Leserbriefe Donnerstag, 15.05.2003 |  Drucken

Leserbriefe



Bernd: zum Leserbrief von Silvia schrieb:



Hallo Silvia,

Ich gebe dir Recht, dass es zwischen den Lehren einer Religion und der Praxis ihrer Anhänger Widersprüche gibt. Wahrscheinlich trifft dies sogar auf alle Religionen zu. Ich will nicht die religiöse Toleranz des Osmanischen Reiches in Frage stellen. Aber deine Auflistung von Auswüchsen des Christentums scheint mir doch etwas einseitig zu sein. Klar ist, dass es in der Geschichte des Islam auch dunkle Seiten gibt. So war die Eroberung Spaniens eine kriegerische Handlung und eine Reconquista (Rückeroberung) durch die damaligen Christen ein kriegerische Konsequenz.
Ich glaube aber nicht, dass man Unrecht mit Unrecht aufwiegen kann. Ein Blick in die Historie kann sinnvoll sein. Doch da das Osmanische Reich nicht mehr existiert, ist es doch sinnvoller das heutige Verhältnis von Islam und Christentum zu beurteilen.
Mir scheint, dass im westlich/christlich geprägten Abendland Muslime frei ihre Religion leben können und sogar gefördert werden. In den meisten arabisch/islamisch Ländern wird das Christentum nur geduldet, wenn nicht sogar verfolgt. Nicht nur Muslime leiden unter der jetzigen politischen Weltsituation. Die Anzahl der weltweit wegen ihres Glaubens verfolgten Christen wird auf 200 Millionen geschätzt.

Ich glaube, dass wir deswegen besonders in Europa die Chance und Pflicht haben das friedliche miteinander zwischen den Religionen zu leben um ein Beispiel für den Rest der Welt abzugeben. Als ermutigendes Zeichen fand ich die Ablehnung des Irakkrieges durch den Papst, der keine Scheu hatte den Krieg gegen ein muslimisch geprägtes Land zu verurteilen. Es erschreckt mich aber, wenn ich sehe wie im Irak religiöse Eiferer die neue Freiheit dazu
nutzen die Errichtung eines ausschließlich islamischen Staates zu fordern.
Ein tolerantes Staatswesen zu gründen in dem auch die christliche Minderheit einen gleichberechtigten Platz findet scheint für diese Leute kein Ziel zu sein.

Ein Blick nach Europa mit seiner jetzigen Toleranz der Religionen würde sich doch mal lohnen.

Herzliche Grüße
Bernd


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