Artikel Montag, 03.09.2007 |  Drucken

Konstruktiv –selbstkritisch – proaktiv - Zur Feier des Kreativwettbewerbs und 10 Jahre islam.de - Von Aiman A. Mazyek

Konstruktiv –selbstkritisch – proaktiv - Zur Feier des Kreativwettbewerbs und 10 Jahre islam.de - Von Aiman A. Mazyek


Bismillah.

Wort zur islam.de-Preisverleihung „muslim made - Zeige mir den Propheten“ von Aiman A. Mazyek, Vorsitzender von islam.de und Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland (es gilt das gesprochene Wort).

Sehr geehrter Damen und Herren,
liebe Geschwister im Islam und muslimische Verbandsvertreter,
liebe Preisträger,
liebe Gäste von der Presse.

In der Tat; wir haben heute etwas zu feiern, wir können uns freuen und sogar ein bisschen stolz sein. Nicht etwa alleine weil das bekannteste und meistfrequentierte deutschsprachig-islamische Portal islam.de in diesem Jahr auf 10 Jahre Arbeit zurückblickt, nein, gerade auch, weil wir als Veranstalter unserer heutigen Preisverleihung diesen Tag ausgeguckt haben und mit Ihnen zusammen unsere Preisträger zu feiern.

Sie und alle anderen Mitwirkende – wer will kann auf Endeckungsreise gehen und einige Werke nachher im Foyer bestaunen – haben stunden – ja z.T. tagelang geschrieben und gedichtet, gemalt und gezeichnet, gemeißelt und geschnitzt, musiziert, gesungen, ja gar gefilmt, um so ihre Ehrerbietung, ihren Respekt und ihre Hochachtung gegenüber dem Gesandten und Propheten Gottes Mohammad – Friede sei auf ihm – entgegen gebracht.

„Zeige mir den Propheten“ eine durchaus provokante aber konstruktive und proaktive Aufforderung, die bei vielen Interesse und Lust des eigenen Schaffen mit der Hingabe zum Din geweckt haben, und nicht wie einige Misepeter eine Zeit lang behaupteten, zu religiös zweifelhaften Dingen angestiftet haben. Vor lauter nur auswendig gelernten Regeln und Gesetzen haben sie den Blick für das Eigentliche verloren - Sie aber haben uns, liebe Preisträger mit Ihren eingesandten Werken, auf so wundervolle Weise diesen Blick, den richtigen Blick weit geöffnet.

Die vielen Einsendungen aus Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz – ein Schweizer gehört zu den heutigen Preisträgern - beweisen eindrucksvoll, dass es anders geht, wenn man nur will. Keine einzige Einsendung entpuppte sich als Versuch den Propheten direkt abzubilden.

Die Künstler zeichneten, musizierten und schrieben über die Kraft in der Ableitung Mohammads Taten, die Liebe zu ihm, die in den Herzen wohnt, die von Generation zu Generation seit 1400 Jahre weiter getragen wird, ohne dass es einer Statue bedarf und die weiterhin – oder sollte ich sagen gerade deswegen - so unmittelbar, so nah ist, als weile der Prophet unter uns oder gehöre zu denjenigen in unserer Verwandtschaft, die wir uns immer als besten Freund, als tollsten Vater oder liebsten Onkel gewünscht haben.

Die Einsendungen und Werke von Ihnen/von Euch … sind Summe der Ergebnisse, die Ihr aus der Liebe und Zuneigung zu unserem Propheten zum Ausdruck gebracht habt. Überhaupt ist der heutige Tag mit den vielen Einspielungen und einstudierten Stücken ein Fest zu Ehren seiner Werke und Taten, gleich einem wandelnden Koran, zur Erinnerung an den Brückenbauer zu Gott, dem Liebling Allahs und Gesandten Mohammad s.a.s.
Ganz im Ernst und so ganz unter uns: Wünschen wir uns heute nichts Sehnlicheres kurz bevor der Monat Ramadan seine Tore öffnet, dass Er – Prophet Mohammad s.a.s. - heute unserer Ehrengast sein kann?

Ja natürlich – ich bekenne – die Erstellung der in dieser Form einmaligen Prophetenseite muhammad.islam.de und des anschließenden Kreativwettbewerbs mit dem Aufruf „Zeige mir den Propheten“, war eine – und ich darf da aus einer bekannten großen Zeitung aus der gestrigen Samstagausgabe zitieren“ eine ausgesprochen charmante Reaktion auf den Karikaturenstreit“.

Aber warum dürfen Muslime nicht auch einmal charmant und
humorvoll sein? Mohamed Laabdallaoui, der dankenswerter Weise dieses Projekt erfolgreich leitete, und ich vor über einem halben Jahr uns über die respektlose und schreckliche Verunglimpfung unseres Propheten ärgerten und gleichzeitig aber auch über die protestierenden muslimischen Hooligans, die überdimensional unter Ausblendung der überwiegend friedlichen Proteste gezeigt worden sind, fragten wir uns: wie wohl der Prophet selber darauf reagieren würde? Die Verbrennung von dänischen Fahnen konnten wir kategorisch ausschließen– das war uns klar.
Er würde wahrscheinlich als wandelnder Koran den Koran selber zu Rate ziehen, wo Gott zu ihm spricht:

„Und in Anbetracht der Barmherzigkeit Allahs warst du (o Muhammad) mild zu ihnen; wärst du aber rau und harten Herzens gewesen, so wären sie dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bitte für sie um Verzeihung“ (3/159)

Meine Damen und Herren, es ist natürlich selbstverständlich, dass Religion kritisiert werden kann, ja ihre Anhänger, wenn nötig, kritisiert werden müssen. Um die Abbildung oder Nichtabbildung des Propheten ging es im Streit es dabei aber ja schon lange nicht mehr.
Aber bedeutet das Recht auf freie Meinungsäußerung a priori Blasphemie und die Zementierung von Vorurteilen? Ist die Strategie der Provokation einziges Stilmittel, wie wir uns zukünftig den kritischen Dialog mit den Muslimen vorstellen?
Uns war klar: der Dialog der Kulturen kann nicht destruktiv und verteidigend geführt werden.

Konstruktiv –selbstkritisch – proaktiv – so könnte man in Kürze sloganartig unsere Philosophie benennen – und der Erfolg bei den Muslimen gibt uns recht, eine Richtung, die immer mehr Menschen – auch Nichtmuslime – zu überzeugen scheint. Nicht das eigene Schicksal bejammern, sondern es beherzt in die Hand nehmen. Nicht uns in die Opferrolle zu gefallen, sondern Täter von Wohlfahrt und Frieden für unsere ganze Gesellschaft in Deutschland zu sein. Uns so war es eigentlich klar, dass unsere bescheidene Antwort auf den Karikaturenstreit und die Verunglimpfung unseres Propheten keine reaktionäre sein kann; keine, wo Häuser zerstört werden, sondern, wo neue Häuser gebaut, aufgebaut werden müssten.

Die westliche Welt sollte mehr über das Spannungsverhältnis von Religionsfreiheit auf der einen Seite und Presse und Kunstfreiheit auf der anderen Seite diskutieren. Die Muslime sollten da auch mitmachen, war unsere Meinung, und sich nicht ausklinken. Hier unsere bescheidene Antwort, meine lieben Geschwister!

Sie als Jude, als Christ, Sie als Muslim, ja auch der Humanist sollen ihren Hut in den Ring werfen und konstruktiv am Dialog der Kulturen mitwirken und mit uns gemeinsam in Frieden „streiten“.
Und zu Stellvertreterdebatten sagen wir entschieden: Nein Danke! Denn es geht nicht in erster Linie darum, wie viel Islam die westliche Welt verträgt, sondern hauptsächlich darum, wie wir hierzulande mit eigenen Werten, die übrigens zum größten Teil den gemeinsamen Werten der drei monotheistischen Religionen entstammen, in Zukunft umzugehen gedenken.
Menschenverächter, Kulturverächter, Religionsverächter sollen aber bitte draußen vor der Tür bleiben; sie verstehen das Geschäft der Dekadenz, der Verneinung religiösen und humanistischen Gedankens und Glaubensangelegenheiten bestens; sie sind übrigens die größten Profiteure des Karikaturenstreites, denn sie lieben den Clash, sie lieben die Zerstörung, sie lieben den Terror. Wir aber nicht!


Wir treffen uns, meine Damen und Herren, nicht rein zufällig hier in Darmstadt, der "Stadt des Jugendstils". Der Jugendstil ist in Deutschland aus lokalen Bewegungen entstanden, die im Laufe der Jahre und über viele neu gründeten Kunstzeitschriften zu einem überregionalen Ideenaustausch gelangten.
Ähnliches wünsche ich den Frauen und Männern, die jetzt sich anschicken, im Kreativwerk die Erfahrungen und Arbeiten vorzusetzen und es bereitet mir Freude, dass wir alle an der Geburt dieses Babys mitgewirkt haben. Namentlich will ich stellvertretend für die vielen hier in Darmstadt Aktiven die Architektin Eva Klewno nennen, die beherzt, bestimmt und begeisternd die ganze Zeit die Fäden gesponnen und die Arbeit erfolgreich geführt hat.

Wie mittlerweile die Babys, die durch islam,de entstanden sind, erfolgreich arbeiten, zeigt unser Video-Portal waymo, welches große Anziehungskraft bei der Jugend besitzt… Die diesem Kreativwettbewerb zu Grunde liegende Seite muhammad.islam.de oder unser umfangreiche islam.de-textfabrik, um nur einige zu nennen.

Wir können heute alle, die an diesen Projekten mitwirken oder mitgewirkt haben stolz und Gott dankbar sein. Die meist ehrenamtliche Frauen und Männer aus dem gesamten Bundesgebiet, etwa über 50 Texter, Redakteure, Programmierer, Administratoren, wovon eine Reihe heute dabei sind und mindestens genau soviel Förderer; sie haben islam.de zu dem gemacht, was es heute ist, nämlich“ und ich darf einen guten Freund aus unserer zum Ende des Jahres noch herauszugebende Jubiläumsschrift vor ab zitieren, nämlich zu einer „Informationsagentur mit einem hervorragenden Dienst, der Verständigung und Aufklärung leistet und Hürden und Hindernisse, die zwischen den Muslimen und Christen und anderen Gruppen im Wege stehen, wegräumt“, so der Vorsitzende der Grünhelme Rupert Neudeck, der wie viele andere Worte für die Jubiläumsschrift verfasst hat.

Zum Schluss möchte noch ein ausdrückliches Lob an die Jury richten,
dem Vorsitzenden der Jury, dem Architekten und Allroundkünstler Ahmad Kreusch,
der Sängerin und Bestellerautorin Hülya Kandemir,
dem Musim-Rapper Ammar 114,
Azhar Usman, US-amerikanischer Stand-up-Comedian,
Münib Engin Noyan, Theaterwissenschaftler und Autor
und Outlandish, namentlich Isam Bashiri, der sie alle ausdrücklich grüßt.
Sie haben den Wert des Wettbewerbes mitgeprägt und ohne wie wäre er nicht halb so viel wert.

Auch dürfen nicht die Unterstützer und Sponsoren vergessen werden, die keinen geringeren Anteil am Erfolg dieses Projektes haben: Islamic Relief Deutschland, die Reisefirma ATC, und Mohammad Tatari, der dankenswerter Weise die gesamten Kosten des Austragungsortes übernahm – allen gebührt großer Dank.

Und hätten wir die die fleißige und stets den Dienst anbietende Muslimische Jugend Deutschland nicht, schwer vorstellbar ist es, dass das hätte alles geklappt hätte. Auch danke ich der Kooperationsbereitschaft der Islamischen Zeitung, die über den Verlauf und des heutigen Wettbewerb informierend beigetragen hat.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen:
Ich wünsche uns und Euch/Ihnen eine weiteren erfolgreichen Verlauf der Feier, ein ähnlich gutes Handling bei unserer nächsten Ausrichtung eines Kreativwettwerbes und Frieden auf Sie und in die Herzen – Salamu alaikum, wal hamdullillah.


Anm. Redaktion: In Kürze werden wir die Beiträge der Preisträger auf islam.de bzw. waymo.de veröffentlichen




Lesen Sie dazu auch:
Berliner Zeitung: Rap des Propheten

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