Newsnational Montag, 02.02.2009 |  Drucken

Der Türke Erdogan zeigt den Arabern wie man es macht - Kommentar

Über den Auftritt des Premierministers in Davos und einen Verstoß gegen die Pressefreiheit, weil Lobbyismus und Medien getrennt bleiben müssen

Der türkische Premierminister sorgte beim Weltwirtschaftsforum in Davos für einen Eklat. Was hat er nur getan? Als einziger Regierungschef wehrte er sich offen gegen Israels Kriegspolitik und spricht aus, was der Großteil der Welt denkt: Krieg gegen Frauen und Kinder zu führen ist nicht OK und: Warum bekommen die Mächtigen der der Welt es nach 60 Jahren nicht hin, die Streithähne an einen Tisch für eine Zweistaatenlösung zu zwingen? Stattdessen begnügen sie sich mit einem Urlaubs-Stelldichein im schweizerischen und schneebedeckten Davos.

"Danke, danke, danke. Ich komme nicht mehr nach Davos". Mit diesen Worten quittierte der türkische Premierminister eine überraschend laut und aggressiv geführten Rede des israelischen Präsidenten Shimon Peres, der sein Statement um fast 20 Minuten überzog und so den Zorn Erdogans auf sich zog.

Nach seiner Ankunft in der Türkei warteten mehr als 5.000 Menschen (04.00 Uhr Ortszeit) und jubelten ihm zu. Auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair konnte die Reaktion Erdogans nachvollziehen. Von den arabischen Machthabern kam ein solches Signal nicht. Erdogan ist seit dem in der islamischen Welt ein Held. Die muslimischen Massen sind begeistert und die arabische Presse feiert ihn. Der türkische Premier hatte den Mut Israel deutlich die Meinung zu sagen. Sie, die arabischen Massen meinen, dass er es auch den arabischen Regierungen gezeigt, wie man es macht.

Erdogan ärgerte sich zudem über das Klima und die Moderation in Davos. Der Moderator wollte ihm nach der zeitlich überzogenen Rede von Peres keine Minute Rederecht geben und die Reaktion im Publikum stimmte mehr als deprimierend: "Es ist sehr traurig, wenn hier Menschen applaudieren. Es sind so viele Menschen gestorben. Das war falsch und völlig unmenschlich", so der türkische Premierminister. Später sagt er in einem Interview, dass Palästina immer noch Freilichtgefängnis gleiche.

David Ignatius, die Pressefreiheit und die Vermengung von Politik und Journalie

Der Moderator David Ignatius ist indes kein unbeschriebenes Blatt. Er ist Kommentator der Washingtoner Post, jene Tageszeitung, die bisher in den USA dadurch aufgefallen ist, dass sie drei hintereinander folgende Demonstrationen (30.000 Menschen) für Frieden in Nahen Osten einfach ignorierte und diese mit keine Zeile würdigte. Diese äußerst ungeschickte und aggressive Form von Nutzung der Pressefreiheit veranlasste wiederum die Demonstranten in diesem Sinne die Kampagne: „Wirf die Washington Post in den Mülleimer (wir berichteten; siehe Kommentar islam.de vom 20.01.09 und unterer link) ins Leben zu rufen.

Eine gute Nachricht am Rande: Erdogan und der armenische Präsident Serzh (Serge) Sarkisian haben erstmals direkte Gespräche miteinander geführt – in Davos. Das Verhältnis zwischen der Türkei und Armenien ist wegen der unterschiedlichen Deutung der 1915 verübten Massaker an den Armeniern belastet.

Pikant und wiederum ungeschickt von den Veranstaltern von Davos ist, dass sie hier David Ignatius als Moderator ausgewählt haben. Er ist auch in diesem Zusammenhang kein unbeschriebenes Blatt. Der US-Bürger mit armenischen Wurzeln ist in der Türkei bei Kommentatoren seit Jahren eine höchst umstrittene Figur, weil er sich mit seiner herablassenden Art (ausdrücklich konnte man sich ja davon durch das ständige Betätscheln an den Schultern des Premiers durch den Moderators vor laufender Kamera selber ein Bild machen) gegenüber Türken stets ins Gespräch bringt.
Er gehört in den USA zur armenischen Lobby die sich aktiv für eine Verurteilung der Türkei wegen des Armenier - Konflikts einsetzen. Soviel zur Pressefreiheit und Vermengung von politischen Lobbyismus und Medien. Ob die Organisatoren von Davos das gewusst haben – hoffentlich nicht. Denn Pressefreiheit funktioniert in Wahrheit nur dann, wenn man wirklich unparteiisch ist und dies ist Herr Igantius wirklich nicht. (HANY JUNG)




Lesen Sie dazu auch:
„Wirf die Washington Post in den Mülleimer“ Von Mounir Azzaoui

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