Leserbriefe Dienstag, 16.11.2004 |  Drucken

Leserbriefe



K.D.: Fall Van Gogh zeigt: stärkerer Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Europa ist gefordert schrieb:



Ich empfinde Van Goghs Arbeiten zwar auch in einem gewissen Sinne als Beleidigung für die Muslime, doch ist seine Tötung in keiner Weise zu rechtfertigen, beziehungsweise zu entschuldigen und jegliche Diskussion in diese Richtung ist mithin strikt abzulehnen!
Auch Muslime müssen lernen mit derartigen „Beleidigungen“, die aus meiner Sicht ohnehin alltäglich sind und sehr häufig leider schon ein Dummheitsniveau erreicht haben zu leben und fast die absolute Mehrheit tut dies ja auch bereits.
Es kann zwar die Diskussion geführt werden, inwiefern zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit auf der einen und „religiöser Beleidigung“, beziehungsweise eventueller „Volksverhetzung“ auf der anderen Seite abzuwägen ist, doch darf niemand zur Selbstjustiz greifen, unser gesamtes verfassungsrechtliches Wertesystem mit den Füßen treten und damit den Weg für Hass und Gewalt zwischen den gesellschaftlichen Gruppen zu ebnen und damit die ohnehin gespannte gesellschaftliche Situation weiter zu strapazieren.

Die Grundrechte, die für Muslime Gültigkeit haben müssen, haben auch für
Van Gogh Gültigkeit!

Kein Mensch kann von seinen Grundrechten Gebrauch machen wollen und die anderer gleichzeitig verletzen, sei es ein Moslem, Christ, Jude oder wer sonst auch immer!
Doch wird dies aus meiner Sicht und Erfahrung von der großen Mehrheit der Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland ( und Europa ) auch akzeptiert.
Erschreckend empfinde ich es viel mehr, dass nach dem von der Mehrheit der Muslime verurteilten und verachteten Mordanschlag auf Van Gogh jedoch so viele Moscheen und als Reaktion daraufhin auch einige Kirchen in den Niederlanden zerstört wurden!
Dies ist inakzeptabel und ein Armutszeugnis zugleich, denn es ruft bei mir Empfindungen, beziehungsweise die Frage auf:
Diente dieser Anschlag nicht zuletzt auch einigen wenigen demokratie-, ausländer- und auch islamfeindlich gesinnten Extremisten als Anlass, mal so endlich ihrem schon lange latent vorhandenen Hass einmal sichtlichen Ausdruck zu geben, indem Schulen ( wo muslimische Kinder lernen ) oder Moscheen ( Häuser Gottes und des Friedens ) zerstört wurden und somit noch mehr „Öl ins Feuer“ schütten konnten!?
Diese Wunden müssen nun von allen gesellschaftlichen Gliedern kollektiv schnell „genäht“ werden, denn nur so bekommt man wieder ein friedliches und vernünftiges gesellschaftliches Miteinander zustande.

Es ist aufgrund dieser erschreckenden Ereignisse mal wieder ersichtlich geworden, wie wichtig ein stärkerer Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Europa ist! Hierzu sind alle Seiten gleichermaßen aufgefordert und gefragt Ihren Part zu erfüllen, um das Ziel eines friedlichen Miteinanderlebens von Muslimen und Nichtmuslimen in einem pluralistischen und demokratischen Europa zu stärken!
So mancher Anlass dämpft zwar den Optimismus auf jeder Seite, doch ist es die Pflicht jedes Menschen, bis zum Ende sein bestes zu geben, sprich nie den Kopf hängen zu lassen und weiterhin für eine friedliche und zielorientierte Verständigung zu arbeiten! Dies gilt für Muslime, wie für nicht Muslime gleichermaßen! So mancher Konflikt in der Geschichte schien bereits aussichtslos und endete am Ende dann doch, dank menschlichen Engagements und menschlicher Vernunft in dauerhafter und tiefgehender Freundschaft sowie einem friedlichem Zusammenleben.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, Muslimen sowie Nicht-Muslimen für die Zukunft mehr Erfolg bei der Verständigungsarbeit und vor allem dass alle Seiten aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und diese nicht wiederholen!


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