Newsnational Freitag, 12.08.2022 |  Drucken

"Es herrscht eine massive Hungersnot. Für die Kinder in Afghanistan geht es um ihr Überleben"

Mehr als zehn Millionen Kinder sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Westen hält Versprechen nicht

Osnabrück (KNA) Aus Anlass des Jahrestages der Einnahme Kabuls durch die Taliban appelliert das Kinderhilfswerk terre des hommes an die deutsche Regierung, trotz andauernder Menschenrechtsverletzungen an der humanitären Hilfe und einer langfristigen Entwicklungszusammenarbeit festzuhalten. "Die Bundesregierung darf die afghanische Zivilbevölkerung nicht vergessen und muss sich an ihre Zusagen halten", sagte der Vorstandssprecher des Hilfswerks, Beat Wehrle, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). "Es herrscht eine massive Hungersnot. Für die Kinder in Afghanistan geht es um ihr Überleben. Mehr als zehn Millionen Kinder sind auf humanitäre Hilfe angewiesen."

Ein Jahr nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban am 15. August 2021 ist terre des hommes laut der Zeitung über Partnerorganisationen inzwischen wieder in elf afghanischen Provinzen aktiv. Dabei gehe es um die Bereitstellung von Nahrungsmitteln, medizinische Hilfe, psychosoziale Begleitung sowie um Bildungs- und Berufsbildungsprogramme.

Die Arbeit unter den neuen Machthabern gestalte sich schwieriger als in der Vergangenheit, so Wehrle. Sie sei aber nicht unmöglich: "Die Empfindlichkeiten der Taliban verlangen von den Helfern vor Ort viel Pragmatismus und Fingerspitzengefühl." Vor allem die von den Taliban-Herrschern verfügte strikte Trennung nach Geschlechtern mache die Arbeit komplizierter. Mädchen dürften die Schule darüber hinaus nur noch bis zur sechsten Klasse besuchen."

Die Rechte von Frauen auf Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit sind stark eingeschränkt und in vielen Fällen sogar ganz aufgehoben", sagte Wehrle und warnte: "Eine ganze Generation von Mädchen wird ihre Schulausbildung nicht abschließen können. Nach wie vor gehen Frauen und Mädchen auf die Straße, um dagegen zu protestieren. Sie alle riskieren willkürliche Verhaftungen."

Umso wichtiger sei es, dass Deutschland Afghanistan nicht aus dem Blick verliere, so der Vorstandssprecher. Deutschland solle seine Unterstützung "verstärkt über internationale und lokale Nichtregierungsorganisationen, die über langjährige Expertise in Afghanistan verfügen, umsetzen".

Deutschland und andere Nato-Staaten hatten vor gut einem Jahr Afghanistan verlassen. Am 15. August 2021 eroberten die Taliban nahezu kampflos die Hauptstadt Kabul. Das Datum wurde unlängst von ihnen zum nationalen Feiertag ausgerufen.




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