Newsnational Montag, 21.10.2019 |  Drucken


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hätte sich früher islamische Theologie an deutschen Universitäten gewünscht

"Fehler seien bereits Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre gemacht worden. Dieses Versäumnis müsse jetzt aufgearbeitet werden", so Steinmeier.

Tübingen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hätte sich früher den Aufbau von Zentren für islamische Theologie an deutschen Universitäten gewünscht. Dieses Versäumnis müsse jetzt aufgearbeitet werden, sagte Steinmeier am Dienstagabend bei einer Veranstaltung in der Universität Tübingen.

Aus seiner Sicht wäre es beispielsweise sinnvoll gewesen, früher islamische Religionslehrer auszubilden. Fehler im Umgang mit Migranten seien bereits Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre gemacht worden, als die Verantwortlichen davon ausgegangen seien, dass Menschen nur für eine vorübergehende Phase in die Bundesrepublik gekommen wären, um dann wieder zu gehen.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich seit seiner Gründung immerzu für einen Islam hiesiger Prägung eingesetzt. Konkret sprach er sich für ein Islam an deutschen Hochschulen, deutsch-islamischer Religionsunterricht, und letztendlich für die Gleichberechtigung der muslimischen Religionsgemeinschaften aus.


Tübingen Innenstadt

Tübingen Innenstadt
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich seit seiner Gründung immerzu für einen Islam hiesiger Prägung eingesetzt.

Die Universität Tübingen, die kürzlich ein Zentrum für Islamische Theologie eröffnet hat, sah sich in den letzen Wochen unbelegten Vorwürfen ausgesetzt, dass es ein "Netzwerk der Muslimbrüder" gebe. Diese erwies sich jedoch als unwahr und bewegten sich "im Reich der Spekulation", so Rektor Bernd Engler letzten Montag nach einer internen Überprüfung.

Er sehe "keinerlei Belege" für Vorwürfe, jedoch könne die Hochschule nicht ignorieren, dass die Vorwürfe das Ansehen des Zentrums beschädigt hätten.
 In Medien hatte es Kritik an nach Tübingen eingeladenen Personen und der Teilnahme Tübinger Wissenschaftler an internationalen Konferenzen gegeben.

Die Tübinger Experten genössen auch im politischen Raum viel Vertrauen, so Engler. Dies werde etwa durch die Mitarbeit in der Islamkonferenz und beim Integrationsgipfel der Bundesregierung sichtbar. Dieses Vertrauen müsse erhalten werden. Universität und Zentrum wollen deshalb "einen internen Diskussionsprozess zum Umgang mit Personen und Einrichtungen anstoßen, die dem radikalen Spektrum zugeordnet werden können". Dazu sollten Leitlinien erarbeitet werden. Mit Beschäftigten und Studierenden werde ein Verhaltenskodex erarbeitet.

Die im Grundgesetz formulierte Freiheit von Forschung und Lehre schließe ein hohes Maß an Verantwortung ein.



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