Artikel Samstag, 27.08.2011 |  Drucken

Nader und Simin – Besprechung des Iranischen Films. Von Taher Neef

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi gewann 2009 bei den 59. Internationalen Filmfestspielen in Berlin, der BERLINALE, den Preis als bester Regisseur. Was Farhadi und dem Schauspielerensemble bei der 61. BERLINALE in diesem Jahr widerfuhr, war eine Premiere. So einen „Preisregen“ hatte es in der BERLINALE-Geschichte vorher noch nie gegeben. Der 2011 entstandene iranische Film „Nader und Simin“ bekam als bester Film des Wettbewerbs den „Goldenen Bären.“ Asghar Farhadi ist neben seiner Funktion als Regisseur auch Drehbuchautor und Produzent des Films. Niemals zuvor zeichnete die Jury einen iranischen Film mit dieser Ehrung aus. Die „Silbernen Bären“ für den besten männlichen Darsteller und den besten weiblichen Darsteller gingen auch an Beteiligte des Werkes „Nader und Simin.“

Auch in diesem Bereich gab es eine Premiere durch die Jury. Man zeichnete nicht einen bestimmten Künstler aus, sondern das gesamte weibliche und männliche Ensemble erhielten jeweils einen „Silbernen Bären.“ Ein Film, dazu aus dem Iran, heimst gleich 3 Bären ein-das war selbst für langjährige und erfahrene Filmexperten auf der 61. BERLINALE Neuland. Der Film erzählt die Geschichte zweier Familien in Teheran. Es treten Nader (Peyman Moadi), seine Frau Simin (Leila Hatami) und deren 11 jährige Tochter (Sarina Farhadi, die Tochter des Regisseurs) in Erscheinung. Die Familie gehört der gutbürgerlichen und wohlhabenden Mittelschicht an. Das Ehepaar hat sich nicht mehr viel zu sagen, eine Trennung steht wohl bevor. Aus ganz ärmlichen Verhältnissen dagegen kommt die neue Haushaltshilfe (Sareh Bayut). Sie soll sich demnächst um Nader sowie seinen alten, schwerkranken Vater und um das kleine Mädchen kümmern. Damit spannt sich ein riesiger Bogen auf.

Es geht bei Farhadi immer um Probleme mit der aktuellen Gesellschaft in seinem Heimatland Iran. In diesem sehr nachdenklichen Werk hat er viele Themen wie Scheidung, Tradition, Ehre, religiöse Pflichten, Heimatverbundenheit und wirtschaftliche Not behandelt. Farhadi gilt in seiner Zunft auch als Filmbesessener. Er dreht eine Szene so lange, bis sie seiner Meinung nach würdig genug ist, dem Publikum gezeigt zu werden. Das sieht auch seine Tochter so, die nach dem Abitur Schauspielerin werden möchte. Man fragte sie während der BERLINALE-Pressekonferenz, ob es denn angenehm für sie sei, mit dem eigenen Vater als Regisseur zu arbeiten. Die ehrliche und entwaffnende Antwort der „Kleinen“ war: „Mein Vater hat am Set keine Verwandten. Er vergisst beim Drehen immer, dass ich seine Tochter bin. Ich bin für ihn eine Schauspielerin wie die anderen Schauspieler auch.“

In Teheran kam 1975 der GRÜNEN-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour zur Welt. Im Deutschen Bundestag baten wir ihn, uns mitzuteilen, wie er den Film empfunden habe. Der GRÜNEN-Parlamentarier Omid Nouripour sagte gegenüber islam.de: „Nader und Simin, eine Trennung, ist ein sehr sensibles Portrait der iranischen Gesellschaft. Dem Regisseur Asghar Farhadi ist es meisterhaft gelungen, in seinen Charakteren die Spannungen zwischen Ober-und Unterschicht, Religiosität und Säkularismus, dem Wunsch nach Emigration und der Bindung an die Heimat darzustellen. Ich freue mich sehr, dass Farhadi sich bei der Preisverleihung mit den inhaftierten Regisseuren solidarisch bekannt hat und hoffe, dass der Goldene Bär eine Ermutigung für alle Menschen im Iran ist, die für die Freiheit der Kunst und damit die Freiheit der Menschen kämpfen.“ (Volker-Taher Neef)




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