Leserbriefe Dienstag, 15.07.2003 |  Drucken

Leserbriefe



Kein Kirchenverkauf an Muslime: Grosser Rückschitt schrieb:



Guten Tag,

Betr. `Kein Kirchenverkauf an Muslime`

Ich halte das für einen großen Rückschritt im christlich-islamischen Dialog, der längst überwunden geglaubte Vorurteile wieder nach oben kehrt. Fragwürdig ist meiner Ansicht nach außerdem die Argumentation, dass `ein nicht mehr als Gotteshaus benutztes Kirchengebäude in der Bevölkerung noch als Kirche wahrgenommen werde und deshalb ein Verkauf an eine muslimische Gemeinde von vielen Menschen nicht verstanden` werden würde.

Dazu möchte ich ausschnittweise auf einen Text verweisen, der im Juni im
Hamburger Abendblatt erschien: `In Großbritannien wurden Kirchen in
Discos umgewandelt, in den Niederlanden wird heute auf mancher Kanzel
Kaffee getrunken. In Hamburg gab es immer wieder Streit um diese Frage.
So sorgte die Techno-Nacht in St. Katharinen für Empörung. Kritik gab
es auch an einer Modenschau in der Kulturkirche St. Johannis Altona.
Der dortige Pastor, Ulrich Hentschel, geht bisher in der Hansestadt am
weitesten. Die Gemeinde vermietet die Kirche in der Woche zum Beispiel
für Partys oder Betriebsfeiern.`

Auf katholischer Seite will zum Beispiel das Bistum Berlin-Brandenburg
sogar rund 100 Kirchen abzureißen. Dort gilt der Grundsatz "Abriss vor
Umwidmung".

Auch wenn es sich um eine andere Landeskirche bzw. um eine andere
christliche Konfession handelt: Sollten diese beiden aberwitzigen
Alternativen - Vergnügungslokal oder Abriss - tatsächlich vertretbar
sein, sollten sie etwa keinerlei Gefühle verletzen unter den Menschen,
die diese Kirchen vielleicht Jahrzehnte lang als Gotteshäuser nutzen.
Sollte das tatsächlich besser sein, als wenn diese Gebäude doch
weiterhin als Bet- und Versammlungsort gläubiger Menschen genutzt
würden und, ganz nebenbei, für die Nachwelt erhalten blieben?
Oder steckt hinter der Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen
einfach nur unausgesprochen die Angst, der Islam könne ein Vakuum
füllen, und das ausgerechnet in ehemaligen Kirchen. Vielleicht steckt
dahinter ja die Vorstellung, dass - im Gegensatz zu einer ehemaligen
Kirche - von einer "Hinterhof-Moschee" keine "Gefahr" ausgeht?

K. Eilert, Siegen


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