Newsinternational Montag, 12.10.2009 |  Drucken

Fatwa gegen Ganzkörperschleier?

Großmufti Tantawi mir provokanten Aussagen – Vorfall in der Al-Azhar

Der Gelehrte und Al-Azhar-Chef Mohammed Said Tantawi hatte am vergangenen Wochenende während einer Inspektion in einem Lehrinstitut der Al-Azhar in Kairo ein Mädchen gezwungen, seinen Gesichtsschleier abzulegen. Anschließend kündigte der Al-Azhar-Cehf an, er wolle das Tragen des Schleiers, der nur einen Sehschlitz freilässt, auf dem Gelände des Instituts verbieten lassen. Zu den Schülerinnen sagte er: "Das sind nur Traditionen, mit dem Islam hat dieser Schleier nichts zu tun."
Der saudische Scheich und Gelehrte des Instituts für islamische Rechtswissenschaft in Saudi-Arabien, Mohammed al-Nodschaimi, prophezeite als Folge eine Spaltung der Gesellschaft. "Ich hoffe, dass Scheich Tantawi seine Meinung ändern wird", sagte er, "denn sonst wird dies die ägyptische Gesellschaft in zwei Lager spalten".

Der Gesichtsschleiers (arabisch "Nikab") ist Tradition und im Islam umstritten. Manche Gelehrten sagen, dass diese Tradition mit dem Islam nichts zu tun habe, andere wiederum konstatieren zwar, dass der Prophet ausdrücklich im Bereich der heiligen Stätte den Gesichtsschleier verboten habe, aber außerhalb davon sich nicht näher dazu äußerte.

Kritik aus dem Parlament

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Muslimbruderschaft im ägyptischen Parlament, Hamdi Hassan, hatte Tantawi anschließend heftig kritisiert. Die Website der offiziell verbotenen Islam-Bewegung zitierte Hassan mit den Worten: "Weiß seine Exzellenz denn nicht, dass er, wenn er ein religiöses Institut besucht, dort viele Mädchen mit Gesichtsschleiern vorfinden wird? Wenn er ein Institut besuchen will, in dem es keine Verschleierten gibt, dann soll er doch ein Institut für Bauchtanz besuchen."

Die Mehrheit der Ägypterinnen trägt das Kopftuch. In den vergangenen zehn Jahren hat darüber hinaus die Zahl der Frauen zugenommen, die - wie in Saudi-Arabien üblich - zusätzlich auch ihr Gesicht verhüllen.



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