Newsinternational Montag, 11.07.2022 |  Drucken


Im Nordwesten Syriens hätten 70 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend Nahrung und 1,7 Millionen Menschen kaum Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung
Im Nordwesten Syriens hätten 70 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend Nahrung und 1,7 Millionen Menschen kaum Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung

"Dies ist ein dunkler Tag in der Geschichte des UN-Sicherheitsrates"

Russlands Veto gegen die grenzüberschreitende Hilfe nach Syrien ist eine Katastrophe

Bonn (KNA) Nach dem Veto im Weltsicherheitsrat zu einer Verlängerung von Hilfen für Syrien kommt Kritik von der Hilfsorganisation Care. "Das Veto hat zur Folge, dass die grenzüberschreitende Hilfe nach Nordwest-Syrien nicht verlängert und eine wichtige Lebensader für Millionen Menschen geschlossen wird - dabei ist der Bedarf an Unterstützung größer als je zuvor", erklärte Care am Samstag in Bonn. Nach elf Jahren Konflikt seien die Menschen an der Grenze ihrer Leidensfähigkeit.

"Dies ist ein dunkler Tag in der Geschichte des UN-Sicherheitsrates", betonte der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Das humanitäre Völkerrecht sehe vor, dass Syrer im ganzen Land Anspruch auf humanitäre Hilfe hätten. "Indem hier politische Motive über die humanitären Prinzipien gestellt wurden, hat der UN-Sicherheitsrat die Menschen im ganzen Land im Stich gelassen.

"Die Entscheidung werde das Leid und den Verlust von Menschenleben verstärken. "Das Veto gegen die grenzüberschreitende Hilfe nach Syrien ist eine Katastrophe", so Zentel. Mit dieser Hilfe würden mehr als vier Millionen Syrer medizinisch, mit Nahrung, sauberem Wasser, Bildungsmaterialien und sozialen Diensten versorgt. Im Nordwesten Syriens hätten 70 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend Nahrung und 1,7 Millionen Menschen kaum Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Würden die Grenzen geschlossen, könnten nur noch sporadisch Hilfsgüter in den betroffenen Gebieten ankommen, erklärte Care. "Wir fordern alle Parteien auf, den prinzipientreuen humanitären Zugang zu gewährleisten und die humanitäre Arbeit weiter zu ermöglichen." Der Sicherheitsrat müsse schnell einen Weg finden, die Entscheidung zu revidieren und wieder grenzüberschreitende Hilfe sicherzustellen.

Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatten UN-Experten an den Sicherheitsrat appelliert, den einzigen Zugang für humanitäre Hilfe in Syrien offenzuhalten. Auf Betreiben Russlands ist der syrisch-türkische Grenzübergang Bab el-Hawa seit Juli 2020 die einzige Stelle, an der Hilfstransporte in das Bürgerkriegsland gelangen können. Auch diese Möglichkeit endet an diesem Sonntag, wenn nicht der Weltsicherheitsrat die entsprechende Resolution verlängert. Dies scheiterte nun an einem Veto Russlands gegen einen Entwurf von Irland und Norwegen, dies für zwölf Monate weiterlaufen zu lassen.




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