Newsnational Dienstag, 27.10.2009 |  Drucken

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Für den angeklagten Alex W. sind Muslime Monster, die vernichtet werden müssen

Erschreckende Brutalität kommt zu Tage – Hass-Schreiben des Angeklagten aufgetaucht – Ist der Täter Vollstrecker einer Kampf-Ideologie? Denkweise und Sprache erinnert frappierend an Hass-Ideologie der Neonazis von heute

Der damalige Vorsitzende Richter Tom Maciejewski ist als Zeuge geladen worden und hat in aller Ausführlichkeit über das Unfassbare, das am 1. Juli im gleichen Gebäude stattgefunden hat, ausgesagt.
Er fragte damals Alex W., ob er es denn richtig fände, Frau El-Sherbini "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" zu nennen. Der Angeklagte antwortet, dass "nach dem 11. September Muslime 'Monster' sind und kein Recht haben, hier zu leben."

Nach Aussage des Zivilrichters Maciejewski unterteilt Alex W. die Menschen in Rassen: z.B. Europäer und Nicht-Europäer. Nach seinem Verständnis haben Muslime kein Lebensrecht in Europa. Diese Aussage wiederholte er mehrmals. Auf die Frage, warum er das Kind nicht auf die Schaukel gelassen habe, erwidert Alex W. kalt: "Das Kind wird auch irgendwann mal zum Terroristen." Nach diesen Aussagen hat sich Marwa an Alex W. gewandt - "Ich verstehe nicht warum Sie so reagieren - der Islam ist eine friedliche Religion". Maciejewski beschreibt Marwa immer wieder als freundlich, zuvorkommend und höflich.

Elwi Okaz, der Witwer der Verstorbenen, berichtet gestern, dass Marwa zu ihm gesagt hat, dass Alex W. ihr weiter antwortete: "Das Kind darf nicht mehr hier auf dem Spielplatz spielen - wenn es doch kommt, werde ich bis zu seinem Tode hier schaukeln."

Weiter erinnert sich Maciejewski, dass W. bedaure, dass "die NPD in Sachsen nicht stärker ist und nicht die Regierung stellt". Seine Denkweise erinnere ihn an dunkle Zeiten der deutschen Geschichte - also belehrte er den Angeklagten und fragte, ob er ein einmal ein Konzentrationslager besucht habe. Auf Holocaustleugnung steht in Deutschland eine Strafe. Der Richter beschreibt W. als konzentriert, intelligent und keinesfalls verwirrt.

Beim damaligen Prozess gab es eine Pause während der Verhandlung. Erst nach der Pause geschah die schreckliche Tat. Maciejewski erinnert sich an Details: Vor der Pause bemerkte er, dass Alex W.´s eine Tasche auf seinem Schoß hatte und hörte das Geräusch des Reißverschlusses. Als der Prozess fortgeführt wurde, hat Maciejewski wieder das Geräusch des Reißverschlusses vernommen. Später, nach dem abscheulichen Verbrechen, sah er dann auch einen Rucksack, den er vorher nicht bemerkte.

Woher kam die Gehirnwäsche des Alex W.?

Wer ist Alex W., welche Motive treiben diesen jungen Mann, der kurz vor dem Mord über seinen Pflichtverteidiger gestand, dass er große Angst habe. Die Richterin fragte dann genauer nach, vor was fürchtete sich W.? Er war nicht vorbestraft, eine Einweisung in die JVA stand also nicht zu befürchten, höchstens eine höhere Geldstrafe. Wer flösste ihm also Furcht ein? War es die Gewissheit, dass er gleich eine gewaltige schreckliche Tat verüben wird? Oder gar die paranoide Angst vor Muslimen? Woher kam sie, wer betrieb diese Gehirnwäsche dieses jungen Mannes, der von einem geschiedenen deutschstämmigen Vater und eine Russin abstammt, mit der er später dann auch nach Deutschland emigrierte?

Ist er vielleicht selber auch Opfer einer Hass-Ideolgie, die heute überall in einschlägigen Propagandaseiten im Internet und bei den Kameradschaften der Neonazis gepflegt wird?
Alex W. machte bisher keine Angaben über sein persönliches Umfeld und seine Freunde. Die Mutter und die Schwester des Angeklagten werden in den nächsten Tagen gehört. Sicherlich wird darüber noch mehr zu erfahren sein.

Alex W. macht zu dem nicht den Eindruck eines gefestigten Ideologen. Er macht sich aber die Aussagen der Rassisten zu eigen. Tief verwurzelt scheinen diese Ideen aber nicht zu sein. Ist Alex W.´s womöglich ein Vollstrecker von gefährlichen Schreibtischtätern, die wir alle noch gar nicht kennen?


Neuer islamfeindlicher Brief aufgetaucht

Diese These erhärtet sich dadurch, dass erst jetzt bekannt wurde, dass Alex W. schon lange vor der Tat in einem Brief an das Amtsgericht ausführlich seine islamfeindliche Einstellung darlegte. In dem Brief bezeichnet er den Islam als eine "verrückte, gefährliche Religion". Alle Anhänger des Islam seien "Islamisten", die Deutschland "nach ihren verrückten Vorstellungen verändern" wollten. Niemand könne von ihm erwarten, "dass ich meine Feinde in meiner Nähe dulden muss"; falls diese trotzdem "in meine private Sphäre eindringen wollen, werde ich schnell nervös". Das Kopftuch, das Marwa El-Sherbini trug, nannte W. "ein Anzeichen von totaler religiöser Unterwerfung vor dem Satangott", dadurch habe sie "Deutschland und deshalb mich beleidigt". Richter Maciejewski hat, so seine überraschende Aussage, von dem Brief nichts gewusst. Warum seine Verwaltung solche ein brisantes Schreiben nicht weitergeleitet hat, blieb bisher unklar. Der Bonner Rechtsprofessor Heiko Lesch, der Marwa El-Sherbinis Ehemann als Nebenkläger vertritt, hat gegen Maciejewski Strafanzeige wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung erstattet.




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