Artikel Freitag, 04.04.2008 |  Drucken

Wahlen in den USA - Muslimische Wähler sehr vielseitig -Eine Analyse von Ibrahim Hooper

80% der muslimischen Wähler beabsichtigen, an den Vorwahlen teilzunehmen.

Viele religiöse oder ethnische Minderheiten in den USA werden dem einen oder anderen politischen Lager zugerechnet. Aber die Ergebnisse einer kürzlich vom Washingtoner Council of American-Islamic Relations (CAIR) bei einem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegebenen landesweiten Umfrage unter muslimischen Wählern ergeben, dass diese zum grossen Teil noch unentschlossen sind, wen sie im November wählen wollen.


Aus dieser repräsentativen Auswahl von 1.000 muslimischen Wählern ergibt sich folgendes Bild:
  • Sie sind jung -- Mehr als drei Viertel der Befragten (78%) gaben an, zwischen 30 und 54 Jahre alt zu sein.

  • Sie sind gebildet -- Die Mehrheit (65 %) gab an, einen akademischen Abschluss (B.A. und höher) erworben zu haben.

  • Sie gehöreb zur Mittelschicht -- Fast die Hälfte der Befragten (43 %) verfügten über ein Haushaltseinkommen von 50.000 & und mehr.

  • Sie sind familienorientiert -- Mehr als drei Viertel (77 %) waren verheiratet.

  • Sie praktizieren ihre Religion in unterschiedlichem Ausmaß -- Mehr als die Hälfte (52 percent) sagten, wenigsens einmal monatlich eine Moschee zu besuchen, während ein Fünftel (21 %) angab, dies selten oder nie zu tun.

  • Sie bezeichnen sich selbst zu 46 % als "Sunniten", zu 38 % als "einfach Muslime", zu 10 % als Schiiten und zu 2 % als Sufis (Anhänger einer mystischen Glaubensrichtung).

  • Sie beteiligen sich am öffentlichen Leben -- Die große Mehrheit (87 %) sagte, regelmäßig an Wahlen teilzunehme, und fast die Hälfte (45 %) gab an, für eine Wohltätigkeitsorganisation tätig zu sein.

  • Sie sind mehrheitlich Demokraten oder an keine Partei fest gebunden -- 49 % bezeichneten sich selbst als Demokraten, 36 % als politisch unabhängig und nur 8 % als Republikaner. Nach ihrem bevorzugten Kandidaten für die Präsidentschaft gefragt, antworteten fast die Hälfte (45 %), noch unentschieden zu sein.


Weiter nach ihren Ansichten zu einigen nationalen und internationalen Themen befragt, sagte die große Mehrheit, dass (terroristische) Angriffe auf Zivilisten "niemals gerechtfertigt" seien. Der Prozentsatz derjenigen, die darauf mit "oft gerechtfertigt" antworteten, lag unterhalb der Fehlermarke (3%) der Umfrage.
Zu internationalen Themen gaben amerikanische muslimische Wähler außerdem folgende Antworten:
  • Die führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Muslime sollten Frieden und Verständigung zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen im Irak unterstützen (80%).

  • Der in der muslimischen Welt verbreitete Anti-Amerikanismus ist ein ernsthaftes Problem und anti-amerikanische Vorurteile stellen für amerikanische Muslime eine Bedrohung dar (76 %).

  • Eine gerechte Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt zu vermitteln, würde Amerikas Ansehen in der muslimischen Welt steigern (75 %).

  • Vorgetäuschtes Ertränken (water-boarding) ist eine nicht zulässige Methode, um Terrorismusverdächtige zu verhören (74%)


Nach den entscheidendsten Themen für ihre Wahlentscheidung befragt, stand Bildung an erster Stelle (89%), gefolgt von Bürgerrechten (86%), Gesundheitspolitik (85%) und der Wirtschaft (85%).
Diese Ergebnisse widersprechen Stereotypen, wonach es sich bei den amerikanischen Muslimen um eine monolithische Gruppe handelt. Ein interessantes Resultat der Umfrage war, dass die frömmsten muslimischen Wähler zugleich diejenigen sind, die stärker daran glauben, dass Islam und Moderne miteinander vereinbar sind.
Fast 80% der muslimischen Wähler gaben an, an den Vorwahlen teilnehmen zu wollen. Mit der Aussicht darauf, dass es bei den landesweiten Wahlen eng wird, kann kein Kandidat dieses Potential von Wechselwählern ignorieren. Die Ergebnisse der CAIR-Umfrage sollten die Kandidaten aller Parteien darauf aufmerksam machen, dass es hier eine Wählergruppe gibt, die gewillt ist, allen zuzuhören, die auf ihre Belange eingehen. (aus dem Englischen übersetzt von Irmgard Pinn)

Zum Autor: Ibrahim Hooper der Direktor für strategische Kommunikation des Council on American-Islamic Relations (CAIR). Er begleitet CAIR seit der Gründung 1994. Als einer der Sprecher von CAIR, tritt Hooper häufig in nationalen und internationalen TV Medien auf.






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