieben Scheichtümern, aber eigentlich hat man als Bildungs durchschnittlicher Europäer nur von den drei größten gehört: Abu Dhabi, Dubai und eventuell noch Scharjah. Die vier anderen, kleineren, Adschman, Ra sal-Chaiman, Umm al-Qaiwan und Fudschaira sind kaum bekannt. Alle sieben Emirate liegen auf der Südostspitze der Arabischen Halbinsel, einer wüstenhaften Landzunge, die den Persischen Golf im Norden vom Golf von Oman im Süden trennt. Nur Fudschaira liegt am Arabischen Meer und hier findet man auch die schönsten und weitesten Strände. Alle sieben Emirate haben etwas gemeinsam: den Besitz an Erdöl. Die Ausbeute ist unterschiedlich, am besten haben es Abu Dhabi und Dubai getroffen. Zwar hat auch hier die Wirtschaftskrise von 2008 ihre Spuren hinterlassen, doch kluge Geldpolitik und Erdöl-Barrelpreise von bis zu 130 Dollar haben ein schier unerschöpfliches Finanzpolster hinterlassen. Und sie haben im Laufe der Jahre einen neuen Typ von Herrschern hervorgebracht. Sowohl die Maktoums in Dubai als auch die Nahajans in Abu Dhabbi, Männer um die sechzig, sind bestens ausgebildet, westlich orientiert und mit allen ökonomischen Wassern gewaschen.“ (S. 9).

Der anfangs so skeptische Schriftsteller verliebt sich immer mehr in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Nicht-Moslem bezeichnet den Besuch einer Moschee wie folgt: „Ein Höhepunkt des Abu Dhabi-Aufenthalts bleibt uns noch: Der Besuch der Sheikh Zayed Moschee. Dieser Mega-Sakralbau liegt am Südostende der Hauptinsel.“ (S. 31). Auf S. 35 beendet der Autor seinen Abu Dhabi-Besuch mit den Worten: „Auf Wiedersehen, Abu Dhabi. Wir nehmen uns vor, nicht zum letzten Mal hier gewesen zu sein.“

Die S. 36-106 sind Dubai gewidmet. Auf den S. 107-130 sind herrliche Farbfotos zu bewundern. So teilt uns auf S. 40 Rüdiger Neukäter mit: „Vor etwa 20 Jahren war Dubai noch ein unansehnliches Wüstennest und die United Arabian Emirates existierten noch gar nicht. Der Ölboom brachte auf einmal viel Geld und die Scheichtümer Dubai und Abu Dhabi befanden sich in der glücklichen Situation, dass eigentlich außer Hütten und kleinen Ansiedlungen kaum etwas vorhanden war. Clevere, zukunftsorientierte Scheichs erkannten sehr schnell, dass allein auf Öl langfristig nicht Verlass war. Also planten und setzten sie sehr bald auf Business und Tourismus...Was im Laufe der letzten Jahrzehnte hier entstand, übertrifft alle Vorstellungen und Rekorde.“

Auch sehr praktische Hinweise hat der Reiseschriftsteller für seine Leser parat. Nur eines von zahlreichen und sehr hilfreichen für den Touristen: „...bereits von Deutschland aus per Internet die Karten für den Besuch des Burj Khalifa, des höchsten Bauwerks der Welt zu buchen.“ Es ist erstens viel billiger als vor Ort. Zweitens: „...vor Ort hätten wir gar keine Tickets mehr bekommen.“ (S. 56).
Dafür sind die Wassertaxis immer zu bekommen. Rüdiger Neukäter traute seinen „Ohren kaum, als wir den Preis für die Passage über den Creek von Dheira nach Bur Dubai erfuhren: Ein Dirham pro Person, also etwa zwanzig Cent. Dafür gibt es eine Viertel stündige Bootspassage.“ (S. 69).

Fazit: Ein sehr lesenswertes und hilfreiches Buch für alle, die eine Tour in die Vereinigten Arabischen Emirate planen.
Vergegenwärtigt man sich nochmals, wie ablehnend der Autor und seine Gattin (die für die wunderbaren Fotoaufnahmen in dem Werk verantwortlich zeichnet) einer Reise in diese Region anfangs standen und dann fallen Worte wie „wir kommen ganz bestimmt wieder“ muss das ja Ursachen haben. Es kann nicht nur an der Gastfreundschaft der Menschen dort liegen. Rüdiger Neukäter legt sachlich fair dar, wie aus dem Skeptiker der Liebhaber der Vereinigten Arabischen Emirate wurde.(Volker-Taher Neef, Berlin)

Das Buch „Abu Dhabi und Dubai“ von Rüdiger Neukäter umfasst ca. 130 Seiten.
Erschienen ist es im Wiesenburg-Verlag und kostet im Handel 19,90 Euro. ISBN 978-3-943528-62-6.



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