Newsnational Montag, 07.11.2022 |  Drucken


Papst Franziskus und Großiman Ahmed al-Tayyeb beim Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten in Bahrain
Papst Franziskus und Großiman Ahmed al-Tayyeb beim Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten in Bahrain

Großimam und Papst in Bahrain: Kultur des Dialogs

Beim interreligiösen Kongress "Bahrain Forum für Dialog: Ost und West für menschliche Koexistenz" kam es erneut zu einem Treffen zwischen dem Großscheich von al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb und Papst Franziskus. Der ZMD war ebenfalls vertreten.

Papst Franziskus und Großimam Ahmed al-Tayyeb begingen die Bahrain-Reise im Zeichen des Dialogs zwischen der muslimischen und der christlichen Welt und ebneten damit weiter den Weg für friedliche Begegnungen anstelle von konfliktverherrlichenden Konfrontationen. Die Präsenz und die gemeinsamen Gesten der religiösen Oberhäupter bieten vor allem in einer von Krisen und Kriegen geplagten Welt kraftvolle Botschaften und Inspiration, die sich nicht nur in Worten äußert, sondern durch beständige Begegnungen in eine gelebte Praxis übersetzt wird.

Der interreligiöse Kongress "Bahrain Forum für Dialog: Ost und West für menschliche Koexistenz", der vom 3. - 6. November in Bahrain stattfand, wurde vom Obersten Rat für Islamische Angelegenheiten in Bahrain in Zusammenarbeit mit dem Ältestenrat der Muslime ("Muslim Council of Elders") organisiert und steht unter der Schirmherrschaft des Königs von Bahrain.

Unter den Ehrengästen war ebenfalls der ZMD durch den Vorsitzenden Aiman Mazyek und den Generalsekretär Abdassamad El Yazidi vertreten. Mazyek kommentierte das Großereignis wie folgt: „Bahrain ist ein starkes Signal der Fortsetzung und Nachhaltigkeit des in Abu Dhabi begonnenen Zivilisations-Dialoges, den wir als ZMD begrüßen und unterstützen."

Zu Themen wie etwa der Rolle von Religionsführern bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen und interreligiösem Dialog für den Weltfrieden sprachen unter anderen der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios I., der Präsident der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, der britische Rabbiner David Rosen sowie ein Vertreter des russisch-orthodoxen Patriarchats.

„Bahrain ist ein starkes Signal der Fortsetzung und Nachhaltigkeit des in Abu Dhabi begonnenen Zivilisations-Dialoges, den wir als ZMD begrüßen und unterstützen." Aiman Mazyek


ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek und Generalsekretär Abdassamad El Yazidi

ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek und Generalsekretär Abdassamad El Yazidi
Botschaften der Koexistenz

Auf der Abschlusssitzung des Dialogforums hielt der Großimam von Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, eine Rede, in der er die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Ost und West betonte sowie die Überwindung der Konflikte und Herausforderungen, die diese Annäherung verhindern. Besonders im Westen stützten kolonialistische und imperialistische Theorien "diese Tragödien und Katastrophen", etwa in Bezug auf Ungleichheiten, der Globalisierung und einem Kampf der Kulturen. Die westliche Politik bei der Bewältigung internationaler Krisen nannte al-Tayyeb "ineffektiv".

Während der "Westen die Weisheit des Ostens braucht, seine Religionen und die moralischen Werte", bräuchten die Menschen im Osten "eine neue Sichtweise auf den Westen, die von Fairness und Nächstenliebe geprägt ist". Muslimische Gelehrte rief er zum Dialog auf, auch innerhalb des Islam. Konkrete meinet al-Tayyeb die Gespräche zwischen zwischen Schiiten und Sunniten zu Versöhnung und Einheit. Religion dürfe nicht missbraucht werden, "um nationalistische und ideologische Gefühle zu schüren", so der Großscheich.

Der Papst ging in seiner Rede auf die Bedeutung des Dokuments über die Geschwisterlichkeit aller Menschen ein, um den Weltfrieden und das Zusammenleben zu festigen, und betonte die Notwendigkeit einer fruchtbaren Begegnung zwischen dem Westen und dem Osten, die auf dem Glauben in Gott und der menschlichen Geschwisterlichkeit beruht. Es erfordere „Geduld, Respekt und im Geiste des Zuhörens einen Dialog führen zu können“.




Aiman Mazyek mit Botschafter Clemens Hach und Betsy B. Mathieson, Vize Präsidentin des King Hamad Centre

Aiman Mazyek mit Botschafter Clemens Hach und Betsy B. Mathieson, Vize Präsidentin des King Hamad Centre
Dabei reiche es nicht aus, sich tolerant zu nennen, man müsse „dem Anderen wirklich Platz einräumen, ihm Rechte und Chancen geben.“ Vor hochrangigen Religionsvertretern mahnte er in Awali dabei auch die Anerkennung der Frau "in der Bildung, bei der Arbeit, bei der Ausübung ihrer sozialen und politischen Rechte" an. Weiter sprach sich Franziskus für "echte Religionsfreiheit" ohne äußere Zwänge aus. Allein das Recht einer freien Religionsausübung reiche nicht. Er forderte zudem den Einsatz für ein "vollwertiges Bürgerrecht" und ein respektvolles, legales Zusammenleben.



Hier geht's zu den vollständigen Reden:
Großimam Ahmed al-TayyebPapst Franziskus








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