Newsnational Montag, 04.08.2008 |  Drucken

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Das Rätsel von Ludwigshafen

Ist die Staatsanwaltschaft allen Spuren nachgegangen? Voreiliger Ausschluss fremdenfeindlicher Tat?

Ludwigshafen - Die Ursache der Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei der neun Türken starben und 60, mehrheitlich auch Türken, z.T. lebensgefährlich verletzt worden sind, bleibt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ein Rätsel. Sie stellte letzte Woche die Ermittlungen deswegen ein. Deutlich geworden sei lediglich, dass der Brand am Fuß der hölzernen Kellertreppe durch „eine bislang unbekannte, eng begrenzte Wärmequelle“ ausgelöst worden sei.

Unbekannte Zündquellen sind nach NÖ Brandschadenstatistik mit 36 Prozent die häufigste Brandursache, gefolgt von Bränden nach Blitzeinschlägen (mit etwa 15 Prozent). Die Feuerwehr kann durch rücksichtsvolle Lösch- und Aufräumarbeiten viel dazu beitragen, damit die Brandursachenermittler später die Brandursache leichter ermitteln können, heißt es in den Ausführungen der NÖ Brandschadenstatistik.

Die Staatsanwaltschaft schloss als Brandursache in Ludwigshafen wiederholt einen technischen Defekt, etwa durch Überlastung des Stromnetzes, aus. Als Ursache müsse vielmehr ein bisher „nicht geklärtes Verhalten angenommen werden“ – ein Rätsel eben.

Damals berichteten einige deutsche und türkische Zeitungen, dass zwei Kinder - 8 und 9 Jahre - einen älteren Herren gesehen hätten, der sich gewaltsam Zugang zum Haus verschafft habe. Er habe im Treppenhaus mehrere Blätter (Papier) in einen dort stehenden Kinderwagen gesteckt und angezündet.

Natürlich sind die Aussagen der beiden Kinder mit der gebotenen Vorsicht zu bewerten. Die Aufmachung manch türkischer Zeitung danach ist leider der medialen Gefechtslage zu zuschreiben und war alles andere als angemessen. Allerdings hätte man den Spuren der Kinder auch nachgehen und danach ermitteln müssen.

Zudem: Nach dem jetzt vorliegenden, ja, man muss es fast so nennen „Rätselbericht“ der Staatsanwaltschaft, hätte es den Ermittlern gut zu Gesichte gestanden, eine fremdenfeindliche Tat nicht einfach kategorisch auszuschließen. Doch dies haben sie neben den technischen Ursachenausschluss leider getan.

Die Gefahr ist groß, dass ein voreilige Ausschluss einer fremdenfeindlichen Tat – und dies passiert leider nicht selten in diesem Land, wenn Opfer Ausländer sind (siehe Aussagen von Kurt Beck und die darauf folgenden Reaktionen) – in allen Richtungen politisch gedeutet bzw. instrumentalisiert werden könnten. Angesichts der politischen Tragweite einer solcher Tat ein grob fahrlässiges Unterfangen.(AM)



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