Newsnational Freitag, 16.10.2009 |  Drucken

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Soviele syrische Kunstschätze auf deutschem Boden wie niemals zuvor

„Der Mensch ist des Menschen Bruder“ – Prophet Mohammad (saw) in Landesvertretung Baden-Württemberg zitiert - Ausgrabungsstücke im Landesmuseum Stuttgart zu bewundern

Die Deutsch- Arabische Freundschaftsgesellschaft (DAFG) veranstaltete einen Diplomatisch- Parlamentarischen Abend in der Landesvertretung von Baden- Württemberg in Berlin –Tiergarten. Zahlreiche Botschafter und Bundestagsabgeordnete waren ebenfalls anwesend.

Von der Universität Tübingen stammt Prof. Dr. Peter Pfälzner. Er hielt einen Vortrag zum Thema „Die Entdeckung des Königreichs Qatna.“ Einst bildete der Königspalast mit der Grabanlage das Zentrum von Qatna. Es war eine blühende Handelsmetropole im heutigen Syrien. Der Stadtstaat wurde um 1340 vor Christus durch einen Angriff der Hedither zerstört.
Tübinger Forschern unter der Leitung von Prof. Pfälzner gelang es, eine vollkommen ungeplünderte Königsgruft und eine monumentale Palastanlage auszugraben.
Die Archäologen brachten über 2.000 Objekte ans Tageslicht. Darunter Waffen, Schmuck, Gefäße, Stoffe aus Purpur und Möbelzier. Qatna unterhielt Handelsbeziehungen bis in den Hohen Norden Europas. So kamen bei den Ausgrabungen auch Gefäße und Vasen aus Bernstein ans Tageslicht. Bernstein kommt nur an der Ostsee vor.

Prof. Dr. Wolfgang Reinhart (CDU), der Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Baden- Württemberg, lobte die Zusammenarbeit „der guten Fachleute auf syrischer Seite.“ Ferner sagte der Staatsminister: „Geschichte können wir mit unseren eigenen Augen sehen und begreifen. Die Landesausstellung in Stuttgart wird viele Menschen begeistern.“
Vom 17. Oktober 2009 bis zum 14. März 2010 sind zahlreiche Ausgrabungsstücke im Landesmuseum Stuttgart zu bewundern. Die Ausstellung trägt den Titel „Schätze des alten Syrien.“


Die Wiege der Kultur ist in Arabien beheimatet.

Die Direktorin des Landesmuseums Württemberg, Frau Prof. Dr. Cornelia Ewigleben, sprach in der Landesvertretung vor den Gästen von „einem unendlich großen Schatz aus Syrien. Niemals zuvor haben so viele syrische Kunstschätze auf einmal syrischen Boden verlassen.“ Sie lobte besonders die gute Zusammenarbeit mit den betreffenden Botschaften. Einerseits der Deutschen Botschaft in Damaskus und anderseits der syrischen in Berlin. Ohne diese tatkräftige Unterstützung „wäre vieles nicht möglich gewesen.“

Der anwesende Botschafter Liechtensteins in Deutschland, S.E. Prinz Stefan von und zu Liechtenstein teilte gegenüber islam.de mit, was ihn am Orient, an der arabischen Welt, so fasziniere. „Die Wiege der Kultur ist in Arabien beheimatet. Heute bedeutet das auch für mich, hier werden Werte aufrechterhalten, die bei uns in Europa fast in Vergessenheit geraten sind. Ich möchte dabei nur an das Familienbild im arabischen Raum erinnern. Dort hat die Familie immer noch einen sehr hohen Stellenwert, wie es in Europa so schon lange nicht mehr der Fall ist.“

Der Kollege des Liechtensteiner Botschafters, S.E. Dr. Hussein Omran, Botschafter Syriens in Deutschland, wird die Ausstellung in der Landeshauptstadt Stuttgart am 17. Oktober eröffnen; der meinte auch: „Für mich als Botschafter zählt dieses Ereignis zu den Höhepunkten meiner Amtszeit.“
Die Entdeckung Qatnas durch Prof. Pfälzner und seinem Team sei ein „einzigartiger Vorgang.“ Man habe Schätze der gesamten Menschheit „vom Schlaf erweckt, unversehrt sogar.“
Der syrische Botschafter führte aus, Geschichte und Kultur sei ein gemeinsames Erbe aller Menschen und erinnerte an die Worte des Propheten Muhamad (saw), der sagte: „Der Mensch ist des Menschen Bruder. Wolle er es oder nicht.“ Welch hohen Stellenwert die Ausgrabung von Qatna in seinem Heimatland hat, machte der Diplomat an Folgendem deutlich: Niemand anderes als der Staatschef Assad persönlich unterzeichnete diesen Leihgabevertrag mit den deutschen Freunden.

DAFG- Präsident Otto Wiesheu erinnerte daran, es sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit, ein ausländischer Staat stelle einem Landesmuseum hochkarätige Ausstellungsstücke zur Verfügung. Dafür müsse man Syrien sehr dankbar sein, erklärte Dr. Wiesheu. Er bezeichnete die Kultur „auch als eine Brücke, die uns mit Arabien verbindet. Wir können hier nur staunen, was es vor 3.000 Jahren an Wissen, Kultur und Technik alles schon dort gegeben hat.“ Aus deutscher Sicht sehe Arabien wie ein einheitliches Gebilde aus, teilte er auch mit. Dabei habe jedes arabische Land eine eigene große Tradition, eine eigene Kultur und Geschichte. DAFG- Präsident Otto Wiesheu (CSU), der von 1993 bis 2005 Staatsminister für Wirtschaft im Freistaat Bayern war, regte an, die arabischen Staaten mögen ein „Haus der arabischen Kulturen“ in Deutschland gründen. „Damaskus, Syrien gesamt, hat eine zentrale Rolle“, auch dieses müsse „konstruktiv gewürdigt werden.“
(Text: Volker- Taher Neef; Fotos: Günter Meißner)




Lesen Sie dazu auch:
Unter www.schaetze-syrien.de erhält man ausführliche Informationen über die Stuttgarter Ausstellung

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