Artikel Freitag, 27.08.2010 |  Drucken

56.000 Ermordete verhöhnt – Angriff auf die Homepage der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Im KZ Buchenwald bei Weimar und im Außenlager Mittelbau-Dora ermordete das NS-Terrorregime über 56.000 Menschen. Diese Tatsache gehört mit Abstand zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Dem planmäßigen Töten von Regimegegnern der NS-Diktatur aus sozialdemokratischen, kommunistischen und christlichen Kreisen sowie von Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuellen ist über 65 Jahre nach Kriegsende ein weiteres dunkles Kapitel hinzugefügt worden.

Ende Juli griffen Neonazis die Homepage der KZ-Gedenkstätte Buchenwald an. Dieses Vorgehen der rechten Szene ist bisher noch nie vorgekommen. Mit einem so genannten „Hintertür-Virus“ (Backdoor-Virus) schlugen die rechten Hacker zu. Symbole und Parolen der Rechtsextremen fanden sich plötzlich auf der Homepage des Vernichtungslagers wieder. Die Seite des KZ-Außenlagers Mittelbau-Dora wurde von den Rechten gänzlich gelöscht.

Ekelerregende Sprüche wie „Wir kommen wieder“ oder „Brown is beautiful“ fanden sich plötzlich auf der Buchenwalder Homepage wieder. Absoluter und tieftrauriger Höhepunkt war das Löschen der Totenliste. In diesem Buch sind alle Ermordeten namentlich verzeichnet. Es schien so, als habe man die Namen von 56.000 ermordeten Menschen mit dem Ausradieren aus dem Totenbuch auch aus dem Bewusstsein radieren wollen. Zur „Krönung“ der feigen Hackeraktion gab es auf den Seiten der KZ-Gedenkstätte Links, die zu Holocaustleugnern in aller Welt führten.

Die Polizei hat zwei Verdächtige ermittelt. Es handelt sich dabei um einen 28 Jahre alten Täter aus dem sächsischen Pirna und seinen 31 Jahre alten Bruder. Beide bestreiten die Tat und sind wieder auf freiem Fuß.
Die polizeilichen Ermittlungen in diesem Fall laufen auf Hochtouren. Es bedarf keiner großen Erklärungen, dass dieser Vorgang weltweit, allen voran in Israel, für Empörung gesorgt hat. 56.000 Mordopfer wurden durch deutsche Hacker mit brauner Gesinnung verhöhnt.
Auch die Politik zeigte sich über die Angriffe auf die Homepage der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bestürzt. Im Deutschen Bundestag bat wir einige Volksvertreter um Stellungnahme zu diesen abscheulichen Vorgängen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Ruppert, früher am Bundesverfassungsgericht als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig gewesen und jetzt Experte seiner Fraktion für europäische Grundrechte, erklärte: „Der Hackerangriff ist eine Schändung des Gedenkens an den Holocaust. Ich begrüße die Aufnahme von Ermittlungen. Der Staat muss entschieden gegen extremistische Taten vorgehen.“

Der SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy, Mitglied des Vorstandes der SPD-Bundestagsfraktion, sagte: „Der Hackerangriff auf die KZ-Gedenkstätte Buchenwald ist ein bisher einmaliger, verabscheuungswürdiger Vorgang. Er unterstreicht, dass Rechtsextremisten die Erinnerung an die Folgen des NS-Regimes im wahrsten Wortsinne tilgen wollen. Ich begrüße, dass das Bundeskriminalamt die Ermittlungen übernommen hat, das unterstreicht die Bedeutung, die dieser Tat beigemessen wird.“ Er lobte ausdrücklich die Sicherheitsbehörden, die die besagten Tatverdächtigen schon ermitteln konnten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund, zugleich Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, wies auf unsere Vergangenheit hin. „Deutschland hat in seiner jüngeren Geschichte zwei Diktaturen durchlitten, jede Verunglimpfung der Opfer ist ein Angriff auf die Grundwerte unseres Gemeinwesens und bedarf der Gegenwehr aller Demokraten.“ (Volker- Taher Neef; Berlin)






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