Newsnational Samstag, 11.09.2010 |  Drucken

Mazyek appelliert an Bundeskanzlerin: Sorgen und Ängste ernst nehmen und sich auch hinter muslimische Deutschen stellen

"Ich rufe die Bundeskanzlerin dazu auf, sich der Sorgen und Ängste der Muslime anzunehmen und zu sagen: Hey, das sind auch unsere Deutschen, die das Land mitgestalten!"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, sich angesichts wachsender Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft hinter die Muslime zu stellen. "Ich rufe die Bundeskanzlerin dazu auf, sich der Sorgen und Ängste der Muslime anzunehmen und zu sagen: Hey, das sind auch unsere Deutschen, die das Land mitgestalten!", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe, siehe Link unten).

Auch andere Spitzenpolitiker sollten "deutlichere Zeichen in der derzeit aufgeheizten Stimmung" setzen. Mazyek zeigte sich überzeugt, dass die muslimische Gemeinschaft die kulturelle Anerkennung um ein Vielfaches zurückgeben würde. Vorbild sei die Fußball-Nationalmannschaft, die für ein neues Deutschlandbild stehe.

Muslimen in Deutschland schlügen immer häufiger und stärker Hass und Aggressionen entgegen. Unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe es mehr besonnene Töne gegeben als heute. Die Angst vor dem Islam werde inzwischen instrumentalisiert. "Muslim-Kritik kann es, soll es geben", sagte Mazyek. "Aber dahinter verbergen sich sehr oft blanker Rassismus und Populismus und das in zunehmendem Maße."

Die Angst vor dem Islam sei aber nicht allein mit dem islamistischen Terrorismus zu erklären. Es gehe eher um Fragen von Zukunftsangst, Arbeitslosigkeit und auch um die Schere zwischen Arm und Reich. Die Diskriminierung der Muslime erschwere die Integration, kritisierte der Generalsekretär: "Du kannst Dich anstrengen, so sehr Du willst, aber bei Bewerbungen oder der Wohnungssuche nehmen sie dann doch Peter Schmidt und nicht Aisha Özlim."

Dies stärke die extremen Ränder. Es könne dennoch keine Lösung sein, "sich selbstmitleidig abzuschotten". Gemäßigten islamischen Gemeinden in Deutschland fällt es laut Mazyek immer schwerer, Anhänger extremer Positionen in die Gemeinschaft zurückzuholen. Hauptgrund seien neben den Kämpfen im Irak und in Afghanistan "Vorfälle wie Sarrazins Thesen oder der fanatische Christ, der jetzt einen Koran verbrennen will". Dies sei Wasser auf die Mühlen der Extremisten und "die Sprache von Al Kaida".




Lesen Sie dazu auch:
Vollständiges Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung

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