Newsinternational Freitag, 06.11.2009 |  Drucken

Kulturkampf in Italien: Kürbisse statt Kruzifix

Europäische Gerichtshof verbietet Kruzifixe in Klassenzimmer und festigt damit säkulare Grundhaltung – Stimmen von Vatikan, Regierung und Muslime

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden: Das Kreuz im Klassenzimmer einer italienischen Schule verletzt die Religionsfreiheit von Schülern. Politiker in Italien, Österreich und Bayern sind entsetzt. Folgt jetzt eine Klage aus Österreich, könnte der Vatikan in einen offenen Konflikt mit Europas Menchenrechtlern geraten.

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, zweitwichtigster Würdenträger im Vatikan, sagte: "Europa erlaubt uns nur noch Kürbisse, um Halloween zu feiern." Man müsse mit der größten Mühe die Symbole des Glaubes bewahren, für Gläubige und Nicht-Gläubige.

Der Vatikan hält das Urteil für "falsch und kurzsichtig", wie der Sprecher Federico Lombardi in einem TV-Interview erklärte. Das Urteil widerspreche dem Empfinden der Gläubigen. Religion leiste einen großen Beitrag zur Erziehung und zur moralischen Entwicklung der Menschen. Sie sei ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft.

Italiens Bildungsministerin Mariastella Gelmini (PDL) kündigte umgehend Berufung an. Das Kruzifix im Klassenzimmer sei ein Symbol "unserer Tradition" - keine Beitrittsklärung zum Katholizismus.

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, zweitwichtigster Würdenträger im Vatikan, sagte: "Europa erlaubt uns nur noch Kürbisse, um Halloween zu feiern." Man müsse mit der größten Mühe die Symbole des Glaubes bewahren, für Gläubige und Nicht-Gläubige.

Adel Smith, Vorsitzender der Union der Muslime Italiens, erklärte: "Die Verfechter des Kruzifixes in den Schulen hätten mit diesem Urteil rechnen müssen. In einem laizistischen Staat dürfen die anderen Religionen nicht von einer einzelnen unterdrückt werden."
Abd Al-Wahid Pallavicini, Präsident der Italienischen Islamischen Gemeinschaft, erklärte dagegen in einem Gastbeitrag für «Il Tempo», aus Sicht der islamischen Lehre sei das Straßburger Urteil nicht zu billigen.




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