Newsnational Mittwoch, 11.04.2012 |  Drucken

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Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht

Millionenfache Verteilung des Korans, der Rundumschlag des bayrischen Innenministers Herrmann zu Ostern und den Streit um Günter Grass - Themen der Nachrichtenagentur KNA im Gespräch mit ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek

Grundsätzlich ist die Weitergabe des Korans an Interessenten eine vielversprechende Tat im Islam. In einer Zeit, wo Ängste, Vorurteile und Missverständnisse das Bild der Muslime bestimmen, ist „ Hikma“ (Weisheit) und „Mauitha „(die gute Rede) in der der Dawa (Einladung zu Gespräch über den Islam) besonders gefragt. Vor diesem Hintergrund ist die millionenfache Verteilung des Korans an beliebige Haushalte  umstritten ,,denn das Wort Gottes ist kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt", sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Köln.

„Der Koran werde durch das gute Beispiel gelernt, gelehrt und geehrt. Ihn ohne Vorbild und Erläuterung auf der Straße zu verteilen, konterkariert diesen Gedanken", so Mazyek. Im schlimmsten Fall werde er als Altpapier weggeworfen.

Mazyek sagte, die Gefährten des Propheten Mohammed (s.a.s.) hätten sich davor gehütet, Koranverse nur auswendig zu lernen, ohne sich über ihre Bedeutung und Praktizierung "nicht hundertprozentig sicher" zu sein. So bedächtig und respektvoll seien die Vorbilder selbst mit einzelnen Versen umgegangen.

Muslime weisen Kritik Herrmanns an Verbänden als Polemik zurück

Der ZMD hat die Kritik von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an muslimischen Verbänden zurückgewiesen. Der "Rundumschlag" des Ministers sei "Stammtischpolemik bar jeder Fakten", sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Die Äußerungen Herrmanns spornten den Zentralrat allenfalls weiter an, für eine "Gleichbehandlung des Islam in Deutschland mit unseren Partnern in Politik und Gesellschaft" zu kämpfen. Mazyek verwies auf entsprechende Reformen auf Länderebene, besonders beim Religionsunterricht an öffentlichen Schulen.

Herrmann hatte muslimischen Organisationen in Deutschland mangelnden Einsatz bei der Integration von Zuwanderern vorgeworfen. Die Verbände stellten oft nur Forderungen an Staat und Gesellschaft, so der Minister vor wenigen Tagen. Der ZMD halte so wenig von der Rechts- und Werteordnung der Bundesrepublik, dass er auf seiner „umstrittenen“ Islamischen Charta" beharre.

Mazyek unterstrich, vor zehn Jahren sei die Charta als Handreichung im innerislamischen Diskurs sehr wichtig gewesen und daher in sechs Sprachen übersetzt worden. An keiner Stelle gebe es einen Widerspruch zum Grundgesetz, "sondern das Gegenteil ist der Fall".

ZMD: Krieg verhindern statt um Grass streiten

Mit Blick auf die Auseinandersetzung um Günter Grass hat der ZMD zu größeren Friedensbemühungen im Nahen Osten aufgerufen. Man brauche jetzt keine Diskussion um Grass, sondern eine groß angelegte Debatte, wie sich angesichts des Irankonflikts ein Flächenbrand vermeiden lasse.

ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek warnte vor dem "Automatismus eines Erstschlages" und damit einem am Ende "unausweichlichen Krieg". Stattdessen, so Mazyek, müsse es eine "Diplomatie einer Kriegsverhinderung" geben. Dieser solle sich Deutschland "gerade wegen seiner geschichtlichen Verantwortung" stellen. Der ZMD-Vorsitzende wörtlich: "Von dieser Staatsräson wünsche ich mir von unserer Bundesregierung mehr zu hören."

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hatte in dem Gedicht "Was gesagt werden muss" Israel im Atomkonflikt mit dem Iran eine friedensgefährdende Politik vorgeworfen. Die Bundesregierung forderte er auf, Israel keine Atom-U-Boote mehr zu liefern. Das Gedicht, das in europäischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde, sorgte international für Empörung, aber auch Zustimmung. Grass sprach daraufhin im NDR von einer Kampagne gegen ihn. Auf Inhalte in dem Gedicht werde nicht eingegangen, so der Literaturnobelpreisträger. Er nannte es einer demokratischen Presse nicht würdig, ihn als "ewigen Antisemiten" zu bezeichnen.



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