Newsinternational Sonntag, 04.03.2012 |  Drucken

Türkei auf dem Weg zur echten Religionsfreiheit

Juden und Christen im Dialog auf Augenhöhe - Mitsprache bei der neuen Verfassung und Rückgabe alter Besitztümer

Die Türkei bindet erstmals die Vertreter ihrer religiösen Minderheiten in die Ausarbeitung der geplanten neuen Verfassung des Landes ein.Der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I und Vertreter der syrisch-orthodoxen Christen legten vor einigen Tagen im zuständigen Parlamentsausschuss von Ankara ihre Forderungen und Vorschläge vor, wie Nachrichtensender meldeten.

Bartholomäus lobte demnach die Arbeit an der neuen Verfassung: “Eine neue Türkei wird geboren”, sagte der Patriarch, das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Christen in der Türkei und von weltweit 300 Millionen orthodoxen Christen. Bei einem Besuch bei der Kommission des türkische Parlaments, welche die neue Verfassung ausarbeitet, sagte der Patriarch der griechisch-orthodoxen Gemeinde in der Türkei, Bartholomeus, die neue türkische Verfassung solle Minderheiten des Landes mehr religiöse Freiheiten garantieren. Die Kommission arbeitet zurzeit an einem Entwurf für eine neue Verfassung, der parteiübergreifend Zustimmung finden soll. Diese neue Verfassung soll schließlich die derzeitige Verfassung aus dem Jahr 1982 ersetzen. Diese war nach dem Militärcoup in Kraft getreten. Bartholomeus sagte, er befürworte eine Verfassung, welche gleiche Rechte und religiöse Freiheit garantiere.

Außerdem forderte er, dass das griechisch-orthodoxe Seminar, das Generationen von Patriarchen ausgebildet hatte, wieder eröffnet wird. „Wir wollen keine Bürger zweiter Klasse sein. Leider haben religiöse Minderheiten bis heute viele Ungerechtigkeiten erlebt. Diese werden nach und nach aufgehoben und verbessert. Eine neue Türkei entsteht. Nie haben wir unsere Hoffnung verloren. Heute sind wir sehr glücklich. Wir sind uns sicher, dass unsere Ideen mit in Betracht gezogen werden, denn wir wollen nichts anderes als unsere Rechte als türkische Staatsbürger“

Beispiellose Aktion: Rückgabe aleter Besitztümer am Christen und Juden

Erst kürzlich kündigte die türkische Regierung in einer beispiellosen Aktion an, dass altes unter Atatürk konfiszierter Stiftungsbesitz zahlreicher Religionsgemeinschaften, darunter Juden und Christen, wieder rückgängig gemacht werden soll. Mit der vom türkischen Premierminister verkündeten Verordnung werden alle im Jahr 1936 als Stiftungsbesitz angemeldeten Gebäude zurückgegeben. Für Immobilien, die inzwischen an Dritte veräußert worden sind, werden Nicht-Muslime aus der Staatskasse zum Marktpreis entschädigt. Das betrifft auch zahlreiche Immobilien in bester Marktlage in Istanbul und dürfte die Türkei mehrere Milliarden Euro kosten. Und nach 84 Jahren konnten vielbeachtet Christen im Sumela-Kloster zum ersten ihre wieder Messe feien.



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