Newsnational Donnerstag, 06.01.2022 |  Drucken


Wasserspeier von Notre-Dame, symbolisiert den Einfluss des Teufels auf das Irdische im Kontrast zur Reinheit des Himmelreiches
Wasserspeier von Notre-Dame, symbolisiert den Einfluss des Teufels auf das Irdische im Kontrast zur Reinheit des Himmelreiches

Wann wird der Islam in Frankreich heimisch?

Regierung will nochmals ein neues Organ installieren, das Muslime vertreten soll.

Paris (KNA/Eigene) Frankreichs Regierung will offenbar bald ein neues offizielles Vertretungsorgan der Muslime im Land installieren. Nach Informationen der Sonntagszeitung „Journal du dimanche“ soll das Forum des Islam in Frankreich (Forif) den seit 2003 bestehenden Dachverband Französischer Islamrat (CFCM) ersetzen. Dieser wurde mit der Unterstützung des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy gegründet. Unabhängig vom Willen der Mehrheit der Muslime bestimmte das Innenministerium den Präsidenten.

Jetzt verlangt das Innenministerium vom neuen Gremium Unabhängigkeit vom Ausland und eine entschiedene Ablehnung von Fundamentalismus. Zudem müsse es für Gewissensfreiheit, Säkularismus und Meinungsfreiheit stehen. Arbeitsschwerpunkte sollen Militärseelsorge, Verzeichnung von antimuslimischen Stimmungen, die Imam-Ausbildung sowie die Umsetzung des Gesetzes zur „Festigung der Achtung der Grundsätze der Republik“ sein, auch Gesetz gegen Separatismus benannt.

Mitte Dezember hatte Innenminister Gerald Darmanin nach Monaten der Grabenkämpfe und internen Streitereien zwischen den verschiedenen Herkunftsföderationen des Islamrates das Ende des CFCM erklärt. Der Rat sei „nicht mehr der Gesprächspartner der Republik“. Nach Informationen der Zeitung sollen dem neuen Gremium keine hohen Funktionäre des bisherigen Islamrates mehr angehören.

Im März hatten vier Föderationen, darunter die Große Moschee von Paris, ihren Bruch mit dem CFCM und ihren Wunsch erklärt, eine parallele Koordination zur Vertretung des Islam in Frankreich zu schaffen. Der Abgang war ausgelöst worden durch die Weigerung von drei Föderationen, darunter zweier mit der Türkei verbundener, die „Charta der Prinzipien des Islam in Frankreich“ zu unterzeichnen.

Aufgrund der strikten laizistischen Trennung von Kirche und Staat in Frankreich ist das Tragen von Kopftüchern an staatlichen Behörden, Schulen und Universitäten verboten. Seit 2011 ist auch eine Vollverschleierung in der Öffentlichkeit untersagt; sie wird mit 150 Euro Bußgeld geahndet. Zudem können Frauen, die auf öffentlichen Plätzen den islamischen Ganzkörperschleier tragen, zu einem Kurs in Staatsbürgerkunde verurteilt werden. Nicht nur religiöse Kleidervorschriften, auch islamische Speiseregeln sorgen in Frankreich immer wieder für hitzige Debatten.




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