Artikel Montag, 07.05.2012 |  Drucken

Sind Versicherungen islamkonform? – Buchrezension über Katharina Pfannkuchs „Islamische Versicherungen im deutschen Rechtsraum, Konzepte und Modelle des Islamic Finance-Marktes“

Islamisches Bankwesen ist spätestens seit der Finanzkrise im Jahre 2008 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, weniger bewusst sind die islamischen Anforderungen an Versicherungen. Die gerade erschienene Dissertationsarbeit von Frau Pfannkuch schließt hier eine Lücke, sowohl für interessierte Anbieter als auch den finanzkundigen Muslim selbst.

Die Arbeit stammt aus den Bereich der Rechtswissenschaften und diese Diskussion nimmt daher auch den größten Raum ein, neben einer grundsätzlichen Darstellung von Entwicklungen im Bereich des Islamic finance. Frau Pfannkuch bietet einen fallorientierten Einblick in das Versicherungsaufsichtsrecht in Hinblick auf die Fragestellung islamkonformer Versicherungen. Sie geht dabei auch auf Ansichten verschiedener Autoren ein, einschließlich des innerislamischen Diskurses, wie ein Versicherungsvertrag konventioneller Art einzustufen ist, gemäß den islamischen Vertragstypen und welche Verbotsregeln konventionelle Versicherungen treffen und zur Entwicklung alternativer Konzepte führten.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Autorin auf die für die Altersvorsorge so wichtigen Lebens- und Rentenversicherungen. Als mögliche Lösung auch für den deutschen Markt böten sich insbesondere fondsgebundene Produkte an, da dort auf bereits bestehende islamkonforme Investmentangebote zurückgegriffen werden kann für die Kapitalanlage. Die Versicherungsleistung konventioneller Angebote ist damit jedoch noch immer nicht islamkonform, sondern nur der Sparanteil. Versicherungsleistungen werden wegen der Verbote von Riba, Gharar und Maysir von der Mehrheit der Gelehrten abgelehnt. Die Prämie als Geldleistung steht einer unbestimmten Gegenleistung (Gharar) in unterschiedlicher Höhe (Riba) quasi zufällig (Maysir) gegenüber. Damit unterliegt die konventionelle Versicherung allen drei wesentlichen Verbotsbestandteilen im Islam.

Aus Sicht der deutschen Muslime ist daher dem Werk eine gute Aufnahme zu wünschen. Insbesondere bei möglichen Finanzanbietern, wie z.B. der genannten FWU aus München, welche in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig ist, sowie der Allianz, welche in Indonesien, den Emiraten und Bahrain auftritt – aber keiner bislang in Deutschland, wo mehr Muslime leben als in Dubai, Abu Dhabi oder Bahrain.    

Katharina Pfannkuch, Islamische Versicherungen im deutschen Rechtsraum, Konzepte und Modelle des Islamic Finance-Marktes ISBN: 978-3-86741-762-4 Bremen, 2012, Europäischer Hochschulverlag




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